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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-08-30 · Heft 36 (30.8.1858) · p. Seite 497

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 36 (30.8.1858)
Date
1858-08-30
Page
Seite 497 (sequence 11)
Language
German
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497 christlichen Glaubens können sich frei etabliren, was durchaus nicht bezeichnen will, daß sie nicht den andern Glaubensgenossen daS ähnliche Recht einräumen können. — Bei der wirklich statthabenden Bundesversammlung wurde diese Frage von dem hiesigen Repräsentanten in Erwähnung gebracht, eine Commission gewählt, um die Verhandlung bezüglich genannten Vertrags genau zu untersuchen, waS aber zu keinem bessern Resultat führte. Folgender Punkt wurde von der besagten Commission der von den hiesigen Abgeordneten verlangten Erklärung über die Ausschließung der Juden zur Anschauung gebracht: „Die Einschränkung der Rechte der Juden war, „wie man weiß, eine Traditionssache. Ohne auf die „vielen Motive Rücksicht zu nehmen, ihnen einen un- „tergeordneten Platz einzuräumen, welche Motive aus „ihrer socialen Lage zu ziehen sind, wenigstens muß „man zugestehen, daß dieses Volk sich in einem gänz- „lich ausnahmsweisen Zustande befindet. Jedes andere „Volk hat auch eine Heimath, eine Regierung und eine „gewisse politische Staatöeinrichtung; es ist also Mög- „lichkeit, mit demselben reguläre Unterhandlungen zu „treffen und ein Bündniß für den gegenseitigen Nutzen „zu schließen. Wir können mit den Türken, Persern, „Chinesen rc. unterhandeln, waS wir aber mit den „Juden nicht können. Dadurch sieht man, daß die „Motive, welche eine Beschränkung in Beziehung der „Juden betreffen, durchaus nicht gegen die Nicht-Chri- „sten anwendbar sind." Mit folgenden Worten beantwort das hiesige Journal La Revue vorangehende Behauptung: „Wir gestehen, von der gelehrten Auszeichnung zwi- „schen der Stellung der Juden und derjenigen der Mu- „hamedaner und Chinesen nichts zu verstehen. Man „soll sich von einer Sache überzeugen, daß nämlich die „Israeliten kein Volk sind, weil die Einen Franzosen, die „Andern Deutsche, Andere Russen und Andere Schwei- „zerbürger sind. Nun denn, man unterhandle mit ei- „nem Nachbarstaate und sage ihm: Eure Angehörigen „werden bei uns beschützt werden, vorausgesetzt, daß „eS keine Juden sind. Nicht gegen ein Volk, bloS aber „gegen einen religiösen Glauben hat man diese AuS- „nahme eingeführt. ES wäre also, weil das jüdische Volk die Grundlage des christlichen „Glaubens war und weil eS durch die Zerstörung „Jerusalems auf der ganzen Erde zerstreut wurde, finden „die christlichen Schweizer es für rathsam, sie von ge- „wissen Rechten auszuschließen, welche sie den Fran- „zosen, Amerikanern und Andern gestatten, während „sie den Amerikanern, Franzosen ic. als Juden, deren „Religion diejenige eines alten Volkes ist, das nimmer „besteht, versagt werden. Augenscheinlich ist eS, daß die „sociale Stellung der Israeliten die ganz gleiche ist, wie „die der Amerikaner, Franzosen, Aargauer, Perser rc. „und will man ihnen eine untergeordnete Stelle an- „weisen, so geschieht es blos aus Ursache einer religiö- „scn traditionellen Intoleranz." Ohne Scheu und in vollem Bewußtsein, eine gerechte Sache zu vertheidigen, erlaubt sich die Revue de Geneve in wiederholten Malen die hohe Bundesbehörde mit scharfen und tadelhaften Worten anzuklagen und ihr mit bittern Ausdrücken ihre Unbilligkeit vorzuwerfen, indem sie das Princip der christlichen Religion im jüdischen Ursprünge beweist. Gerade die Cantone, welche den Israeliten die vollen Rechte eingeräumt, sind es, die, nachdem sie sich vielfach überzeugt, wie ungerecht Vorurtheile gegen dieselben gehegt werden, mit Energie und vollkommener Zuversicht ihre Interessen vertheidigen. Wir haben hier einen Mann an der Spitze der Regierung, Mc. James Fazh, dessen republikanssche Gesinnungen nicht stiefmütterlich vertheilt sind, wie bei manchem Andern aus dem Schoße der Bundesbehörde. Wenn Sie jemals die hiesige Stadt besucht haben, so werden Sie mit allen Touristen ausrusen: Hier hat die Industrie in allen Zweigen einen soliden, festen Fuß gefaßt, hier ist die Freiheit im vollkommenen Sinne des Wortes, was zur gewissen Folge hat, daß ein Wohlstand hier herrscht, wie in keinem Staate, weder in der Schweiz, noch im Auslande. Und wem verdankt Genf diesen seinen blühenden Aufschwung? Darüber ist nur eine und dieselbe Stimme zu vernehmen: größtentheils Herrn Fazy. Großbritannien. London, im August. Der Jewish Messenger bringt unS die Erwählung eines Israeliten zum vierten Male zu der Würde eines ersten Kirchenvaters (cliurcliward senior) in einer protestantischen Gemeinde. 36**

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