Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 33 (9.8.1858)
- Date
- 1858-08-09
- Page
- Seite 454 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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454 mung. Für die Bill sprechen sich 33, gegen dieselbe 12 Stimmen aus. Majorität für die Bill 21. Die Bill wird hierauf zum dritten Mal verlesen und geht durch. (Man kann zu obiger Debatte nur bemerken: qui s’excuse, s’accuse. Red. d. A. Z. d. Jud.) London. Unterhaus. Sitzung Vom 13. Juli. Lord I. R u sse l l hebt mit Bezug auf die Zulassung der Juden den eigenthümlichen Umstand hervor, daß das Oberhaus bei seinen Amendements zu der EideSbill verharrt sei, jedoch andererseits eine Bill (die Judenbill Lord Lucan'S) angenommen habe, durch welche diese so schwierige Frage eine praktische Lösung erhalte. Er beantrage daher die zweite Lesung der Bill Lord Lucan'S für nächsten Freitag. Der Schatzkanzler erklärt sich mit dem Anträge einverstanden. —. Unterhaus. Sitzung vom 16. Juli. Lord I. Russell beantragt die zweite Lesung von Lord Lucan's Judenbill. Rewdegate beantragt die Verschiebung bis über drei Monate und spricht sein tiefes Bedauern darüber aus, daß Lord Derby, obgleich er noch immer bei seiner früheren Ueberzeugung verharre, seinem früheren Verhalten untreu geworden sei. Lord I. R u sse l l bemerkt, die Bill habe allerdings ihre Mängel. Doch enthalte sie die Lösung einer großen praktischen Schwierigkeit. Aus dem Grunde sei die zweite Lesung wünschenswerth. Walpole sagt, er sehe keinen Grund, seine frühere Ansicht zu ändern. Außerdem habe er das gegen die Bill einzuwenden, daß sie, was bisher in der englischen Gesetzgebung unerhört gewesen sei, die beiden Häuser des Parlaments in Stand setze, durch eine bloße Resolution ein Gesetz abzuschaffen. Das Haus der Lords würde seines Erachtens besser gethan haben, wenn es die ihm vom Unterhause überwiesene Bill angenommen hätte. Statt dessen habe es einen Gesetzentwurf genehmigt, der doch nur Flickwerk sei und die Frage nicht auf die Dauer erledigen werde. Die Bill ermächtige das Haus, einen Juden vermöge einer Resolution zuzulassen. DaS nächste Haus der Gemeinen könne einen solchen Beschluß wieder umstoßen, und dann sei der Streit von Neuem da. Lord P a l m e r st o n bedauert es gleichfalls, daß das Oberhaus eS nicht habe über sich gewinnen können, die vom Unterhause überkommene Bill anzunehmen. Nur mit bedeutendem Widerstreben gebe er dem jetzt vorliegenden Entwürfe seine Zustimmung. Doch erheische Gerechtigkeit und Politik in so hohem Grade die Zulassung der Juden zum Parlamente, daß er sich diese erste Abschlagszahlung gefallen lassen wolle. Uebrigens hege er die Ueberzeugung, daß ein aus constitutionellen Gründen so verwerfliches Gesetz nicht lange im Gesetzbuche bleiben werde. Bei der Abstimmung gehl die zweite Lesung mit 156 gegen 65 Stimmen durch. Anzeigen. In hiesiger Synagogen-Bezirks-Gemeinde wird baldmöglichst ein junger, tüchtiger, eraminirter Elementarlehrer verlangt. Ist auch der firirte jährliche Gehalt vorläufig nur auf 200 Thlr. festgesetzt, so wird demselben doch die Aussicht auf seine fernere geistige Entwickelung und Bervollkommnung von mir eröffnet. Unverheirathete Bewerber wollen sich schleunigst in frankirten Briefen an den Synag.-Vorstand hier oder direct an mich wenden. Mewe, Reg.-Bez. Marienwerder, im Juli 1858. Dr. Simon Sachs, Rabbiner. Ein unverheiratheter, geprüfter Lehrer, der zugleich Schächter und Vorbeter ist, wird für die hiesige Gemeinde sofort oder zum Oktober d. I. gesucht. Firirter Gehalt 100 Thlr. nebst freier Station, so wie circa 40 bis 50 Thlr. Nebeneinkommen aus der Schechita re. Restectanten hierauf werden ersucht, sich unter Einsendung ihrer Zeugnisse in portofreien Briefen an uns zu wenden, oder sich uns persönlich vorzustellen. Templin, den 30. Juli 1858. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Ein israelitischer Hofmeister, der sich über pädagogische Befähigung hinreichend ausweisen kann, wird zum 1. September -für das Unterzeichnete Institut gesucht. Jährliches Honorar, wobei die Unterrichtsstunden nach Zahl und Gegenstand besonders honorirt werden, Fl. 300. österr. Währung. Auf frankirte Briefe, aus denen sich die Verwendbarkeit beurtheilen läßt, wird nähere Auskunft enheilt. »r. Ad. Jos. Pick s Lehr- und Erziehungsinstitut, Leopoldstadr 656., Wien. Die Synagogen-Gemeinde Nordstern men bei Hildesheim sucht auf den 1. October d. I. einen Religionslehrer, Vorbeter und Schächter. Gehalt außer freier Station 70 Thlr. Die Schächtergebühren werden besonders entrichtet. Anmeldungen und Zeugnisse find franco einzusenden. Nord stemmen, im Juli 1858. Der Vorsteher M. Scheiberg.