Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 34 (16.8.1858)
- Date
- 1858-08-16
- Page
- Seite 467 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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467 Frankreich. Paris, 20. Juli. (Privatmitth.) Sie haben früher schon Ihre Leser aus die vortreffliche Lehr- und Erziehungsanstalt unsres deutschen Landsmannes Hrn. Springer in diesen Blättern aufmerksam gemacht. Dieselbe hat seit einigen Jahren sich bedeutend vergrößert und steht hier im Rufe, die erste Schule für kaufmännisches Wissen und insbesondere für das Erlernen der lebenden Sprachen zu sein. Dieser Ruf ist ein wahrhaft wohlerworbener. Wer der' öffentlichen Osterprüfung in dieser Anstalt beigewohnt — und, nebenbei gesagt, sind öffentliche Prüfungen keine Sitte hier und zwar aus leicht z'u errathenden Gründen — wer die declamatorischen Abendunterhaltungen, derer: Herr Springer im Jahre mehrere giebt, mit angehört hat, wird eingestehen müssen, daß in sprachlicher Beziehung die Resultate außerordentlich sind. Ich habe französische Jungen mit einer Leichtigkeit Deutsch und Englisch sprechen hören und deutsche Zöglinge hinwieder Französisch, daß mich die Leistungen in Erstaunen setzten. Herr Springer, der bis jetzt sein Local in einem herrlichen Hotel der Rue Barbette hatte, kaufte, ohne Zweifel im Vertrauen auf die Anerkennung seines Strebens, vor wenigen Wochen eine der schönsten christlichen Pensionen i>« Marais und wird während der Ferien seine Schule dahin verlegen. Christ und Jude in diesem Stadtviertel freuen sich über diese Acquisition und hoffen, Herr Springer wird in diesem für eine große Schule eingerichteten Local die Zulassung zum Erternat wenigstens erleichtern, damit auch noch andere Familien, als die reichen, an dem Unterrichte Theil nehmen können. Wer das Niveau der hiesigen Realschulen kennt, wird gewiß mit mir in dies Lob einstimmen, dem ich noch den innigen Wunsch zum weitern glücklichen Erfolge des Strebens des unermüdlichen Directors beifüge. Donausürstent hü m e r. Brüssel, 10. Juli. (Privatmitth.) Ich übersende Ihnen anbei die heutige Nummer des hier und in Konstantinopel erscheinenden BlatteS: „Be Levant, oigane des Intereis politiques et industriels de l’Orient“, welche folgenden Artikel enthält: Moldau. Der Minister des CultuS und des Unterrichts hat so eben zwei Circulaire an die katholische und hebräische Gemeinde ergehen lassen. Die einfache Lesung dieser Documente wird besser als alle Erläuterungen beweisen, welches die wahren Tendenzen der moldauischen Regierung sind; sie wird auch zugleich zeigen, wie wenig die Beschuldigungen der Intoleranz, die mit solcher Hartnäckigkeit gegen die türkische Regierung geschleudert werden, begründet sind. (ES folgt nun daS Schreiben an den Erzbischof von Bender, welches ziemlich mit dem folgenden an die hebräische Gemeinde gerichteten gleichlautet.) An die Notablen der hebräischen Gemeinde. In Anbetracht, daß der §. 42., Sectio» I, des Schulreglements dem Minister der Culte und deS öffentlichen Unterrichts auferlegt, sorgfältig darüber zu wachen, daß die Primairschulen der hebräischen Gemeinde auf dieselbe Grundlage und nach demselben Systeme organisirt werden, wie die moldauischen Schulen im engeren Sinne; in Anbetracht, daß es selbst bis zum heutigen Tage der hebräischen Jugend an einem regelmäßigen Unterrichte gefehlt hat, der den Bedürfnissen entspricht, welche besonders jetzt im öffentlichen und Privatleben, der vorgerückte Grad von socialer Cultur, zu welchem unser Vaterland, wo so viele Hebräer ansässig sind, gelangt ist, fühlbar macht; in Anbetracht, daß in Folge eines solchen Zustandes der Dinge und eines vollständigen Mangels an Unterricht in der ronmänischen Sprache für die israelitische Jugend, die Mitglieder der hebräischen Gemeinde in der Cultur ihrer Intelligenz zurückbleiben, ohne die Brüderlichkeit der anderen Bewohner genießen zu können, und so verurtheilt sind, in einer falschen Stellung zu verbleiben, die gleichermaßen schädlich ist ihrem eigenen Wohlsein als Bürger, ihren Interessen als Kaufleute, Handwerker u. s. w., wie dem Interesse und dem Heile des Vaterlandes, welchem sie angehören: glaubt der Minister, daß es seine Pflicht sei, die Aufmerksamkeit der hebräischen Gemeinden durch die Dazwischenkunft ihrer Notablen aus die unbedingte Nothwendigkeit aufmerksam zu machen, der israelitischen Jugend einen Unterricht zu schaffen, der auf ein gutes System basirt ist, und auf die Vortheile, welche für sie aus der Gründung von Primairschulen, der vorgedachten Ordonnanz gemäß, erfließen würden. Demgemäß werden die Notablen dieser Gemeinden eingeladen, sich in dem Departement des öffentlichen Unterrichts, in dem Cabinet des Ministers selbst einzufinden, damit, nachdem sie gehört worden, Maßregeln zur 34**