Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 38 (13.9.1858)
- Date
- 1858-09-13
- Page
- Seite 523 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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523 Eben so sehr befriedigte die Männer der Wissenschaft daS Buch von Jost. Es sind die Resultate der Forschung mit solcher Ruhe abgefaßt, die das Zeugniß eines geläuterten, geklärten Geistes geben. Leider wird bei Anderen diese Ruhe oft vermißt und mit vielem Bedauern bemerkten wir die Heftigkeit, die Herr Dr. Geiger seit dem Erscheinen seiner „Urschrift" zeigt. Es kann gewiß nicht erfreulich stimcken, wenn man den Aufsatz in der deutsch-morgenländischen Gesellschaft gegen die Koryphäen unserer Zeit liest. Es kömmt mir nicht zu, dem Manne zuzurufen nraa traan •’aan iS»«''; aber warum diese Heftigkeit? Es wird Niemand die Bedeutung GeigerS für die Wissenschaft des Judenthums absprechen; daß aber seine „Urschrift" nicht frei von Fehlern ist, daß er speciell sich in ein System verrannt hat, wird sein größter Verehrer, und wir gehören nicht zu den letzten, zugestehen müssen. Jüngst sind von Jellinek zwei Reden im Druck erschienen, die bei der Schlußsteinlegung und bei der Einweihung deö neuen Tempels. ES war dieses um so angezeigter, da bei der Schlußsteinlegung nur ein kleines Publikum zugelassen wurde, und bei der Einweihung die Klage sich vernehmen ließ, daß man nichts höre. Jetzt hören allerdings diese Klagen auf. Nicht unerwähnt darf ich lassen, daß Herr Dr. Jellinek mit der vollen Kraft seines großen Talentes in der letzten Predigt gegen die unwissende Orthodoxie zu Felde zog. Das ist eine Plage der neuen Zeit, daß die Unwissenheit daS große Wort führt und den Männern der Wissenschaft die Gesetze vorschreiben will. Wir haben jetzt -pmn “i«a ■’VaiN, die von den Andern verlangen, streng koscher zu leben und nicht vor Ablauf von sechs Stunden Milchnoch Fleischspeisen zu genießen; wir haben auch Personen, die jeden ma« ana72, von dem sie zufälliger Weise Kcnntniß haben, als '*01 zur Geltung gebracht wissen wollen. Und daS Alles geschieht, um gewissen Personen Concessionen zu machen, und zwar Personen, mit denen man nicht nna n«ia sein darf, wenn man nicht um seinen guten Ruf kommen will. DaS Wertheimer'sche Jahrbuch erschien in den letzten Wochen. AlS neue Mitarbeiter sind: vr. Meynert, Ritter von Tschabuschnigg Grave ic. Im Laufe dieser Woche kamen mir zwei pädagogische Zeitschriften zu. Eine von Hecht in Hoppstädten und zwar die Probenummer, und dann vier Hefte von der Klein'schen Monatsschrift. Letztere ist sehr gehaltvoll, und betheiligen sich bedeutende Capacitäten dabei. Ad vocem Pädagogik sei bemerkt, daß diese Woche die Prüfung im Institute deS Herrn Dr. I. A. Pick stattgesunden hat, die in vollem Maße befriedigte. Der gedruckt erschienene Jahresbericht enthält sehr interessante Daten. Zu verwundern bleibt cs immer, daß jüdische Eltern ihre Kinder in christliche Schulen schicken und diese Institute vernachlässigen. — Eben kömmt mir daS „Volksblatt" No. 32. zu. Dasselbe enthält die Erzählung aus dem Midrasch Rabba, die an die Weiber von Weinsberg erinnert. Erlauben Sie mir dabei die Bemerkung, daß diese Erzählung im Midrasch Rabba Parascha Bereschith ebenfalls vorkömmt: n«s». Arad, im Juli. (Privatmitth.) Zu dem in diesen Blättern bereits besprochenen Baue eines neuen israelitischen SchulhauseS hat, wie wir vernehmen, das hohe Finanzministerium der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde ein Darlehen von 30,000 Fl. unter sehr günstigen Bedingungen bewilligt. Nach diesem neuen Beweise, wie sehr unsere hohe Regierung für die Hebung des israelitischen Schulwesens besorgt, ist, laßt sich im Voraus mit ziemlicher Gewißheit auch eine Entscheidung in diesem Sinne erwarten über daS dem hohen Ministerium untergebreitete Gesuch wegen Umschreibung des von Herrn Baron v. Sina zur Erbauung des SchulhauseS geschenkten Bauplatzes auf den Namen der.Jsraelitengemeinde. Nicht so günstig soll jedoch die Entscheidung lauten über das hohen OrtS gestellte Ansuchen der im Jahre 1848 zum Christenthume Uebergetretenen wegen Rückkehr zum väterlichen Glauben, wovon in diesen Blättern aus dem Banate berichtet wird, da derselbe Fall hier, wenn wir gut unterrichtet sind, hohen OrtS abweisend beschieden wurde. Die Schweiz. Ober-Endingen, im August. (Privatmitth.) Seit fünf Monaten ist daS Rabbinat dahier vacant und gehen die hiesigen Lamdamin — 4 an der Zahl — damit um, dem Anno 1853 ins Leben getretenen RabbinatSregulativ einen Hieb dadurch zu versetzen, daß sie einen von ihnen protcctirten Bewerber trotz seines Mangels genügender Ausweise über wissenschaftliche Bildung 38