Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 36 (30.8.1858)
- Date
- 1858-08-30
- Page
- Seite 491 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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491 einmal errungen, in ihrem unbeneideten Besitze wohl verbleiben. Aber die Herren Geistlichen geben selten etwas umsonst, und für die alte todte Frau wollten sie diesmal eine junge lebendige von uns eintauschen. Und zwar auf folgende Art. Ein junges Mädchen, deren Vater schon vor ihrer Geburt zum Christenthume übergegangen war, wurde hier bei jüdischen Verwandten erzogen, und trat vor einigen Monaten bei ihrer Verheirathung mit einem Israeliten, und zwar unter den Auspicien deS Berliner RabbinatS, zu der Religion ihrer Voreltern wieder zurück. Die Hochzeit wurde hier gefeiert, aber sehr bald darauf von competenter Stelle Rechenschaft darüber gefordert, mit welchem Rechte wir für eine unserer Confession nicht zugehörige Braut die israelitische Trauung gestattet hätten? In diesem Falle jedoch sind wir allerdings mit den erforderlichen Dokumenten wohl versehen, so daß aus dem ganzen Tauschgeschäft nichts werden kann; D^m ninai, wir behalten die Lebendige und das 8uum ouigue bleibt somit bestens überall gewahrt. Großherzogthum Baden, im August. (Privatmitth.) Die Ihnen berichtete Zufriedenheit über die definitive Ernennung deS Herrn Altmann zum Mitgliede unseres Oberrathes zeigt sich bereits als wohlbegründet. Denn wenn in Baden die öffentlichen israelitischen Lehrer schon längst gut gestellt sind, und mancher derselben durch die Gunst der Ortspfarrer, welchen die Schulinspection übertragen ist, in höhere Besoldungsclassen und weil größeren Schulgeldbezug als die gesetzlichen vorgerückt waren, so waren dagegen diejenigen Lehrer, welche nur Religionsschul - und Vorsängerstellen bekleideten, also gerade diejenigen israelitischen Lehrer, welche am meisten fürs Jsraelitenthum wirkten, der erwähnten Vortheile ganz entblößt und so zu sagen zum Verschmachten bloßgestellt. Eben so waren bisher nur die öffentlichen Lehrer für ihre Hinterlassenen bei einer Wittwenkaffe betheiligt, während die Religionsschullehrer auch in dieser Beziehung nur trüben Blickes in die Zukunft schauen konnten; und, wie dies eben zu gehen pflegt, wer materiell und gesetzlich zurückgesetzt ist, wird auch noch moralisch vernachlässigt — was freilich nicht moralisch ist. — Der arme Rcligionsschullehrer wurde von seinen Gemeinden, ja selbst von seinen College», jenen bevorzugten öffentichen Lehrern, vornehm von oben herunter angesehen. Jetzt aber soll eS doch einigermaßen besser werden; bereits ist bestimmt, daß auch der geringste fire Gehalt eines ReligionsschullehrerS, bisher 135 Fl., in der Folge nicht unter 172 Fl. betragen soll, wozu auch die Schulgelder und FunctionSgebühren noch erhöht werden sollen. DieS Alles schon in der unterste» Classe, in höheren steigt auch die Besoldung; und endlich wird an maßgebender Stelle auch darauf hingewirkt, daß auch die Religionsschullehrer sich an dem Tröste der Wittwenkaffe betheiligen können. Alles dieses aber werden die Religionsschullehrer der Verwendung des neu ernannten OberrathSmitglicdeS, Herrn AltmannS, zu verdanken haben. Preußen. Krotoschin, 25. Juli. (Privatmitth.) Die Rabbinerfrage hierorts hat nun endlich ihre Erledigung gefunden. Von den drei Candidaten, welche Pcobepredigten hielten, wurde Herr vr. Joel aus Schwersenz fast einstimmig zum Rabbiner der hiesigen Gemeiirde gewählt, und ist demselben die Bestätigung der Königl. Regierung bereits zu Theil geworden. Herr Dr. Joel verbindet wissenschaftliche Bildung mit talmudischer Gelehrsamkeit und weiß besonders durch die Kraft und Gewandtheit in der Bibeleregese seine Zuhörer zu fesseln und zu entflammen. Der außerordentliche Ruf, welcher Herrn Dr. Joel voranging, so wie seine Popularität im Umgänge haben ihm bald viele Freunde gewonnen und gab sich dieses am besten in der freudigen Begeisterung, mit welcher Alle zur Wahl strömten, so wie in der seltenen Einstimmigkeit, die unter den 209 Wählern herrschte, zu erkennen. Möge die innige Liebe und Zuneigung der Gemeinde zu ihrem Seelsorger nie erkalten und möge die Gemeinde unter der friedlichen und gewiß segensreichen Wirkung deS Herrn vr. Joel immer mehr erstarken und zu immer größerer Blüthe sich entfalten. — Verflossenen Monat trat hier wiederum ein junger Mann von 28 Jahren, Katholik, zum Judenthume über. Als die gefährliche Operation durch den hiesigen höchst gewandten und geschickten Mohel, Herrn H. Wiener, an ihm vollzogen wurde, rief er die schönen Worte: 8cbw3 Jisrael. — Bei allen Schmerzen zeigte er Ruhe und Gottergebenheit. Die Kosten seiner Kur und Pflege bestritt er aus eigener Kasse. ES ist jedenfalls höchst befremdend und wunderbar, daß trotz aller Beschrän-