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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-08-09 · Heft 33 (9.8.1858) · p. Seite 449

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 33 (9.8.1858)
Date
1858-08-09
Page
Seite 449 (sequence 7)
Language
German
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449 Studien das Wichtigste und Abgerundetste herauszuschaffen. Wir stehen an dem einfachen Grabe dieses Märtyrers der Wissenschaft und des Geisteslebens. Woher kam in die Seele dieses unscheinbaren Menschen die unendliche Sehnsucht nach Erkenntniß, der unerschöpfliche Trieb zum Schauen und Forschen, die niehefriedigte Lust am Suchen und Finden, vor der alle Stimmen der Erde und des Lebens verstummten, und die mitten in Entbehrung und Siechthum, als der zarte Körper schon zerfiel, gleich mächtig aufgerichtet 'stand und in die Himmel hineinschaute? Woher sie gekommen? Fürwahr, nicht von Eurem tobten Stoffe oder von Eurem unmotivirten Gesetze, Ihr Jünger des Atheismus und Pantheismus, sondern allein von dem lebendigen Gotte, der von seinem Geiste in den Menschen gethan, von seinem Geiste, der ihn nun über die Erde und die Sonne und die Sterne hinweg in die Tiefen des Himmels, das ist des göttlichen Geistes, hineinschauen läßt, daß vor dem Verlangen nach diesem Lichte alle anderen kleineren Lichter des Lebens und der Erde verlöschen. Ja, diesen Geist vom Geiste des lebendigen Gottes, wenn Ihr, Jünger des Atheismus und Pantheismus, ihn nicht erklären könnet, sollet Ihr ihn auch nicht läugnen... Ihr verläugnet damit ja auch Euch selbst. Literarischer Wochenbericht. Magdeburg, 29. Juni. (Notizen.) Dr. M. Steinschneider hat die hebräischen Handschriften der Bodlejanischen Bibliothek in Orford und der Leydener Universitätsbibliothek katalogisirt, und die lateinisch abgefaßten Kataloge werden demnächst im Druck erscheinen — ein kostbarer Beitrag zu der jüdischen Literaturgeschichte. — Die Arch. isr. de Fr. fordern nachdrücklich auf, die drei Bände des Saron ins Französische zu übersetzen, um die Lectüre dieser wirksamen Dichtungen auch in Frankreich und Italien allgemein zu machen. Gewiß würde nicht minder für England und Amerika eine englische Uebersetzung nützlich und wahrscheinlich auch vorteilhaft sein. Zeitungsnachrichten. Deutschland. AuS der bayer. Pfalz, im Juni. (Privatmitth.) Eine Correspondenz aus Bayern in No. 26. d. Bl. hebt hervor, wie die Staatsregierung gegen die Juden, besonders gegen das israelitische Lehrerpersonal, immer mehr Toleranz zeige. Ich folge einem Zuge der Erkenntlichkeit, von unserer hohen Kreisregierung zu berichten, daß diese dem israelilischen Lehrerstande die vollste Gleichberechtigung mit dem christlichen gewährt , auch alles Verdienst vollkommenst würdigt, wo es sich nur zeigt. — Sowohl bei der im Jahre 1827 gegründeten Anstalt für Wittwcn und Waisen des Lehrerstandes, als auch bei dein im Jahre 1855 ins Leben getretenen Penstonsfond für dienstunfähig gewordene Lehrer stehen die israelitischen ihren christlichen College« ganz gleich. In dem Cantone Edcnkoben ist der israelitische Lehrer Elsässer Ersatzmann für die Agentur der Wittwenkasse. Er hatte nur eine Stimme zu wenig, um als Agent gewählt zu sein. An der lateinischen Schule zu Neustadt wirkt seil 1850 als Reallehrer der ehemalige israelitische Schullehrer zu Mußbach, Ignaz Lehmann, Inhaber einer concessionirten Handelsschule. In Edenkoben ist der oben erwähnte Lehrer Elsässer seit 1839 als Schreiblehrer an der lateinischen Schule angestellt. — Bei der Bildung der Schullehrer werden für alle Confessionen dieselben Bedingungen eingehalten. Es bestehet ein katholisches und ein protestantisches Seminar zu Speyer und Kaiserslautern. Die Israeliten sind an das zu Kaiserslautern angewiesen, wo Herr Bezirksrabbiner Seligmann den Religionsunterricht crthcilt. Gegen die schon öfter lanlgewordene Klage über Mangelhaftigkeit an jüdischem Wissen der Schullehrlinge bei deren Anmeldung zur Aufnahme in das Seminar, ist die hohe Landesstelle eifrig bemüht, im Einvernehmen mit den BezirkSrabbinaten geeignete Wege zur Verbesserung anzubahnen. Dank, lausend Dank solch einem guten Geiste! — In der nekrologischen Notiz über den Gelehrten Ottensoser zu Fürth (in derselben Nummer) hätte ich betreffs des „gute» KaffecS" mehr Delikatesse gegen den Verewigten gewünscht. — AlS ein ehemaliger Umgangsgenoffe desselben würde ich, und gewiß »och recht viele, viele in aller Welt verbreitete Verehrer und Freunde Ottensoser's, cS einem ihm später noch näher Gestandenen Dank wissen, von dessen vielseitigem Wirken in diesen Blättern eine Zusanniienftellung zu liefern. Die Anerkennung über die letztjährige Leistung des Instituts zur Forderung der israelischen Literatur ist auch bei unS eine freudige und erfreuliche zu nennen.

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