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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-09-13 · Heft 38 (13.9.1858) · p. Seite 522

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 38 (13.9.1858)
Date
1858-09-13
Page
Seite 522 (sequence 8)
Language
German
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822 ganzen hebräischen Schulunterricht darf nie und nimmer ein Wort Vorkommen, das dem Kinde nicht Stoff zum Nachdenken gebe. Dadurch wird allein der Gedankenlosigkeit im Unterrichte, der Langeweile und Gleichgültigkeit, auch dem gedankenlosen Hersagen der Gebete entgegengewirkt. Ich weiß nicht, ob Hecht seine Aufgabe richtig erfaßt hat, ich habe seine Schrift nicht vorliegen. Aber die Idee ist richtig, und wird sich Bahn brechen, sobald die Idee überhaupt sich der Methode beim Unterrichte im Hebräischen bemächtigen wird. Eine sehr rühmliche Thatsache lassen Sie mich noch erwähnen. In Biblis wurde der Lehrer Kunreiter derart krank, daß man wohl bezweifeln muß, daß er je wieder sein Amt als Lehrer antreten kann. Die^ wenn auch wohlhabende, doch nicht sehr bedeutende Gemeinde (sie zählt etwa 25 Mitglieder) ließ die Stelle bekanntlich mit 40V Fl. auSschreiberi, zahlt jedoch Kunreiter, der übrigens erst seit etwa zwei Jahren dort wirkt, seinen vollen Gehalt unverkürzt fort, obwohl er, nur provisorisch ausgenommen, durchaus keinen Anspruch darauf hat. Das ist eine edle, ächt jüdisch religiöse Handlung! Oefterreichischer Kalserstaat. Wien, 30. Juli. (Privatmitth.) Dem Vernehmen nach haben vor beiläufig 14 Tagen die Berathungen über die Gemeindeordnung im Reichsrathe unter Zuziehung der Minister begonnen. Die Lösung dieser Frage involvirt auch die obschwebende Judenfrage. Wie es heißt, soll Se. Majestät den Befehl ertheilt haben, die Angelegenheit so rasch als möglich zu ordnen. Ich hörte sogar hinzufügen, es sei damit der Wunsch verbunden, daß das Gesetz bei der Geburt eines Prinzen — man sieht nämlich hoffentlich bald der glücklichen Entbindung Ihrer Majestät der Kaiserin entgegen — promulgirl werde. Dieses wird jedoch bezweifelt und man hält den Termin für zu kurz. Das Gesetz dürste daher erst zum neuen Jahre 1859 erscheinen. Am neuen Bethause sind einige nicht unerhebliche Veränderungen bezüglich der Kanzel vorgenommen worden, wodurch eö möglich wird, den Prediger zu hören. Nachdem Herr Dr. Jellinek längere Zeit mit den Predigten pausirt hat, betritt er jetzt desto fleißiger die Kanzel zur Freude feiner zahlreichen Verehrer. Jetzt dürfte eS auch an der Zeit sein, die Verminderung der Winkelbethäuser durchzuführen. Freilich kann man nicht von dem Gesichtspunkte ausgehen, wie sich die Nothwendigkeit an den hohen Festtagen Herausstellen wird. Wegen dieser, allerdings drei sehr wichtigen Tagen im Jahre darf der Unfug nicht das ganze Jahr geduldet werden und im Laufe des Jahres ist Raum genug und fönnen die Andächtigen mit und ohne Chor, mit und ohne Predigt rc. die Andacht verrichten. Sollte es sich ergeben, daß für diese hohen Festtage der alte und neue Tempel, das Bethaus der Polen, der Deutschen, der Türkischen, das Spital nicht ausreicht, dann soll der Vorstand Sorge dafür tragen, wie dieses in den letzten Jahren geschehen ist. Die Winkelbethäuser aber mit ihrem Unfug, mit ihrer Unordnung, die bloS dazu da sind, Trennungen und Spaltungen hcrvorzitrufen und damit Der und Jener als Gabai, als Vorsteher sich bewegen kann; — diese müssen aufgehoben werden. — Wie ich höre, hat jetzt der Vorstand von Seite der Polizei ein genaues Verzeichniß der sich hier aufhaltenden Israeliten erhalten. Es ist dieses aus mehrfachen Gründen sehr wichtig, insbesondere auch deswegen, daß Viele sich der Cultussteuer entziehen, die die Institute der Gemeinde in Anspruch nehmen und welche in der Lage sind, die betreffende Steuer zu zahlen. Es ist wohl den Lesern dieser Blätter bekannt, daß der Vorstand hier auö 5 Vertretern und 15 Beiräthen besteht, welcher in 5 Sektionen getheilt ist. In der letzt abgehaltenen Plenarsitzung wurde auf Antrag des vielverdienten Beirathes Herrn l)r. Engel der Beschluß gefaßt, daß jede Section am Schluffe des Jahres einen Bericht über ihre Wirksamkeit im abgelaufenen Jahre dem Gesammtvorftande übergebe. Es wird sich dadurch ein Gesammtbild der Thätigkeit deS Vorstandes ergeben. Es ist das ein Vorgang, der gewiß allen Vorständen zu empfehlen ist. Wer Bericht zu erstatten hat, wird daran denken, das Object dazu zu finden. Jetzt sammelt die Schulsection die Materialien und allerdings hat sich im letzten Jahre auf diesem Gebiete Vieles ergeben. Sobald ich in der Lage bin, Ihnen Näheres mitzutheilm, werde ich gewiß nicht ermangeln. Frankl'S Buch „Nach Jerusalem" erregt hier viel Aufsehen. Wie sehr eS dem Publikum entspricht, geht daraus hervor, daß in der That selten ganze Exemplare des Buches gefunden werden. Klein und Groß leiht dasselbe und das Papier, nicht aus Eisen, reißt und bricht.

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