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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-08-02 · Heft 32 (2.8.1858) · p. Seite 431

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 32 (2.8.1858)
Date
1858-08-02
Page
Seite 431 (sequence 3)
Language
German
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431 lichen individuellen Wesen zum großen Ganzen? wie ist eS gekommen, daß, wenn auch in den Grundelcmemen Vas in ihnen vorhandene Gesetz zur Bildung der individuellen Wesen auSgereicht, daß die verschiedenen Wesenreihen und Gattungen so rneinandergrerfen, daß sie stch gegenseitig ergänzen, daß Pflanzen' und Thiere und deren verschiedene Arten zur gegenseitigen Erhaltung dienen, daß *6 leuchtende und erleuchtete Weltkörper in geeignetem Verhäliniß zu einander giebt u. s. f.? Denn da das All doch nur aus einzelnen Wesen besteht, wodurch ist diese Weltordnung hervorgebrachr, da der Pantheist ia doch , kein Iransscendentales allgemeines Gesetz, daS an keinem besonderen Wesen ist, annehmen darf? Wir haben aber -der pantheistischen Anschauung noch einen besonderen Einwand zu stellen. Wie will sie denn beweisen, >daß in der Natur wirklich eine unbedingte Mvthwendigkeit vorhanden -ist? im Gegrntheil können wir rrnS -selbst .nach ^den vorhandenen Gesetzen diele.'Dinge i ganz anders-denken, als -sie find,-so daß ein zwischen , den Möglichkeiten wählender SchöpfungSgebanke gar nicht zu vrrkennenräst. ..Unser Sonnensystem hat durchaus.keine regelmäßige Einrichtung. ' Wir könnm mns -ein solches System mit viel größerer Regrlnläßigkeit-her Dertheilung der Planeten, ihrMGrößen, ihrer Entfemüngen und Bah-' den' denken , und -die Gesetze der Anziehung hätten nach genauer? Berechnung vine solche regelmäßigere Beschaffenheit vollständig zugelaffen. ' Aber eß sollte in der Schöpfung bei^-der größten Einfachheit der Gesetze die größte Mannigfaltigkeit Äö Daseins und Lebens vorhanden sein, "iittd. zu; diesem Zwecke wurde die Aegelmäßigtzit in dem :Sonnensystem -nicht .bethäügt. So können wir uns auch denken , .'daß/ so gut wie bei der großen Mehrheit der Pflanzen auch Hei den Thieren die beiden Geschlechter in den Jndividum nicht getrennt zu sein brauchten; über welche Mannigfaltigkeit der Lebensformen und Lebensverhältnisse ivürden damit in Wegfall gekommen sein? So treten und aus jeder vernünftigen Naturanschauüng Unwiderlegbar die Schöpfergedanken als Thatsachen entgegen, welche eine unbedingte Nothwendigkeit nicht 4vnstatiren, sondern die freie Wallung eineS Schöpfergeistes. 'Wir haben schon oben gesehen, daß dem Pantheisten die "Freiheit der willkürliche» Bewegung unerklärbar bleibt. Alle physikalische Deutung vermittelst elektrischer und magnetischer Strömungen bringt über den Differenzpunkt nicht hinaus; wo der Gedanke die elektrische Batterie im Nerven« und Muskelapparat in Bewegung setzt. ' Noch weniger kann er daher daS Selbstbewußtsein rrnd die sittliche Freiheit begreifen. Alle Versuche der Pantheon, hierüber fich klar zu machen, ergaben entweder eine grobe Läugnung, oder gestanden zuletzt ihre Nichtigkeit selbst ein. Jene Läugnung des Selbstbewußtseinß und der flttlichen Freiheit läuft aber der stündliche», ja minütlichen Erfahrung so schnurstracks zuwider, daß sie nur stets als Frechheit oder hartnäckige Selbstverblendung ausgenommen werden konnte. Darüber nur ein Wort zu verlieren, wäre sich gleicher Lächerlichkeit schuldig machen. Noch weniger kann der Pantheist eine sittliche Weltordnung, eine göttliche Vorsehung zugeben, und hierin tritt er offener und unumwundener auf, weil hier die Widerlegung tieferliegt. Hiermit stellt fich aber der Pantheist auf diesem Gebiete dem Atheisten völlig gleich. AuS der Natur folgt ihm daS Gesetz, daS er Gott neunte nicht mit auf das sittliche Gebiet, und jenen wie diesen empfängt hier dieselbe Trostlosigkeit. Wie Beide hiermit aber der ganzen inneren Menschennatur widersprechen, rwie hierin gegen sie nicht. dloS die Voraussetzungen und Folgerungen Äs Verstandes, sondern all/ unsere^efühle und Empfindungen, alle Ausere Mfahrungm und Erlebnisse jlch auflehnen, ist Jedem^klar. . _ -Vw In der That ist eS nur -aus den eigeuthümlichen Complicationen der Neuzeit erklärlich,.daß dieses moderne Heidenthum des Pantheismus noch seine tieferen .und oberfiächlichen Anhänger finden kann.. Von.der einen Seite die Uebertreibungen deS kirchlichen Dogmatismus, von der anderen Seite die Kberffächlichkejt des.-rationalistischen DeismuS konnten allein dahin treiben., DennyH ist .nicht zu fürchten, daß der Pantheismus eine^ allgemeine Verbreitung finden könnte, wenn Immer und immer wieder eine unparteiische, ruhige Und klare Widerlegung-gegeben' wird. Denn was dem Pantheismus einigen Vorschub leistet, ist allein, daß oberflächliche und seichte. Geister so gern dm Worten Solcher folgen, welche ihnen den Schein und falschen Au hm einer freieren GeisteSrichtung, der Befreiung von Vorurtheilen und Altem Glauben versprechen. Schieben wir vielmehr den Vorwurf des VorurtheilS dem Pantheisten zurück, und zeigen, daß fein Philvsophem nur aus Vorurtheilen gegen DaS entspringt, was Wissenschaft und Geschichte, Vernunft und Herz in Ihrer Klarheit schauen und lehren. Undankbarkeit gegen die Luden. Wir. verstehen Heute unter obiger Ueberschrift nicht jene merkwürdige Vergessenheit, in welche die Welt so oft ge- 32*

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