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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-08-16 · Heft 34 (16.8.1858) · p. Seite 465

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 34 (16.8.1858)
Date
1858-08-16
Page
Seite 465 (sequence 9)
Language
German
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465 Ländern ist der Maßstab für die Distanz bis zu den jerusalmitanischen Zuständen zu finden. Eine brillante Rechtfertigung verschafft der Frankl'- sche Bericht übrigens einer lange, aber vergeblich verfochtenen Ansicht deö verstorbenen Herrn Hirsche! Lehren in Amsterdam. Trotz seiner Befangenheit in Aberglauben und Parteisucht, suchte dieser wohlthätige und opferfähige Mann viele Jahre lang, obwohl zuletzt ohne Erfolg, dem Einströmen der Deutschen, Polen, Russen nach Jerusalem entgegenzuarbeiten, und alle Rücksichten, alle Spenden auf die legitimen, orientalischen Sefaraden - Gemeinden in den vier Städten zu beschränken. Seiner Meinung nach waren nur diese respectabel und auch zahlreich genug dort, so viel als nützlich für ganz Israel zu beten, während die anderen Zuzügler meist aus Gesindel bestehen. Und nun zeigt es sich auch gerade, daß nur die Sefaraden in Jerusalem der ihnen zugedachten Wohlthaten werth und empfänglich dafür sind! Das wirksamste Mittel gegen diesen Krebsschaden ist nächst dem Oculiren europäischer Civilisation in den sonstigen levantinischen Judenftämmen, die Civilisirung der Juden in Stambul, Salonichi, Smyrna, Beirut u. s. w., daS offene Arbeiten gegen alle den Wust von Aberglauben, der sich bei uns und sonst an den Namen Jerusalem knüpft, und namentlich bei Todesfällen und Calamitäten hervortritt. Ein Armer in Palästina hat uns, eaotevis paribus, nicht mehr zu interesstren als ein Armer in Europa, und einer Mizwa, zu Hause geübt, darf kein niederer Werth beigelegt werden als einer »ach dem Tempclberge riechenden. Mögen Andersgläubige der verschiedensten Farben sich die heiligen Fußtapfen vergolden, wo Der und Jener gewandelt haben, Dies und JeneS geschehen sein soll:' wir sehen bei ihnen Lehren und Muster genug, die wir gern befolgen; aber in diesem Punkte brauchen wir ihnen nicht nachzuahmen; denn unsere Religion und die daraus entsprossene Weltanschauung ist einmal, obwohl höchst poetisch, doch keine romantische, sie hat vielmehr alle die romantischen Elemente und Symbole schroff auSgestoßen und durch absichtliches Jgnoriren besiegt, die sich ihr einverleiben wollten —: von den süß anheimelnden Penaten, die die junge Rahel aus dem Vaterhause mitbrachte, bis zu den Adonis-Klagen, denen sich unserer Ahnfrauen weiche Herzen Hingaben, bis zu den magischen Formeln der pragmatischen Kabbala, biS zu der SelamS-Symbolik unserer Reu-Orthodoxen; alle diese Momente haben es versucht, sich bei uns einzubürgern, eS ist ihnen auch insgesammt eine Zeitlang gelungen, aber nach kurzer Zeit hat die gesunde Natur des pharisäischen sowohl als sadducäischen Judenthums sie wieder von sich gegeben, oder auf verborgene Stellen als kleine Parasitflechten gebannt. Und so wird eS auch mit dem JerufalemSfieber gehen, ist vielleicht schon so gegangen. Nein, dazu ist unsere Religion viel zu kernig, um sich auch noch zum Reliquiendienst hinreißen zu lassen. Blieb doch daS Grabmal MofiS — wie man sagt, auS Absicht — der Welt verborgen, erwähnt doch koin einziger von allen Propheten auch nur entfernt deS Sinais und der dortigen Offenbarung, ging doch der ganze Ritus im zweiten Tempel Jahrhunderte lang seinen guten Gang, obgleich im Allerheiligsten keine Bundeslade und keine'Bmidestafel war! Die Lehre, daS Gesetz, gleichviel wie weit man den Umfang desselben als gültig annimmt, — das ist das Judenthum, eine gesunde Kost, die keine weiteren Stimulantien bedarf. Hamburg, im Juli. (Privatmitth.) Schnell genug ist eingetroffen, was der vorangehende Artikel angab; und eben so schnell wird sich verwirklichen, was Frankl (Nach Jerusalem, Theil 2, Seite 187.) voraussetzt: „Es stände schlimm um die Wahrheit der vorliegenden Darstellung, wenn sich kein Aufschrei der Zeloten erhöbe!" Im Juni schon ist ein „Aufruf zum Bau jüdischer Armen- und Pilgerwohnungen in Jerusalem" durch bekannte Hände und Mittel (auch wohl durch die Verwalter der „Rabbi-Mcir-Büchse") in Umlauf gesetzt, um von frommen-Körpern Geld zu angeln. Dieser Aufruf, der alle dort errichteten wohlthätigen Stiftungen völlig ignorirt, geht nicht von den sämmtlichen Gemeinden aus, und die Hauptgemeinde, die 4600 Seelen zählt, weiß gewiß keine Sylbe davon, nein, er ist unterzeichnet von den Vertretern der deutsch-holländischen Judengemeinde in Jerusalem, also von den Lusclie HOD, einer seit etwa sechs Jahren gestifteten Faulenzergesellschaft (laut Frankl), sechszig an der Zahl, die schon jährlich 62,000 Piaster europäische Spenden beziehen. Dieser Kunstgriff ist freilich zu grob, als daß sich Viele dadurch fangen lassen dürften; allein was soll man zu solchen oft wiederholten Manövers sagen? UnS sollte es nicht wundern, wenn zwischen den auffordcrnden äusolie Hock derselbe Ge- 34

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