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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-08-23 · Heft 35 (23.8.1858) · p. Seite 473

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 35 (23.8.1858)
Date
1858-08-23
Page
Seite 473 (sequence 3)
Language
German
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473 Vernunft und dem Menschenherzen; sie find seine Prüfsteine und seine Bürgschaften; aber weder seine Quellen, noch seine dauernden Grundlagen. Dies ist das Resultat der Kämpfe, Erfahrungen und Arbeiten, insbesondere der letzten fünfundzwanzig Jahre. Vergebens suchten Atheismus und Pantheismus auf der einen und der Dogmatismus auf der anderen Seite das Wanken und den Sturz des sogenannten Rationalismus sich zu Nutze zu machen. Jene, um den Deismus zu beseitigen, dieser, um ihn zu gleicher Zeit auszubeuten und zu erdrücken: die Religion Israels bietet dem Deismus einen dauernden Schutz und Trutz, und, indem sie selbst sich seit zwei Decennien immer mehr ermannte und ihrer selbst bewußter ward, baut sie auch für das Allgemeine den Deismus von Neuem und sicherer auf. Literarischer Wochenbericht. Jebenhausen, im Juli. (Von Aler. Elsässer.) Neu erschienen sind: Handbüchlein für Leseschüler des Hebräischen von Emanuel Hecht. 4. Aust. Die 4. Ausl, ist an und für sich schon eine gute Empfehlung für ein Buch. Dieses Schriftchen haben wir so praktisch gefunden, daß wir es in unserer Schule eingeführt haben. 'yiü von demselben Verfasser, ein Versuch, das Hebräische durch deutsche Wörter lesen zu lernen, wird wohl ein Versuch bleiben und keine praktische Bedeutung für die israelitische Volksschule erlangen. Zum Drucke vorbereitet ist: Deutsches Lesebuch für israelitische Volksschulen von Stern, israel. Lehrer in Creglingen. Das Manuscript ist uns noch nicht zu Gesicht gekommen, dasselbe wird in der pädagogischen Zeitschrift „Die Volksschule" günstig beurtheilt. Das erste Heft des Bibelwerks von Bunsen ist erschienen. Wir machen nur auf dasselbe aufmerksam, um einen Meister in der biblischen Literatur zur Veurtheilung desselben zu veranlassen. Von Bunsen hat auf die jüdischen Uebersetzer und Eregeten Rücksicht genommen, rühmt die Arbeiten von Zunz, Fürst, Philippson und Anderer. Den deutschen Bibelübersetzungen von Juden vindicirt er fürs deutsche Volk keinen großen Werth, sie seien eben Synagogal-Bibeln. Es kann dies für Juden kein Vorwurf sein, denn sie sind in dieser Absicht bearbeitet worden.*) Von besonderem Interesse sind die Zeittafeln, die viel neue Forschungen bringen. Ein Literaturbrief. David Ottensoser. Von H. Zirndorf, Prediger. Immer strebe zum Ganzen, und kannst Du selber kein Ganzes Werden, als dienendes Glied schließ'an ein GanzesDich an. Go ethe. Aus der fernen Vaterstadt dringt eben die Kunde zu mir nach einem Thale des Ungarlandes von dem Tode jenes gelehrten Sonderlings. Sein Alter ragt in meine Jugend hinein, ich habe ihn lange wandeln sehen an den Oertern, welche für mich nichts Unbekanntes enthalten sollen. Und wenn auch der Sinn für seine Bedeutung, das Verständniß seiner Erscheinung mir erst später aufgegangen sind, wenn auch meine lange Entfernung von der Heimath mir sein Bild lange Zeit entzogen haben: so war dieser Mann doch schon bei Lebzeiten eine Tradition unter seinen Mitbürgern, und es war unmöglich, ihn völlig zu ignoriren. Ottensoser gehört in die Reihe jener Erscheinungen, deren Wesen und Bedeutung sie gleichsam zu den unorganischen Körpern gesellen: zu kräftig und energisch für die ephemere Vergänglichkeit, und doch zu ungeschmeidig und unentwickelt für den Fortschritt, giebt es für solche Naturen keine andere Zukunft, als das Loos der Ver> steinerung. Deshalb aber können wir solchen Stalaktiten der Wissenschaft doch nicht das Recht bestreiten, in der Kulturgeschichte vermerkt zu werden, und damit dem Polyhistor von Fürth dieses Recht widerfahre, sind diese Blätter bestimmt. Denn unmöglich können mit jener Zeile, die sein Hinscheiden berichtete, die Acten über ihn geschlossen sein. David Ottensoser aber verdient diese Vermerkung noch in einem ganz anderen Sinne. Er war viel zu sehr Sonübersetzung kommen, welche nicht von vorausgefaßten Deutungsweisen ausgeht, und die Lutherische Uebersetzung hinter sich läßt, welche, bei großen Verdiensten für die deutsche Nation, doch der evangelischen Kirche vielen Schaden gethan, und der Bibel einen Charakter ausgeprägt hat, der weit von ihrem Originalgeiste entfernt ist. Die neueren jüdischen Bibelübersetzer haben die Forschungen aller Zeiten und Gelehrten zu Grunde gelegt, mit Treue und zugleich dem Genius der deutschen Sprache gemäß.zu übersetzen gestrebt. Wenn dies sie auf die Synagoge beschränkt, so wollen wir dies hinnehmen! Im Uebrigen spricht sich das Urtheil der Sachverständigen da bin aus, daß die Uebersetzung Bunsen's — verfehlt ist, und auch von der Erklärung „die Gemeinde" wenig Genuß und Erfolg haben werde. Redaet. *) Und doch ist dies ein ungerechter Einwand! Soll das „deutsche Volk" niemals zu einer Bibel- 35*

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