Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 36 (30.8.1858)
- Date
- 1858-08-30
- Page
- Seite 490 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3226093-3226130--17126-3246021- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
490 welchem das Diplom eine katholische Königin Unterzeichnete, flehte vor 400 Jahren Abravanel für daS Leben seiner Glaubensgenossen. — Die Mannheimer Gemeinde hat durch eine ansehnliche Geldsumme den Bestand dcö Vereins zur Unterstützung israel. Schullehrer in Baden gesichert. — Die Concurrenz für das Rabbinat in Darmstadt ist eröffnet. — Das Maiheft der Klein'schen Schulbibliothek zeichnet sich durch eine große Mannigfaltigkeit deS Stoffes auS; daS erste Heft der Jugendbibliothek befindet sich unter der Presse. Beide Blätter verdienen durch ihre unbestreitbare Gemeinnützigkeit und großentheilS wegen ihrer Gediegenheit allgemeine Verbreitung. Ich wundere mich, daß in diesen Blättern noch nicht ausführlicher über jene beiden Schulblätter berichtet wurde. *) — Jüngst reiste der fleißige und verdienstvolle Autor, vr. Wiener auS Hannover hier durch; derselbe arbeitet jetzt am 3?en Theile deS Schebet Jehuda. — In Tetuan (Marokko) sind die Consuln von Spanien, Portugal und dem vereinigten Königreich beider Sicilien Israeliten, der französische Viceconsul daselbst ist ebenfalls ein Israelit. Dessau, 27; Juli. (Privatmitth.) Wir sitzen hier im Bau bis über die Ohren, und unser Vorstand hat sich etwas hereingerudert. ES war die Restauration unserer ehrwürdigen Synagoge projectirt, und ein Anschlag von circa 3000 Thlrn. dafür entworfen. Der Umbau ist aber unter der Hand mit dem Architekten und dem Vorstande durchgegangen, und es ist — ou peu s’en faut — ein gänzlicher Neubau daraus geworden, welcher, einschließlich der GaSeinrichtung, wohl so ziemlich daS Doppelte kosten wird. Daß da in der Gemeinde viel gelobt und viel getadelt wird, je nachdem die Lust am Schönen, oder die Last der Kosten mehr in den Vordergrund tritt, versteht sich von selbst; doch — ce n’est pas lä l’embarras! Die Sache ist geschehen, und für daS Geld wird Rath werden. Aber wo werden wir zu den heiligen Festtagen unsere Stiftshütte aufschlagen? — Das ist eine etwas schwer zu lösende Frage. Nach dem ursprünglichen Bauplane wäre zu dieser Zeit Alles vollendet gewesen, was bei der Ausdehnung, die der Baununmehr gewonnen, nicht zu erreichen ist, und daS tnpa surax ist somit *) Sehr erklärlich, wir haben von beiden noch kein Blättchen zu Gesicht bekommen. Neda et. in diesem Augenblick ein doppelter Gegenstand unserer Sorge. Dem Vernehmen nach ist Aussicht vorhanden, daß der Saal der hiesigen Bürgerschule unS für den bezeichneten Zweck eingeräumt wird. ES wäre dies überaus wünschenSwerth, da ein profanes Local, etwa in einem Gasthause, das religiöse Gefühl vieler Gemeindemitglicder verletzen würde. Unsere Religionsschule hat, seitdem der vr. Philippson angestellt ist, einen recht erfreulichen Aufschwung gewonnen. Die Kinder scheinen mit neuer Lust und Liebe für diesen wichtigsten und heiligsten UnterrichtSzweig beseelt, und da auch der zweite Lehrer, Herr Schlesinger, für den Anfang sich recht wacker zeigt, so dürfen wir uns der Hoffnung hingebcn, daß unsere Kinder wieder zum Verständniß des göttlichen Wortes gelangen und sich wieder heimischer fühlen werden in unserm Gotteshause. Ueberdies wird auch die Regelung deS Cultus angebahnt, wozu eine besondere Commission gewählt ist. Unmittelbar nach den Ferien beginnt die Einrichtung und Einübung eines ChorS, und so dürfen wir erwarten, daß, nach dem rabbinischen Spruche rra bv> mpiDTi nbr-ö yi-o OiroJ> ns'Dio rtnba — mit der erneueten Theilnahme der Jugend an unserm Gottesdienste auch der wahre Geist der Religion in unfern neuen Tempel wieder einziehen wird. Als Curiosum muß ich Ihnen von einem Tauschhandel erzählen, der unserer Gemeinde vor Kurzem zugemuthet wurde. In hiesiger Stadt lebte eine Frau, welche zwar als Jüdin geboren, aber schon zu Anfang dieses Jahrhunderts mit einem Feldprediger in die Fremde gezogen war, und später als dessen Wittwe hierher zurückkehrte. Lag die Schuld an dieser Frau, oder an den Zehngeboten — daS weiß ich nicht; so viel aber ist gewiß, die Beiden konnten sich in den meisten Stücken nie recht mit einander vertragen. Dem sei wie ihm wolle, die Frau starb vor einiger Zeit, alt und hochbetagt und wurde, wie sich von selbst versteht, auf dem christlichen Gottesacker begraben. Da auf einmal wird unserm Vorstande eröffnet, daß sich gar kein Beweis von ihrem wirklichen Uebertritte vorgefunden habe, und eS daher wohl angemessen wäre, sie auf den israelitischen Friedhojf herüberzunehmen. Sie können leicht denken, daß wir hierzu keine besondere Lust zeigten, und da glücklicher Weise kein Gesetz uns die Pflicht auflegt, für die Christlichkeit einer PfarrerSwittwe Beweise heranzubringen, so wird, wer sie