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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-08-16 · Heft 34 (16.8.1858) · p. Seite 461

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 34 (16.8.1858)
Date
1858-08-16
Page
Seite 461 (sequence 5)
Language
German
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4SI dische Aerzte eS waren, die furchtlos die Pestkranken behandelten, während die christlichen Aerzte die Hülfesuchenden entweder gar abwiesen, oder nur mit einem „eben so sonderbaren als grauenerregenden Costüm gewaffnet", für sich selbst bangend, besuchten. Uebrigens bezeichnen die Geschichtsschreiber jene Greuelthaten als fluchwürdige, vom abergläubischen, verblendeten Pöbel verübte; wenn aber in unsren Tagen Männer, die auf dem hohen Rosse deS Zeitgeistes sich sprechen, Tagesgcschichte schreiben, die wissenschaftlichen Touristen spielen, in der alten und neuen Welt als Zeitungsredacteure sich versucht haben, sich darin gefallen, Judenhaß zu predigen, so sind solche nicht werth, daß ihres Namens gedacht wird, aisn waw nu', nach Uhland zu deutsch: „Dein Name sei vergessen, In ew'ge Nacht getaucht, Sei, wie ein letztes Röcheln, In leere Luft verhaucht!" In unsrer schwäbischen Hauptstadt zeichnet sich ein Localblatt durch seine judenfeindlichc Tendenz aus; ein großer Theil der Stuttgarter Israeliten hat sich dahin geeinigt, dieses Blatt nicht mehr zu lesen und dadurch wurden ihm eine bedeutende Anzahl Abonnenten entzogen. Wir finden diese Repressalien ganz gerecht, denn warum sollen Juden Blätter thatsächlich unterstützen, die es sich zur Aufgabe machen, Juden und Judenthum zu lästern. — Wie anders machen unsere Verleger von Tagesblättern von ihrer Presse Gebrauch. Buchhändler Heß verlegt ein Jntelligenzblatt in einem durchaus katholischen Bezirke und unter seiner Redaktion hat sich der Leserkreis bedeutend erweitert. Eben so in Eßlingen redigirt und verlegt der Buchdruckereibesitzer Harburger ein vielgelesenes Blatt unter evangelischer Bevölkerung und hat noch nie Zerwürfnisse unter den Confrssionen hervorgerufen. — Unsere Lesebuchsfrage ist noch nicht, entschieden. Die k. Oberkirchenbehörde hat Berichte von allen Schulstellen eingefordert, wie groß der Bedarf an Lesebüchern für israelitische Schulen sein dürfte. Die k. Oberkirchenbehörde gehe damit um, eine Vereinigung mit Schulvorständen israelitischer Schulen außerhalb Württembergs zu erzielen, damit das neuzuschaffende Lesebuch eine größere Verbreitung finde. Doch müssen wir vom pädagogischen Standpunkte Verwahrung dagegen cinlegen, daß unser Lesebuch nicht zu verschieden von dem in Württemberg allgemein eingeführten werde, denn die Oberschulbehörde läßt in den Schullehrerbildungsanstalten nach dem eingeführten Lesebuche unterrichten; bei den Dienstprüfungen bildet es die Grundlage deS EramenS; bei den Fortbildungsanstalten, in den Schullehrerconferenzen wird der Stoff der Besprechungen ihm entnommen. Das Lesebuch bildet das Centrum des ganzen württembergischen Schulwesens. Will man nun ein specifisch jüdisches Lesebuch haben, so bearbeite man das vorliegende für jüdische Schulen; oder soll es gar keine religiöse Färbung tragen, so trenne man daS Lesebuch, das aus drei Theilen besteht, und lasse den letzten weg, dann ist es auch für unsere Schulen wohl zu gebrauchen. Freilich ist die Aeußerung schon laut geworden, das württcmbergische Lesebuch sei zu niedrig gehalten für die gehobene Bürgerschule; allein wer dieses behauptet, hat keinen pädagogischen Einblick, eS erfordert einen sehr tüchtigen Lehrer, daS LesebuH allseitig richtig zu behandeln. Das beweist schon der Umstand, daß das Lesebuch mehrere erläuternde Handbücher hervorgerufen hat und Männer von bedeutendem literarischen Rufe die Aufgabe nicht verschmähten, Commentatoren des Lesebuchs zu sein. Dringt man uns ein fremdes Lesebuch auf, so ist der israelitische Lehrer in Württemberg seinem ganzen Bildungsgänge entfremdet, die Fortbildungsanstalten, Conferenzen u. dgl. verlieren für ihn jede Bedeutung, er steht fremd unter seinen Collegen. Aber auch der junge Israelit wird seinem Mitbürger entfremdet, denn daS Lesebuch ist zugleich Volksbuch; tritt er in die Lehre, in andere Lehranstalten, in Sonntagsschulen u. s. w. über; so ist das dort eingeführte Schul- und Volksbuch ihm völlig fremd. — Wir möchten die Alternative Vorschlägen: entweder lasse die israelitische Oberkirchenbehörde das württcmbergische Lesebuch für israel. Schulen bearbeiten und führe es von Amtswegen ein, oder überlasse man jeder Schulinspection, ein passendes in ihrer Schule einzuführen, dann möge der Eine das würtlembergische beibehalten und den specifisch christlichen Stoff entfernen; oder der Andere zu dem von Hecht, oder zu dem neu erscheinenden von Lehrer Stern, nicht zu verwechseln mit Dr. Stern in Frankfurt, greifen. Wir werden ans diese Frage wieder zurückkommen. Münchweiler in der Pfalz, im Juli. (Privatmitth.) (Die Pflege des Gesanges vonSeitender israel. Lehrer.) Fast in jeder Nummer Ihrer geschätzten und vielgelesenen Zeitung werden uns Nach-

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