Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 36 (30.8.1858)
- Date
- 1858-08-30
- Page
- Seite 495 (sequence 9)
- Language
- German
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4SS dem Bedürfnjß eines vervollständigten hebräischen Unterrichtes, als auch der herrschenden religiösen Richtung der Bevölkerung Rechnung zu tragen, ein außerordentlicher LehrcurS für biblische und talmudische Eregese mit einem Jahreserforderniß von 25V Fl. ins Leben gerufen. Außerdem wurde auS eigenen Mitteln der Gemeinde ein Schulfond, der heute schon 550V Fl. beträgt, gegründet. Damit die israelitische Landbevölkerung des Borsüder Comitates auch die Vortheile eines geregelten Schulunterrichtes genieße, wurden von fünf Landgemeinden fünf Bezirksschulen mit dem jährlichen Kostenaufwande von 2990 Fl. aus Gemeindemitteln gegründet. Berechnet man hierzu die obigen Kosten der israelitischen Schulen in Miscolcz mit 5050 Fl., so ergiebt sich ein jährlicher Betrag von 8400 Fl., welche, einem Capital von 163,000 Fl. entsprechend, von der israelitischen Bevölkerung des Borsoder Comitates jährlich auf Schulzwecke verwendet wird. Dem „Tan. lap.“ zufolge wurden der israelitischen Gemeinde zu Ada in der Bacska von der Stadt 16 Ketten Feld zu Schulzwecken Übermacht. Von Seiten der hohen Statthalterei-Abtheilung in Kaschau ist so eben der Stiftsbrief, wonach sich die CultusgemeindeHomonna auf Anlaß der vorjährigen Rundreise unseres allergnädigsten Kaisers verpflichtet hat, eine Stiftung von 400 Fl. derartig zu gründen, daß die Interessen, bestehend in 20 Fl., alljährlich den 4 fleißigsten Schülern der öffentlichen Gemeindeschule in Homonna vertheilt werden, genehmigt worden. Wie mir aus zuverlässiger Quelle mitgctheilt ward, geht der katholische Klerus unseres Gebirges damit um, auf indirectcm Wege den katholischen Dienstboten das Dienen bei Israeliten zu verbieten, und hat ein sonst nicht inhumaner Geistlicher in einem nicht unbedeutenden Marktflecken des Gebirges in einer seiner letzten Predigten darauf aufmerksam gemacht, wie durch die Israeliten die Dienstboten an Müsstggang gewöhnt werden und das Gesinde durch die Juden täglich unreligiöser werde. Jsaac I. Rosenmeyer. Donaufürstenthümer. Bukarest, im Juli. (Privatmitth.) Bukarest hat gewiß nicht die Hälfte der Juden, die Jassy aufweisen kann. In Jassy bilden die Juden fast die überwiegende Zahl der Einwohnerschaft, in Bukarest hingegen verhalten sie sich zu den Christen wie 10 zu 100. In Jassy sind alle Geschäfte in ihren Händen, alle Speculationen werden durch sie betrieben — hier nicht. Hier ist eine große Zahl derselben Handwerker, eine kleinere Kaufleute und die kleinste Hausbesitzer. Hier findet man zwei ganz durch Sprache, Lebensweise, Sitten und Gebräuche verschiedene Arten von Juden und zwar die polnischen und Frenken. Die polnischen, mit welchem Titel man die aus Polen, Rußland, Ungarn, Deutschland gekommenen als diejenigen bezeichnet, die das verdorbene Jüdisch-Deutsch verstehen und sprechen, sind bedeutend zahlreicher als die Frenken. Diese, die man auch Spaniolen und türkische Juden nennt und welche die Minderzahl bilden, sprechen unter einander ein nur ihnen verständliches Spanisch und zählen die reichsten Leute unter sich. Was man aber Beiden nachsagen muß und in der Moldau selten findet, ist, daß sie lich verstehe darunter die hier Geborenen) das Wallachische eben so rein und fehlerlos sprechen als die Wallachen. Die hiesigen polnischen Juden tragen, mit wenigen Ausnahmen, nicht mehr wie ihre Nachbarn, die Jassycr, die lange jüdische Tracht, als den Kaftan, die Barate, das Streimel. Man kann hier den Juden nicht mehr an der Kleidung unterscheiden und an der Sprache beinahe auch nicht. Der hiesige polnische Jude ist ungemein freigebig, man kann ihn sogar verschwenderisch nennen. Am Sonntage besonders muß man erstaunen, welchen Lurus er und seine Frau zur Schau tragen. Als ich das erste Mal im Schismedjie- Garten spazierte, zeigte mir ein Bekannter zwei auf das Eleganteste gekleidete junge Leute und sagte mir, das wären — jüdische Hausirer. Sie verdienen hier ungemein leicht, was sie brauchen — brauchen aber auch Alles, was sie verdienen. Weil sie eben so wenig haushälterisch und sparsam find, weil sie dem Lurus so stark ergeben sind, kann es unter ihnen keine Reichen geben. Diejenigen, die sie so nennen, haben ein Vermögen von 6—8000 Duralen, was in Jassy (weil wir dies mehrmals angeführt haben) eine große Zahl Nichtreicher besitzt. Dagegen haben sie auch wenig Arme. Bettler hat es bis vor drei Jahren unter den gesummten Juden nicht mehr als 3 — sage drei, gegeben, von denen zwei eine schöne Summe Ducaten auf Zinsen angelegt hatten, während der Dritte in einer Vorstadt eine Batlance (Spezereihandlung) besaß. Einer der angesehensten unter den polnischen Juden ist I. L. Wein- 36