Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 39 (20.9.1858)
- Date
- 1858-09-20
- Page
- Seite 530 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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SSV kann, als die geschehene Zulassung der Juden ins Parlament. Wie geht es denn zu, daß bei diesem Ausgangspunkt, und nachdem in sechs Perioden nur von der allgemeinsten brüderlichsten Duldung, von der Entfernung jedes gröberen und feineren Zwanges, jeder Bevorzugung und Zurücksetzung von Religionswegen, von der Beseitigung jeder abgenöthigten Theilnahwe an kirchlichen Hebungen und Lasten gesprochen wird, der siebente Absatz, beginnend mit den Worten: „Da wir nun sehen u. s. w.", plötzlich nur noch von „Mitchristen irgend einer Benennung", von der „Umarmung Aller, die unfern Herrn Jesum Christum aufrichtig lieben", von der erlittenen „Verfolgung um Christi willen" u. s. w. geredet wird? Der Einsender ist weit entfernt zu glauben, daß es Ihre Absicht ist, die allgemeine Menschenliebe, diese, freilich durch spätere Zuthaten oft beschädigte, Grundbasis des Juden- und mithin des Christenthums, auf die bloße Liebe von Christen zu Christen zu beschränken, um so mehr, als es Ihrer Gesellschaft hinlänglich bekanntist, wie die meisten Christen nur Diejenigen als „Mitchristen" erkennen, die denjenigen „Christus lieben" und auf demjenigen Wege lieben, der ihnen, meist vermöge ihres erhaltenen Jugendunterrichts, als der allein richtige erscheint. Wie gesagt, der Einsender hält Sie nicht einer solchen Einengung der Liebe und der inneren Erleuchtung fähig; aber wenn es Ihre Absicht auch nicht ist, so geben Ihre Worte doch leider Anlaß zu einer solchen Auffassung, namentlich in Bezug auf Juden und sonstige Nichtchristen, geschweige denn auf die Freidenker. Der Einsender glaubt aber, daß gerade die Lehren Ihrer Gesellschaft die totale Sprengung solcher Fesseln verlangen, er glaubt es nach dem Satze, daß der Baum an den Früchten erkannt wird, um so mehr, als die wirkliche und allgemeine religiöse Freiheit, die auf dem Kontinent durch die Versammlung von 1789 und in England durch George Canning proclamirt wurde, direct aus den transatlantischen Gegenden stammt, wo Ihre Vorgänger sie nicht allein als Dogma verkündigten, sondern sie auch, zum langersehnten Heil der Menschheit, zum ewig blühenden Staatsgesetze machten. Hier wie nirgends wäre nun der Ort, mit dem Propheten auszurufen: „Haben wir nicht Alle Einen Vater? Hat uns nicht Ein Gott erschaffen?" Und mit diesen: altisraelitischen Rufe erlaubt der Einsender sich, Ihnen in Erinnerung zu bringen, daß es nur ein baldigst zu verbessernder Jrrthum Ihrerseits sein kann, wenn Sie in Ihrem segenfördernden Aufrufe einschränkende Redeweisen angewendet haben, die unmöglich aus Ihrem Herzen, aus Ihrem erleuchteten Bewußtsein entsprungen sind. Die Dologneser Angelegenheit. Wie wir vernehmen, hat diese Angelegenheit bereits zu diplomatischen Verhandlungen Veranlassung gegeben. Die öffentlichen Blätter bemerken: „Die vielbesprochene Geschichte mit dem in Bologna getauften Judenkinde giebt jetzt zu einer Agitation unter den englischen Juden Veranlassung. Einundzwanzig israelitische Gemeinden in Sardinien haben sich nämlich an die hiesige Jndengemeinde gewendet, damit sie ihren Einsiuß zu Gunsten der schwergebeugten Familie geltend mache. Diese hat einen aus acht Mitgliedern bestehenden Ausschuß unter dem Vorsitze von Sir Moses Montefiore niedergesetzt, damit er die nöthigen Schritte thue, und dieser Ausschuß hat beschlossen, sich vor Allem mit den Centralconsistorien von Holland und Frankreich in Einvernehmen zu setzen, die englische Presse zur Theilnabme an ihren Bemühungen aufzufordern, die Angelegenheit wo möglich der englischen Regierung ans Herz zu legen und im äußersten Falle eine Deputation an den Papst zu schicken." — Folgende find die deutschen und preußischen Rabbinen, die sich zu einer energischen Vorstellung an den Papst vereinigt, und den Dr. Philippson mit der Abfassung und Absendung beauftragt haben: Rabbiner Dr. Mayer in Stuttgart, k. württ. Kirchenrath, Bodenheimer, Consistorial-Oberrabbiner in Crefeld, Auerbach, Consistorial-Oberrabbiner in Bonn, I. Kahn, Confistorial-Oberrabbiner in Trier, M. Lebrecht, Brzirksrabbiner in Niederwerrn, Dr. Heilbut, Landrabbiner in Geestemünde, Landsberg, Landrabbiner in Hildesheim, Dr. Adler, Landrabbiner in Caffel, Goldmann, Kreisrabbiner in Eschwege, Rabbiner Dr. S. Mayer in Hechingen, Rabbiner Dr. Landsberg in Posen, Landsberg, Rabbiner in Nicolai, Dr. I. Hamburger, Rabbiner in Neustadt bei Pinne, H. Leffer, Rabbiner in Pr. Stargardt, Dr. Wormser, Bezirksrabbiner in Hadamar, Dr. Sobernheim, Rabbiner in Bingen, L. Schott, Vezirksrabbiner in Bühl, S. Brann, Rabbiner in Schneidemühl, Dr. Jacobson, Rabbiner in Marienwerder, Präger, Rabbiner in Mannheim, Dr. Levi, großherzogl. Rabbiner der Prov. Oberheffen, Dr. Dreyfuß, Herzogs. Landrabbiner in Walldorf, Dr. Schwarz, Rabbiner in Cöln, Ben Israel, Rabbiner in Coblenz, Dr. L. Lazarus, Rabb. in Prenzlau, Kuttner, Rabbiner in Schwedt a. O., Dr. Joel,