Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 38 (13.9.1858)
- Date
- 1858-09-13
- Page
- Seite 525 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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825 Tempel überschreitend, sich an jene Classe von Menschen wandten, auf welche der Fanatismus leicht Einfluß hat, haben ihre Schriften eine ganz andere Wirkung. Sie haben den Fanatismus ausgesäet und den Mord geerntet. Wir werden nicht von dieser gesetzwidrigen Verletzung des israelitischen Cultus sprechen, aber was wir Mühe haben zu begreifen, ist die Sanstmuth der israelitischen Verwaltungen, welche diese Versuche deS Proselytismus intra muros gelitten haben. Vor einiger Zeit waren einige Juden über diese Verfechter deS Proselytismus hergefallen und Schläge waren gewechselt worden. Indessen die Bewegung, welche dieser Zank hervorgerufen hatte, begann sich zu beruhigen, bis das Verbrechen dieses jungen Israeliten wieder diese traurigen Reibungen belebte. Dieses Verbrechen erklärt sich schwer unter unseren Glaubensgenossen, wo der Mord so sehr verabscheut ist. Die Aufreizungen konnten in der Thal nur auf diesen jungen, durch eigenes Unglück, wie man sagt, eraltirten Mann einen solchen Einfluß haben und dieser schien nach der öffentlichen Meinungder Letzte zu sein, der einer solchen Missethat fähig wäre. WaS noch mehr den Grad der Ueberspanntheit, in der er sich befand, beweist, ist, daß er sich noch heute für ein Opfer hält. Indessen lassen die Verwundungen deS Herrn Schwartz, von denen eine in der Brust, obgleich gefährlich, dem Opfer einige Hoffnung der Heilung. Der letzte Bericht der Aerzte stellte seinen Zustand als besser dar, und man unterhält die Hoffnung, ihn zu retten. Einige Tage nach dem Verbrechen bestieg Herr Costa die Kanzel, und nachdem er seine Zuhörerschaft aufgefordert hatte, sich vor den Gerüchten zu hüten, die sich, sei es über den Zustand des Verwundeten, sei es über den des jungen Unsinnigen, der bald Rechenschaft über sein Verbrechen vor den Tribunalen erstatten würde, verbreiteten, fügte er hinzu, daß man wirksame Maßregeln ergreifen müsse, um die friedliche Ausübung des Gottesdienstes zu beschützen, daß man verhindern müsse, daß ein übertriebener Eifer unseren Tempel mit Blut besudele. Herr Schwartz, man muß eö sagen, hatte sich laut gegen die Versuche im,Schoße deS Tempels ausgesprochen, ein Grund mehr, um ein unter den Israeliten Hollands so außergewöhnliches Ereigniß zu beklagen. Nordamerika. New-Orleans, im August. (Privatmitth.) Ich übersende Ihnen anbei die Statuten und den dritten Jahresbericht einer hier bestehenden und einer immer frischerer Entfaltung sich erfreuenden Anstalt. Es ist dies das Asyl für jüdische Wittwen und Waisen. Der Präsident derselben ist Herr M. Simpson, der Secretär der israelitische Prediger Gutheim. Im Jahre 1855 begründet, zählt der Verein jetzt 216 Mitglieder, 2 lebenslängliche und 31 Ehrenmitglieder. Jedes Milglied zahlt jährlich 12 Dollars. Der Zweck ist, arme jüdische Wittwen und Waisen zu erhalten, die letzteren zu erziehen und unterrichten zu lassen. In den drei Jahren 1855—1857 nahm der Verein 31,200 Dollars ein und verausgabte. 30,738 Dollars. Der Staat hat hierzu 6000 Dollars beigetragen. Gegenwärtig erhält die Anstalt 7 Wittwen und 23 Waisen. Bei der Neigung der amerikanischen Israeliten zur Wohlthätigkeit, sobald sie den Nutzen zu erkennen vermögen, läßt sich eine immer größere Blüthe der Anstalt erwarten. Türkei. Konstantinopel, 23. August. Nach dem türkischen Staatskalender giebt eS in Konstantinopel mit seinen Vorstädten 44 jüdische Schulen mit 2552 Schülern und 3 Schulen der Karaiten mit 100 Schülern. Anzeigen. Ein tüchtiger israelitischer Lehrer, der Hebräisch (bis rrnso» incl.), Deutsch, Geschichte, Geographie re. zu lehren versteht, findet bis zu October d. I. ein Engagement am israelitischen Institute zu Pfungstadt bei Darmstadt. Gehalt Fl. 400. nebst freier Station. Franco - Offerten einzusenren an Dr. Löh» Pfungstadt, ini August 1858. Die israelitische Gemeinde zu Nörten, nahe bei Gvttingen, sucht einen Lehrer, der zugleich das Amt des Vorsängers und Schächters versteht, zu engagiren. Bewerber wollen sich persönlich oder schriftlich an de» Vorstand wenden. Die hiesige vacante Lehrer- und Cultusstelle, welche jährlich 110 Thlr. nebst ganz freier Station und Kost in meinem Hause einbringt fohlte Nebenverfctcnff), soll baldmöglichst wieder besetzt werden. Refiectirende belieben ihre Zeugnisse recht bald einznsenden. Oestrich bei Iserlohn, de» 4. September 1858. Der Vorsteher Hirfchfeld. 38**