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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-09-06 · Heft 37 (6.9.1858) · p. Seite 511

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 37 (6.9.1858)
Date
1858-09-06
Page
Seite 511 (sequence 11)
Language
German
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511 Eine andere erfreulichere Erscheinung verdient Erwähnung in diesen Blättern. — In unser», Rachbarstädtchen Hausberge sollte daS Schützenfest in der mit dem 18. v. M. beginnenden Woche gefeiert werden. Durch das auf den Dienstag dieser Woche fallende Fasten der Zerstörung Jerusalems würden die nur wenig zahlreichen dortigen Juden, welche aber sämmtlich strenggläubig sind, an der Theilnahme am Feste verhindert worden sein. Das Schützenfest wurde aus diesem Grunde auf die nächstfolgende Woche verlegt. Donausürstenthümer. Leipzig, 4. August. (Privatmitth.) Wir erfahren von einem reisenden Kaufmann aus Bukarest, daß am 24. Juni a. c. dort in der israelit. wallachischen Hauptschule jährlich Prüfung stattfand, wozu von der resp. Centralbehörde des öffentlichen Unterrichts eine außerordentliche Prüfungscommission, worunter Herr Prof. vr. Julius Barasch, delegirt wurde. Auch der Chef dieser Behörde, einer der größten Autoritäten, Herr Aga Petri von Pojenar, war gegenwärtig und äußerte seine größte Zufriedenheit über die Fortschritte der Schüler, wie manche edle tolerante Gesinnungen über daS Judenthum im Allgemeinen. Am 29. desselben Monats war, wie gewöhnlich, große Feierlichkeit bei Vertheilung der Prämien für alle öffentlichen Schulen in Gegenwart Sr. Durchlaucht deö regierenden Fürsten, I. I. E. der Herren Minister, des Metropoliten und sonstiger hohen Staatsbeamten. Die israelitischen Schüler hatten nicht nur die Ehre, an dieser Feierlichkeit theilzunehmen, sondern auch auf ausdrücklichen Befehl des Herrn Direktors des öffentlichen Unterrichts, den anderen Staatsprimärschulen vorgezogen zu werden. Hierauf wurden I. I. E. die Herren Minister und die Herren Professoren, ohne Ausnahme der Religion, von Sr. Durchlaucht zum Diner geladen. Wir hoffen, fügte der Reisende hinzu, daß eS unfern Mitbrüdern im Westen angenehm sein wird, bei der jetzigen Situation der Fürstenthümer daraus zu entnehmen, wie human und tolerant sowohl unser hochherziger Regent als die edlen Romanen überhaupt gegen unsere Glaubensgenossen gesinnt sind. Wenn wir nur einen tüchtigen Vertreter als Rabbiner hätten, der im' Stande wäre, durch die Autorität seiner Gelehrsamkeit und frommen Eifers den Bedürfnissen der Zeit zu entsprechen, so dürften wir unsere Brüder in Holland und Frankreich nicht beneiden. Herr M. L. Malbim aus Kempen, der sich mit brieflichen Zeugnissen aus Wilna und Krakau bei uns empfahl, nicht nur theologische, sondern auch wissenschaftliche und Sprachbildung z,t besitzen, wurde als Oberrabbiner mit einem Honorar von circa Fl. 3000. ausgenommen. Nun aber ist Herr Malbim nicht nur alles profanen Wissens bar, sondern ein erklärter Feind desselben. In seinen drei im polnisch-jüdischen Jargon abgehaltenen muw verhöhnte er das moderne Schulsystem überhaupt und besonders suchte er daS orthodoxe Publikum durch sophistische Verdrehungen im Midrasch gegen die hiesige Normalschule zu fanatistren. Unter Anderm meinte er, daß er erwartet hätte, in dieser Elementaranstalt wenigstens 300 Kinder, die in Mischnah, und 200, die im Talmud vollkommen wären, vorzufinden. Auch äußerte er seine größte Unzufriedenheit, daß die heilige Schrift rein deutsch commcntirt wird. Selbst in moralischer Beziehung ist Herr Malbim durch seine Jnconsequenz und Geldsucht nicht lobenswerth. Es befremdet uns aber sehr, daß ein Correspondent aus Reichenbach der Allg. Ztg. d. Judenths. in No. 28. den Herrn Malbim dem hochgeachteten R. MoseS Ch. Luzato gleichstellt und als Magid und Exeget rühmt. Elfteres ist empörend und für das Letztere können wir nur hinzufügen, daß er als Magid Ereget und in der Exegese Magid sei. Frankreich. Paris, 19. August. Der Kaiser hat dem 0r. Munk die Ehrenlegion verliehen. Zu gleicher Zeit ist derselbe auch in daS Central-Conststorium gewählt worden. Jedermann nimmt an diesen Auszeichnungen deS verehrten Mannes den innigsten Antheil. — Benoit Fould, ehemaliges Mitglied der Deputirtenkammer, Bruder des Staatsministers Achille Fould, ist gestorben. Der Verewigte war trotz seiner hohen Stellung dem Glauben seiner Väter treu geblieben. Die Schweiz. Neufchatel, im August. Hierselbst wurde jüngst ein junger Israelit, der sich durch seine Leistungen auf dem Gebiete der mathematischen Astronomie in Wien ausgezeichnet hatte, so daß die dortige Akademie eine seiner Abhandlungen in ihren Memoiren aufgenom- 37 **

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