Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 38 (13.9.1858)
- Date
- 1858-09-13
- Page
- Seite 524 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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an die Stelle zu bringen suchen. Allein, wenn auch die Männer des Fortschrittes um des lieben Friedens willen diesem Treiben ruhig zusahen, so scheiterte es an dem festen Willen des Regierungsrathes. Das Rabbinat wird ausgeschrieben. Es ist zu wünschen, daß ein geflnnungstüchtiger Mann von bessern! Streben auf den RabbinatSstuhl komme. Und ein solcher wird gewiß einen schönen Wirkungskreis finden und Gelegenheit haben, Licht und Lehre nicht nur über Endingen, sondern über die ganze Schweiz auszubreiten. Wenn er gewissenhaft der Erfüllung seiner von der Religion und dem Landesgcsetz vorgeschricbenen Obliegenheiten lebt, wird er sich sowohl die Zuneigung der nicht schwer zu befriedigenden Gemeinde, als auch die Gewogenheit der Behörden und die Achtung des Volkes erwerben und so den Juden in der Schweiz Ehre machen. Rußland. Von der polnischen Grenze, 8. August. (K. Z.) Seit der Regierung Kaiser AleranderS I., unter welcher ein Jude, Namens Posener, das Privilegium erhielt, ein Landgut zu erwerben, ist ein solcher Act der Toleranz erst jetzt wieder unter Alexander II. zu registriren. Die gestrigen Warschauer Blätter bringen einen allerhöchsten Befehl, der die Ertheilung des Privilegiums, Landgüter zu pachten und als Eigenthum zu erwerben, an den durch Arbeiten auf dem Gebiete der Bodencultur bekannten Juden Bernhard Hantle verfügt, wiewohl unter wesentlichen Einschränkungen, nämlich, daß dieses Privilegium aus seine Erben nicht übertragen werden kann; daß er auf den Liegenschaften befindliche Wälder weder auSroden noch abholzen darf, um das Holz zu verkaufen, bevor dieselben nicht nach Grundsätzen der Staatsforstwirthschaft eingerichtet und bewirthschaftet sind; daß er daS Amt des Gemeindevorstehers nicht verwalten könne, sondern dazu von der Regierung ein Christ ernannt werde; daß er als Collator und Besitzer gleich den übrigen Eingepfarrten seinen Thcil zur Erhaltung der Kirche, Propstei und des Gottesackers beitrage; daß seine Wirthschaftsbeamten so lange aus Christen gewählt werden, bis er die Bauern auf seinen erworbenen Gütern in Zinsbauern verwandelt hat; daß die Ausschcnkung von Getränken auf seinen Gütern nicht von Juden, sondern von Christen betrieben werde; daß schließlich das Privilegium keine Anwendung findet auf Güter, welche innerhalb der preußischen und österreichischen Grenz- Rayons von 21 Werst (3 Meilen) von der Grenze belegen sind, weil daselbst Juden, die nicht seit längerer Zeit in denselben angesiedelt sind, nicht wohnen dürfen. (Man erkennt aus solchem Privilegium so recht, welchen Einschränkungen die Juden in Polen unterworfen sind, und wie doppelt ungerecht die Vorwürfe, die man ihnen hinterdrein wegen Nichtbetheiligung am Ackerbau macht. Demungeachtet zeigt unS die Geschichte, daß die Ertheilung solcher Privilegien gewöhnlich der Weg ist, den die Entwickelung zur Aufhebung der Beschränkungen nimmt. Hoffen wir dieses auch von diesem Falle, da die Wiederholung endlich zur Verallgemeinerung führt. Redaet. der A. Z. d. I.) Holland. Amsterdam, 10. August. (Arch. isr. de Fr.) Ein schmerzliches Ereigniß hat am Sonntag den 1. d. M. in der sogenannten schottischen Kirche dieser Stadt stattgefunden, ein Ereigniß, das einen großen Wiederhall gefunden hat. Ein junger Mann, Israelit, weniger als sechszehn Jahre alt, war in diese Kirche eingetreten und hat den Prediger Dr. Schwartz mit einem Dolch verwundet. Dies ist eine unerhörte That in den israelitischen Annalen und welche man nicht ohne Grund dem Fanatismus oder einer Krankheit, welche die medicinischen Juristen monomsnis religiosa nennen, zuschreibt. Wir denken, daß dieses beklagenswerthe Verbrechen größtentheils den aus einem übertriebenen Eifer geflossenen Predigten der Missionäre zugeschrieben werden kann, die zu uns aus England gekommen sind und die ihren Wohnsitz in Amsterdam aufgeschlagen, wo sie eine Special-Kirche in der Nachbarschaft deö Quartiers, in welchem hauptsächlich Israeliten wohnen, ausgebaut haben. Es ist nichts dagegen zu sagen, ein Jeder hat das Recht, fich niederzulassen, wo er will; aber diese Missionäre haben Tractate veröffentlicht und unter unfern Glaubensgenossen herumgetragen, und geben ein Journal gleich dem, welches in England erscheint, heraus. So lange diese Propagandisten der anglikanischen Kirche sich an die bedeutendsten Männer der jüdischen Religion gewendet haben, blieben ihre Predigten ohne Erfolg und man begnügte sich, die Achseln zu zucken. Aber als sic, um so zu sagen, die Umzäunung unserer