Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 36 (30.8.1858)
- Date
- 1858-08-30
- Page
- Seite 494 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3226093-3226130--17130-3246025- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Mohel 2× ep/1006163
OCR text
494 von der Vornahme dieser Operation nicht ausgeschlossen, doch wird Jedermann, der sich dazu berufen glaubt, vom 1. Juli l. I. an sich mit einem ärztlichen Zeugnisse über die erforderliche Geschicklichkeit bei dem CultuS-Vorstande auSzuweisen haben. Auch ist darauf — alS besonders gefährlich — hingewiesen worden, daß das übliche AuSsaugen deS BluteS unterbleibe. Fragen wir unsere religiösen Quellen, so stimmen sie mit allen diesen Verfügungen überein. In der talmudischen Periode war der Beschnrider in der Regel ein Arzt, er heißt Sabbat 133, 2. Meister Chirurg. In Adoda Sara 26, 2. ist eine Controverse, ob in einer Stadt, in der kein jüdischer Arzt, aber ein chutäischer und aramäischer Arzt sich befindet, einer von diesen Beiden und welcher beschneiden solle. Daraus geht doch deutlich hervor, daß nur Aerzte zur Beschneidung zugelaffen wurden; denn der Mohel wird doch nicht wegen dieser einen Geschicklichkeit nbyi genannt werden. S. das., wo es heißt rmvi» ss-na, der sich itt seiner PrariS nicht schaden möchte. Indessen muß man gerade nicht Arzt sein, nicht gerade chirurchische oder medicinische Kenntnisse besitzen, um beschneiden zu dürfen, und haben wir Beschneider — und es freut mich, den Beschneidern meiner Gemeinde dieses nachrühmen zu dürfen — die nicht Aerzte vom Stande sind, und nichtdesto weniger sich daS allgemeine Zutrauen erwarben, und es durch die meisterhafte Uebung ihrer Kunst auch verdienen; waS wir zu wünschen und zu verlangen hätten, ist: daß die Eltern eS sich ernstlich angelegen sein lassen, ihr Kind fortan nur einem geprüften, geschickten bm» anzuvertrauen, daß sie in dieser Beziehung nicht so sehr auf die Frömmigkeit deS Beschneiders und auf das nahe Verhältniß, in welchem sie zu ihm stehen, als auf seine Geschicklichkeit ihr Augenmerk richten, und daß bei jeder Beschneidung ein Arzt assistire. Bei der Approbation der Beschneider wäre zwar schon dafür zu sorgen, daß die Candidaten die nöthigen Eigenschaften und Fertigkeiten, eine gesunde Sehkraft, eine feste, nicht zitternde Hand besäßen. Wären übrigens unsere jüdischen Aerzte nicht so sehr dem Judenthume, seinen Ritualien und Gebräuchen entfremdet, und schämten sie sich nicht, die synagogalen Functionen des Beschneiders zu verrichten , sie würden ohne Zweifel alle Mohelim werden. vr. M. Duschak, * Rabbiner. Auö dem Tokayergebirge, im Juli. (Privatmitth.) Die Zahl der israelitischen Auswanderer nach dem heiligen Lande nimmt bei unS mit jedem Jahre zu und kommt es nicht selten vor, daß Familienväter ihr Hab und Gut verkaufen und mit dem Wanderstabe in der Hand, oftmals erst in ihrem 70sten Lebensjahre die Wallfahrt antreten. Die meisten Auswanderer lassen angesehene Verwandte und Freunde zurück, welche sich verpflichten, alljährig den Wallfahrern eine Beisteuer nach Jerusalem zu senden. So durchstreift in diesem Augenblicke ein kleines hageres Männlein das Gebirge, um sich für immer von den Bewohnern desselben zu verabschieden. Obwohl Schnell ■waa und Melamed vom Beruf und in der Blüthe seiner Jahre stehend, sehnt er sich dennoch nach der heiligen Erde, die an Wunder gewöhnt, der Prophezeiung deS Rebben in Liszka zufolge, sich auch an seinem Weibe, das bereits seit 10 Jahren kinderlos ist, wundervoll erweisen wird. Der heilige Rebbe Eiseck in Sitischoif baut dermalen für seine galizianischen und magyarischen Kunden ein Mikwoh im großartigsten Maßstabe. Um die Ungeheuern Kosten aüfzutreiben, verkauft der Rebbe auf Licitationswege die zum Bau deS Gebäudes nothwendigen Bausteine. Rebbe Eiseck erlangte in Oberungarn seil dem Tode deS- Frommen in Wielopole seine Berühmtheit. — Amtlichen Blättern zufolge bestanden im verflossenen Schuljahre im Pesth-Ofener Perwaltungsgebiete 46 öffentliche israelitische Schulen. An Lehr - und Aufsichtspersonal zählte man 62 Schulbezirksaufsehcr, 120 öffentliche geprüfte Lehrer, 8 Jndustrielehrerinnen und 2600 schulbesuchende Kinder. Außerdem bestanden noch 30 öffentliche Israel. Privatschulen mit 1600 Schülern. Ueber die Leistungen dieser Schulen hat bereits in der Ztg. deS Jdths. Ihr geschätzter Correspondent ans Galizien (siehe Rr. 27. der Ztg. d. Jdths.) ausführliche Mittheilungen gemacht und erlauben wir uns noch einige Daten, welche die amtlichen Blatter aus dem Borsoder Comitate bringen, um so mehr hier nachzutragen, da das genannte Comitat von nahe an 10,000 Israeliten bewohnt ist. So wurden in Miscolcz im verflossenen Schuljahre eine vierclassige Knaben - und eine vierclassige Mädchen- Hauptschule mit dem jährlichen Kostrnaufwande von 4750 Fl. errichtet, welche gegenwärtig bereits 436 Schüler zählen. Daselbst wurde auch, um so wohl