Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 33 (9.8.1858)
- Date
- 1858-08-09
- Page
- Seite 453 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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453 Man schreibt von Sarraltroff, Canton Saarbrücken, dem Moniteur de la Meurthe: Ein gewisser Michel Eins, ein Tischler uiiserer Gemeinde, suchte am vergangenen Freitag fünf Uhr Morgens einen gewissen Sudig-Deutsch, israelitischen Handelsmann in Sarrebourg, auf und that ihm die Absicht kund, ihm auf der Stelle alle seine Güter zu verkaufen. Er hätte, wie er sagte, einen lebhaften Streit in seinem Hause gehabt, und den Entschluß gefaßt, das Land für immer zu verlassen. Er wolle also auf der Stelle Alles los sein, was er besaß, das heißt 76 Morgen Land und Wiesen, eine Mühle, drei Häuser, Pferde und Ackergeräthe; er bestimmte den Preis der ganzen Cession zu 40,060 Frcs., sofort zahlbar. Der Sudig-Deutsch sah, daß aus diesem Geschäft ein Gewinn von 30 bis 35,000 Frcs. zu ziehen sei; er acceptirte, und um acht Uhr Morgens war der Contract vor einem Notar in Sarrebourg abgeschlossen; die 40,000 Frcs. sind dem Michel Sins ausgezahlt, der sich mit der Summe entfernte. Man begreift die Verzweiflung der Familie dieses Letzteren, als sie Kenntniß von diesem so rasch abgeschlossenen Handel erhält; sie kommt Sonntag ganz in Thränen zu dem Käufer, ihn zu beschwören und ihm daS Unglück, in daS sie von jetzt an gestürzt worden, zu schildern. Wir fühlen uns glücklich, hinzufügen zu können, daß der Sudig-Deutsch nicht taub bei diesen Ausbrüchen der Verzweiflung blieb, und daß er darein gewilligt, den Kauf zu annulliren. Großbritannien. London, 7. Juli. Oberhaus. Sitzung vom 6. Juli. Der Herzog von Marlborough zeigt an, er werde in der Comiteberathung über die Eidesbill die Aufnahme eines Artikels beantragen, kraft dessen Personen israelitischen Bekenntnisses nicht befugt sein sollen, der Krone in Bezug auf die Besetzung geistlicher Stellen Rath zu ertheilen. London, 10. Juli. Oberhaus. Sitzung vom 8. Juli. Die Eides - (Juden-) Bill geht durch das Comite mit einigen unwesentlichen Amendements lind mit Hinzufügung eines von dem Herzoge von Marlborough beantragten Artikels, welchem zufolge es keinem Juden gestattet sein soll, der Krone bei der Besetzung geistlicher Stellen Rath zu ertheilen. London, 13. Juli. Oberhaus. Sitzung vom 12. Juli. Auf der Tagesordnung steht die Benutzung der dem Unterhause vorzulegenden Gründe, um derentwillen die Lords bei ihren Amendements zur Eidesbill, verharrten. Earl G ranville hält eS nicht für rathfam, jetzt, nachdem Lord Lucan's Bill, durch welche den Juden Sitz und Stimme im Parlament eingeräumt werde, gutgeheißen worden sei, noch Gewicht auf diese Gründe zu legen und auf dieselben zurückzukommen. Es würde dies so auösehen, als ob die Lords ein Zugeständniß wider Willen machten, und das HauS der Gemeinen könnte den Einwand erheben, eine Antwort auf eine solche Motivirung sei überflüssig, da die vorgebrachten Gründe gegen ein Verfahren gerichtet seien, daS man wirklich befolgt habe. Von den Gründen selbst seien drei nicht stichhaltig, die übrigen beleidigend für das Haus der Gemeinen und Diejenigen, welche man jetzt ins Parlament zulassen wolle. Der Earl von Derby vertheidigt die in dem Berichte enthaltene Motivirung. Dieselbe, behauptet er, stehe durchaus in Einklang mit dem vom Unterhause eingeschlagenen Verfahren. Das Haus habe seine Ansichten darüber, ob es sich zieme, Juden ins Parlament zuzulaffen, nicht geändert; doch habe es aus Versöhnlichkcitsrücksichten dem anderen Hause die Erlaubniß ertheilt, sie zuzulassen. ES stehe daher den Lords noch immer frei, den Gründen, weshalb sie nicht in die ursprüngliche Bill willigten, Ausdruck zu leihen. Doch schlage er vor, den vierten Absatz des Berichtes durch eine andere Motivirung zu ersetzen und den fünften Absatz wegzulassen. Dadurch werde wohl alles Anstößige beseitigt werden. Der Marquis von Lansdowne hält das vorgeschlagene Verfahren für das wunderlichste, auf das man überhaupt hätte verfallen können. Es stehe im schneidendsten Widerspruche mit der Bill, welche den Juden die Thore des Parlaments öffne. Lord M a l m e s b u r y ist es sehr darum zu thun, daß die Ansichten der Regierung nicht mißdeutet werden. Wenn sie ein Zugeständniß gemacht habe, so sei dies auS einer politischen Nothwendigkeit, nicht aber aus einer moralischen Ueberzeügung hervorgegangen. Ein Theil des die Motivirung enthaltenden Berichtes wird hierauf mit einigen Abäntzerungen angenommen. Der Earl von Lucan beantragt die dritte Lesung seiner Judenbill. Lord Dungannon, ein Gegner der Bill, veranlaßt eine Abstim- 33**