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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-09-13 · Heft 38 (13.9.1858) · p. Seite 521

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 38 (13.9.1858)
Date
1858-09-13
Page
Seite 521 (sequence 7)
Language
German
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521 enormen Schulgeldes erst langsam wieder herausgearbeitet werden kann. Indessen hören wir, daß jetzt eine solche Schule von einem Herrn Oppler dort eröffnet werden wird. Mit voller Ueberzeugung stimmen wir der neulichen Aeußerung in Bezug auf den Unterricht im Gesänge bei. Weder die jüdischen Lehrer noch ihre Schüler können sich ohne denselben als völlig germanisirt betrachten; denn Realien, Grammatik, Mathematik rc. haben andere Völker auch, aber bei dem Deutschen allein ist die Musik, namentlich der mehrstimmige Gesang, ein allgemein verbreitetes Stück der Grund-Volks- Biloung, und dies zwar nur zum geringeren Theil für kirchliche Zwecke. In Amerika, in Asien, in Australien, ja, was sage ich, in Paris, in Lyon, in London, in Manchester, wo sich da nur eine Anzahl von Deutschen zusammenfindet, da ist das Erste, waS sie neben ihren Ernährungszwecken unternehmen, die Errichtung einer Liedertafel, oder wenn Damen dabei sind, einer Singakademie. Und wie sollten sie auch anders? Gehen sie anS Ende der Welt, gehen sie in südamerikanische Länder, wo man den Namen Martin Luthers nicht ohne Fluch ausspricht, so höre» sie die Melodien von Bach, von Händel, von Mendelssohn, von Mcyerbeer neben denen von Haydn, von Mozart, von Weber, von Kreutzer. Wahrlich, so lange nicht Gesang und musikalische Kenntuiß als ein Rigorosum auch bei unser» Lehrern verlangt wird, so lange kann der jüdische Lehrstand nicht als ebenbürtig austreten. Am Sabbath den 21. hielt Herr vr. Jonas seine Antrittsprcdigl als zweiter Prediger am hiesigen Tempel vor einer sehr zahlreichen Versammlung (was jetzt, wo ein so großer Theil der Gemeinde auf Reisen und auf den Landwohnungen ist, viel sagen will). Abends vorher beim Gottesdienste vor dem Kiddusch ward er der ebenfalls zahlreiche» Gemeinde durch eine an ihn gerichtete und von ihm beantwortete Anrede vorgestellt. Zum Terte der Predigt hatte der Redner Zes. 1. Vers 2. gewählt. Wir werden in einigen Wochen hier einen Kirchentag haben, und es kann nicht fehlen, daß da auch Manches zur Sprache kommt, was auch für uns Juden von Interesse ist. Vorläufig sind die Parteien hier sehr scharf getrennt und es ist der Kirchentagspartei noch nicht gelungen, irgend einen namhaften Mann, der nicht von vorn herein zu ihr gehört, sich anzureihen. Daß das Volk und -die mittleren Claffen eher feindlich gegen die „Mucker" gesinnt sind, versteht sich von selbst, da sie sich darüber gar nicht irre mache lassen, wem die Peitsche gelten soll, die da gedreht wird. Aus Rheinhessen, im August. (Privatmitth.) Am 8. August fand in AlSheim eine erste rheinische israelitische Lehrerconferenz statt. Es wurde bestimmt, daß dieselbe sich jährlich zwei Mal versammeln, und daß eine Lehrerbibliothek und Leseverein mit derselben verbunden werden soll. Die nächste Versammlung, zu der auch Lehrer auS andern Kreisen Zutritt haben, wird am 28. September in Odernheim stattfinden. Möge sic recht zahlreich besucht werden! Bei den ausgezeichneten Lehrerkräftcn Rheinheffens und der nächsten Umgebung läßt sich von einer solchen Vereinigung viel Gutes erwarten. Herr vr. Aub aus Mainz kömmt zuweilen nach Alzey, um während der Vacanz des RabbinatS daselbst zu predigen. Es ist dies bei dessen ohnehin sehr anstrengendem Berufswirken sehr anerkennenswerth. Dennoch ist diese lange Vacanz für die Landgemeinden, insbesondere aber für die Alze-Yer Schuljugend, die während dessen keinen Religionsunterricht erhält und nicht confirmirt wird, sehr betrübend. In Mainz wurde ein Herr M. zu 10 Fl. Strafe und in die Kosten vom dasigen Zuchtpolizeigerichte in öffentlicher Sitzung verurtheilt, weil er während eines Leichenbegängnisses auS einem ihn gar nichts angehenden Grabe die Blumen ausgerauft, die kindliche Pietät gepflanzt. Die Behörde milderte die Strafe, in der Handlung „irregeleiteten religiösen Eifer" erkennend, was sich übrigens recht gut mit „wahnsinnigem Fanatismus" Übersetzer! läßt. Rach dein eigentlichen Thatbestand hätte er leicht durch eine Gefängnißstrafe etwas kühler werden können. Ich kann Herrn Elsässer in Betreff des Hecht'schen Versuchs (n;->h ^-ar«) durchaus nicht beistimmcn, und muß auch bedauern, daß Herr Westhcim trotz seines Enthusiasmus die Bedeutung desselben nicht vollkommen aussprach. Ich lehre seit Jahren auf diese Weise (ohne Fibel — von der Schultafel ab); und gewiß werden alle Lehrer der neuen Schule, deren Grundsatz cs ist, daß in der Schule durchaus nichts gelehrt werden darf, waö nicht dem Kinde Etwas ist, was es nicht versieht und wo es nicht mit dem Ausdrucke alSbald einen Sinn verbindet, von der Bedeutung des Gegenstandes eine andere Ansicht haben. Im

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