Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 38 (13.9.1858)
- Date
- 1858-09-13
- Page
- Seite 519 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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519 tectorat des Fürsten bestehenden Gewerbvereine, der gegen 170 Mitglieder zählt, — Beamte, Fabrikanten, Kaufleute und Handwerker, — verbunden mit einer Vorschußkaffe, mit großer Stimmenmehrheit zum ersten Vorsitzenden erwählt worden. Hannover, 26. August. (Privatmitth.) ES gereicht mir zur großen Freude, von meinem Wohnorte, der sich durch Correspondenzen eines andern Blattes in der Außenwelt einen bösen Namen errungen hat, eine schöne Thatsache berichten zu können. In fast allen Orten Süddeutschlands bestehen schon seit Jahren israelitische Gesangvereine, und haben es einige derselben, wie ich vielfach Gelegenheit hatte zu bemerken, sehr weit gebracht. Bisher hat es hier, wie an allen Bereinigungen unter älteren und jungen Angehörigen der Gemeinde, auch an einem Gesangverein gefehlt, und ist das um so mehr auffallend, als der Gesang mit dem jüdischen Leben innig verflochten ist. Wir sehen dies an den uralten Melodien, die sich noch von des Tempels Zeiten von Geschlecht zu Geschlecht bewahrt haben und nie schwinden werden. Wir sehen dies an unserm ganzen Ritus, in welchem der Gesang so sehr vorherrscht; und da nun fast in jeder Gemeinde der Chorgesang in den Synagogen eingeführt ist, so wäre eS sehr zu wünschen, daß auch ein Gesangverein vornehmlich von dem jüngeren Theile der Gemeinden gebildet würde. — Hier ist nun im Juli d. I. rin solcher Gesangverein inS Leben getreten und erfreut sich derselbe einer sehr großen Theilnahme. Daß auch die Leitung des Vereins einem Israeliten übergeben werden konnte, ist sehr erfreulich, und ist es gelungen, in der Person des Herrn A. L. Solling, Mitgliedes des königl. Hoftheaters, einen überaus tüchtigen Dirigenten zu erlangen. Durch den Eifer dieses Herrn und der einzelnen Mitglieder hat eS der Verein bereits dahin gebracht, daß derselbe am 21. d. M. seinem Protektor, dem allverehrten Landrabbiner Herrn Dr. Meyer, nach seiner Rückkehr von einer Badereise ein Ständchen bringen konnte. Ich spreche nun noch den Wunsch aus, daß der junge Verein auf seiner guten Bahn sortschrcite und hege die feste Ueberzeugung, daß er in nicht allzu langer Zeit mit seinen Brüdcrvereinen im Süden rivalistren könneil werde. F. 1\ F. Hamburg, im August. (Privatmitth.) Die neulich hier gegebene Skizze einer Biographie des Rabbiners Jonathan Eibenschütz veranlaßt mich zur Mitthcilung des folgenden Hamburgischen Actenstücks, welches noch ein historisches Interesse haben mag, obgleich eS uns jetzt herzlich gleichgültig ist, ob jener Rabbiner sich der schwarzen oder der weißen, oder gar keiner Magie ergeben habe. ES ist datirt vom I. Mai 1752 (1751 trat E« fein Amt an) und lautet: - „Warnung und Befehl, die unter den In- „den, des Oberrabbiners halber entstandenen Zwistigkeiten betreffend: „Es hat Ein hochedler Rath zu seiner äußersten Befremdung vernommen, wesgcstalt aller bisherigen Erinnerungen und Befehle ungeachtet, verschiedene der hiesigen Juden noch immer, in Betracht der, einiger Rabbiner halber, unter ihnen sich entsponnenen Zwistigkeiten und des dadurch auf der einen und der andern Seite erwachsenen starken Anhanges die größte Erbitterung unter sich fortzusetzen, und eine Partei die andere auf das Gehässigste zu verfolgen, sich des Endes tückisch zusammen zu rotten und sich zur Ausübung ihres unbesonnenen und gleichsam rasenden Eifers, auf allerlei Art und Weise unter einander verbindlich zu machen, nicht die mindeste Scheu tragen, sondern vielmehr die Sache noch allezeit ärger und wüthender zu treiben sich erdreisten wollen. Weil aber hierdurch der öffentlichen Ruhe aufs Freventlichste zu nahe getreten, und zu mancherlei Unordnungen, jawohl gar zu mörderischen Vorfällen *) die Hand geboten wird, angesehen denn auch noch vor wenigen Tagen ein hiesiger Rabbiner von einem andern Juden auf freier Gasse feindselig angegriffen und mit Fäusten blutrünstig gestoßen und geschlagen worden ist: Als will um allem ferncrn Unfuge in dem Stücke bestmöglichst vorzubeugen und dem von dem gemeinen Pöbel bei solcher Gelegenheit gar leicht mit zu erregenden Aufstande, woraus denn wie überhaupt, also besonders für die Judenschaft selber, die gefährlichsten Wirkungen erfolgen könnten**), in Zeiten zu verhüten, E. h. Rath einem jeden der hiesigen Juden aufs Ernstlichste hiermit ge- *) Ein mir befreundeter Mann bewahrte zum Andenken ein Messer auf, mit welchem auf seiner Beschneidungsfeier ein Bruder den andern hatte ermorden wollen. **) Es wurde damals mehrere Wochen lang in den von Juden am dichtesten bewohnten Straßen mit Infanterie und Dragonern patrvtlillirt. V