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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-08-16 · Heft 34 (16.8.1858) · p. Seite 464

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 34 (16.8.1858)
Date
1858-08-16
Page
Seite 464 (sequence 8)
Language
German
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464 theilen zwei von der Gemeindeverwaltung unabhängige Privatvereine, die ungefähr 2000 Thlr. verausgabten. Unser Vorschuß-Institut verlieh auf 830 Scheine 100,880 Mark, von denen nur 1942 Mark ("/,« pCt.) durch Bürgen zurückbezahlt wurden. Für 2540 Mark von obiger Summe hatte die Armenkaffe selbst garantirt und ging ganz schadenfrei aus. Zur Verpflegung der Durchreisenden verwendete die Gemeinde einschließlich der Speisung an den Feiertagen 2600 Mark. Das Freischulwesen kostete 29,000 Mark, wovon 15,000 Mark aus Gemeindemitteln. Außerdem bezog die Talmud-Tora-Schule (236 Schüler) ihr neu erbautes HauS, und ward die Freischule (249 Schüler) um 2 Classenzimmer vergrößert. Die beiden Mädchenschulen zählen 245 Schülerinnen. Koscher geschlachtet wurden Ochsen und Kühe 2038 (wovon die Juden nur die Vordertheile nehmen) und Kälber 5722. Die Abgabe (*/* Mark pro Centner) wurde bezahlt von 576,058 Pfd. Ochsenfleisch, indem Kalbfleisch und Nebentheile steuerfrei sind. Lamm - und Hammelfleisch wird hier wenig verzehrt. Nachdem in diesen Blättern neulich ein wohlmotivirteS Manifest hinsichtlich der Versicherung der Synagogen ge'gen Feuersgefahr gegeben ist, bringt der Artikel über Frankenstein in No. 28. ein ähnliches Verhältniß zur Sprache. Als 1842 hier die große Feuersbrunst war, da haben wir uns wohl gehütet, auch nur den Anschein einer Separat-Sammlung für abgebrannte Juden aufkommen zu lassen. Wir haben vielmehr dahin zielende Anerbietungen von reichen auswärtigen ConfessionSgenossen geradezu abgelehnt. Hätten nicht die Magistrate in solchen Fällen eine effective Berechtigung, die Juden bei den allgemeinen Vertheilungen (als das Gegenstück zu der Kedima bei der Chaluka in Jerusalem; siehe Frankl) zurückzusetzen? Und bedarf der allgemeine Wahn, alle Juden insgesammt hätten eine gewisse Maskogni und einen gemeinschaftlichen Geldbeutel, noch einer Aufmunterung? Tritt aber ein solcher Unglücksfall ein, und die Juden glauben dann, daß ihnen bei den Umlagen der öffentlichen Hülssbeiträge zu nahe geschieht (und wir haben Grund genug anzunehmen, daß dies bisweilen vorkommt): gut, so mögen sie es laut sagen oder durch Dritte sagen lassen — dann werden die jüdischen Wohlthäter schon wissen, was sie zu thun haben; denn die schlaue Regel: „laßt uns Gutes thun an Jedermann, zumeist aber an des Glaubens Genossen", dürften wir uns unter solchen Umständen auch einmal vom G.-A.-Verein borgen. Aber auch nur unter solchen Umständen: wenn Alles in Ordnung geht, ist es ungerecht und unverständig zugleich, zu dem Mittel einer separaten Sammlung zu schreiten, und die Betreffenden wären der Vorwürfe aller deutschen Juden werth, wenn sie eine Absonderung hervorriefen, wo sie weder nöthig noch nützlich ist. Ich komme auf das Frankl'sche Buch: „Nach Jerusalem", oder vielmehr, ich komme nicht auf das Buch als Buch, — die Beurtheilung kommt Anderen zu — sondern auf viele der darin enthaltenen Notizen und Vorschläge. Die letzteren, so wohlgemeint sie sind, ermangeln großentheils vielleicht der Ausführbarkeit. Wie will man es z. B. verhindern, daß nicht neue Müssiggänger und Schwachmatiker dorthin gehen und das Verbrechen begehen, ihre Kinder dahin mitzunehmen und dort zu vermehren? Sind es nicht zumeist Subjecte, die man in ihrer Heimath sehr gern entläßt? An Passen, Auswanderscheinen rc. wird es solchen Leuten am wenigsten fehlen. Ferner: gesetzt, ein fremder Consul, sei es der österreichische, nähme sich der Vertheilungssache an, wie lange wird er den tausendfachen Pfennings-Ränken widerstehen? Und wird er sich nicht überhaupt auf subalterne sprach- und sittenkundige Zuträger verlassen müssen? Und der Vorschlag, einen gebildeten jüdischen Agenten dorthin zu setzen, der kann vollends nicht berücksichtigt werden. Wäre auf diesem Wege etwas zu machen, so würden die beiden jüdischen Aerzte, die Jerusalem bewohnen, sich gewiß schon dazu erboten habe»; aber sie wissen es besser. Scho» die Apostelgeschichte erzählt unS ja, wie parteiisch schon vor 1800 Jahren auf jenem Boden die frommen Spenden vcrtheilt wurden! Traurig, traurig ist die Schilderung des geistigen Zustandes der Juden in Palästina, die dort Vorkämpfer des Judenthums ungefähr eben so sein wollen, wie die Montenegriner die des Christenthums. Aber 'leider ist dieser Zustand kein anderer, als, mit Berücksichtigung der Umstände, derselbe, den die krasse ungemilderte Bigotterie überall und in allen Kirchen da herbeisührt, wo sie allein herrscht, und den Wirkungen der Wissenschaft und des industriellen und politischen Lebens entzogen ist. Nicht bei uns in den Gemeinden Deutschlands und der Nachbarländer, in Volhynien, 'N Mequinez, ja in noch viel näherliegenden, aber dem Sonnenlichte nicht genügend ausgesetzten

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