Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 36 (30.8.1858)
- Date
- 1858-08-30
- Page
- Seite 492 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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492 kungen und Bedrückungen, welche noch immer auf dem Haupte Israels lasten, trotz der Schmerzen, mit welchen der Eintritt in das Judenthum nur erkauft werden kann, doch so viele Christen, besonders in neuester Zeit, sich dem Judenthume zuwenden. Der hiesige jüdische Frauenverein veröffentlichte in diesem Jahre seinen ersten Rechnungsbericht. Derselbe ergab an Einnahmen durch directe Beiträge 96 Thlr. 28 Sgr. 11 Pf.; Ertrag einer veranstalteten Verloosung 133 Thlr. 10 Sgr. Zusammen 230 Thlr. 8 Sgr. 11 Pf. — Ferner an Ausgaben 154 Thlr. 15 Sgr. 7 Ps>; mithin einen Bestand von 75 Thlr. 23 Sgr. 4 Pf. Von dem verausgabten Gclde erhielten einige 40 Schulkinder Sommer- und Winterbekleidung. Der Mangel anjüdischen Lehrern in der Provinz wird täglich immer fühlbarer. Denn nicht nur, daß kein Jüngling sich diesem Stande mehr widmen will, entsagen auch viele Lehrer ihrem schweren Berufe und wandern aus, oder verfolgen die merkantilische Laufbahn. Die Gemeinden, durch den Lehrermangel gewaltig in die Enge getrieben, zumal die Regierung mit Anstellung von christlichen Lehrern droht, fangen nun an, den Forderungen der gedrückten Schulmeister gerecht zu werden und für ihre Lehrer einen ziemlich auskömmlichen Gehalt auszusetzen. So haben außer Tirschtiegel, wovon jüngst in dieser Zeitung berichtet wurde, auch Kobylin den Gehalt von 160 Thlr. auf 200 Thlr. und freie Wohnung, Schildberg von 160 auf 250 Thlr., Zerkow von 120 auf 250 Thlr. erhöhet und werden sich die andern Gemeinden wohl auch in die eiserne Nothwendigkeit fügen und nolens volens tiefer in das Geldsäckel greifen müssen, wenn es ihnen gelingen soll, einen Lehrer für ihre Schule zu acquiriren. Mögen überhaupt alle Gemeinden bald zur Erkcnntniß gelangen, daß die geringen Opfer, welche sie für die Besserstellung ihrer Lehrer bringen, ihnen bei ihren Kindern hundertfache Zinsen tragen, denn nur dann kann ja der Lehrer mit wahrhafter Liebe und Lust seinen Pflichten obliegen, wenn Geist und Körper nicht durch anstrengenden und die Kräfte aufreibenden Privatunterricht oder durch die quälenden Nahrungssorgen niedergedrückt ist. Werden die Gemeinden zu dieser Ueberzeugung gelangen und dahin bemüht sein, ihre Lehrer so zu besolden, daß sie wenigstens ihr nothdürftiges Auskommen haben, dann werden auch die armen Schulmeister mit Freudigkeit ihr Amt verwalten und tüchtige Kräfte wieder dem Lehrerstande gewonnen werden, welche mit frischer Jugendkraft, mit rüstigem und lebendigem Geiste ihre Thätigkeit entfalten werden. Gebe Gott, daß diese Zeit bald herannahe zum Heile und Frommen Israels! Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, im August. Das so eben erschienene „Wiener Jahrbuch für Israeliten von Joseph Wcrtheimer" enthalt über den Handclsstand der Juden in Oesterreich folgende interessante Mitthcilungen: Bei der fast beispiellosen Krise, welcher im verflossenen Jahre Handel und Industrie in ganz Europa unterlagen, haben die israelitischen Repräsentanten des Handels und der Industrie Oesterreichs eine höchst ehrcnwerthe Stellung behauptet, und in wahrhaft bewunderungswürdiger Weise dem Sturme getrotzt. Die wenigen bedeutenderen Firmen, welche sich zur Einstellung ihrer Zahlungen gedrängt sahen, haben dieselben größtenthcilö wieder ausgenommen oder die Aufhebung des über sie verhängten ConcurseS durch annehmbare Vergleiche erwirkt. Von skandalösen Bankerotten, wie sie an so vielen anderen Handelsplätzen häufig vorfielcn, ist kein Beispiel vorgekommen. Die Juden in Oesterreich durften von jeher als die Pioniere des Handels und der Industrie angesehen werden. Auch das abgelaufene Jahr hat unS dafür Belege abgegeben, und die in Oesterreich noch so sehr eines Aufschwunges fähige Montan - Industrie findet sich hierin einbezogen, wenn cs ihnen auch größtentheils nur als Mitglieder bezüglicher Aktiengesellschaften vergönnt war, hierin Ehrenvolles zu leisten. Immerhin haben sich auf dem Gebiete der Montanindustrie die Herren Schiff, Wollheim, Carl Kanitz, H. Kern's Söhne u. m. A. bereits namhafte Verdienste erworben. Bei der Theißregulirungsgesellschaft sind auch Israeliten thätig, und eS ist besonders Hr. Adler in EperieS, welcher das Vertrauen der Aktionäre im vollsten Maße genießt. Ueber die Verhältnisse des Handels an der Theiß wurde von Hrn. Julius Weinbcrger, Kaufmann in S. a. Ujhely, eine Denkschrift im Namen des Handelsgremiums ausgearbeilet und allerhöchsten Orts überreicht. In Papa hat Hr. M. Schlesinger, welcher schon seit Jahrzehenden eine großartige Spiritus - und Essigfabrik besitzt, die Graf Eßterhazy'sche Papierfabrik in