Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 31 (26.7.1858)
- Date
- 1858-07-26
- Page
- Seite 426 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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426 pflegen. — Jonathan beehrte nun in dem von ihm vorgetragenen „Reschuß" auch I. Emden mit solch namentlicher Erwähnung, ertheilte seinem Verdienste gehörige Lobesspendung, wodurch dieser sich geschmeichelt und veranlaßt fühlte, wollte er den Anstand nicht aufs Gröblichste verletzen, aus seiner bisher gegen den Rabbiner beobachteten Pasfivität herauszutreten. Als dieser seine zweite Druschah abhielt, kam jener nach Beendigung derselben in die Synagoge, trat zu dem Rabbiner hin, bot ihm unter üblichem Bewillkommnungsgruße die Rechte, präsentirte ihm auch Tags darauf eine Flasche Wein, als Zeichen huldigender Ehrerbietung. Jonathan entwickelte alsbald hier wie früher zu Metz eine außerordentliche Berufsthätigkeit, erfüllte besonders sein Lehramt mit ungemeinem Eifer. Er durchwachte ganze Nächte im Kreise seiner Schüler, in der Gotteslehre forschend und hierzu anregend. In der Regel wurde die Nacht zwischen dem Donnerstage und Freitage unter unablässigen Studien verbracht, da wurde dem Schlafe Trotz geboten, der süßen Ruhe entsagt, und der Geist durch Behandlung halachischer Themata wach erhalten. Einmal in einer strengen Winternacht, als wieder eine solche heilige Vigilie gefeiert wurde, traf es sich, daß Jonathan das Lehrzimmer verließ und lange zu den harrenden Schülern nicht zurückkehrte. Diese, darüber höchst erstaunt, wußten das Ausbleiben des Lehrers nicht zu deuten, und beschlossen, ihn aufzusuchen. Aus großer Scheu und Ehrfurcht vor dem Rabbi, wagte es aber Niemand, diesem nachzugehen) man wartete wieder eine geraume Zeit, aber vergebens. Nun wurden durchs Loos zwei der Jünger auserwählt, den Aufenthalt des Rabbi ausfindig zu machen. Diese gingen nun zuerst in den an der Wohnung anstoßenden kleinen Garten, und fanden da den Meister in einer Ecke zusammengekauert, ganz von Schnee bedeckt. Leise traten sie näher und berührten ihn sanft mit der Hand. Bei dieser Berührung sprang der Rabbi auf und rief im freudig überraschten Tone: „Nein, nein, der Rambam hat denn doch Recht!" Er war nämlich, in Gedanken versunken über eine im Maimonidischen Coder befindliche schwierige Stelle, in den Garten gegangen, hatte durch den seinen Geist in Anspruch nehmenden Gegenstand Wind, Kälte und rauhes Wetter vergessen, undsaß da von der sein Inneres durchdringenden Gluth, die Werke des großen Maimon richtig zu erfassen, reichlich erwärmt. So ganz seinem Berufe lebend, erwarb er sich allgemeine Hochachtung, und I. Emden selbst mußte eingestehen: „Jonathan ersetze nicht nur vollständig den Verlust des frühem Rabbiners, sondern erfülle noch mit größerer Pünktlichkeit und Genauigkeit alle seine Berufspflichten und sei besonders seine Wirksamkeit für Verbreitung der Gotteslehre sehr ersprießlich und heilbringend." Trotzdem hatte sich aber die eigentliche im Herzen getragene Gesinnung I. Emden's gegen Jonathan nicht im mindesten geändert, vielleicht schärfte sogar die mit jedem Tage mehr sich kundgebende Größe des Letztern den Neid des Erstem, welche Empfindung, eben weil sie von außen nach innen zurückgedrängt werden mußte, an intensiver Stärke noch zunehmen mochte. Die Ursache der Anfeindung war bald gefunden. Jonathan hatte in Altona, wie früher in Metz, Kameoth an Kranke ausgetheilt. Einer dieser verlor das Schutzblättchen. Ein schurkischer, feiger Söldling der Feinde Jonathan's benutzte diesen Umstand, schrieb auf einen Pergamenistreifen einige Schemoth und Wörter, denen leicht ein verdächtiger, auf „Sabbathai Zwy" deutender Sinn untergelegt werden konnte; sagte, „daß dieses das vom Rabbiner jenem Manne übergebene Amulet sei, Letzterer habe es ihm eigenhändig überliefert", und legte es Jacob Emden zur Beurtheilung vor. Dieser erklärte sogleich den Schreiber dieser Kamea als der sabbathianischen Häresie verfallen, machte auch kein Hehl daraus, daß er den Rabbiner für den Verfasser derselben halte, bemächtigte fich sogar des Schutzblättchens, um es als Beweismittel aufzubewahren. Die Jntrigue spielte weiter und verbreitete den bösen Leumund nach allen Seiten. Vergebens suchte Jonathan fich mit Emden zu vernehmen ] dieser warf bald die Larve ab und schuldigte den »Rabbiner offen an. (Schluß folgt.) Anzeigen. Zu Michaelis d. I. wird in hiesiger Gemeinde die Stelle eines Religionslehrers, verbunden mit den Functionen eines Schächters und Vorbeters, vacant, und soll sodann wieder besetzt werden. Der jährliche fire Gehalt ist 120 Thlr. Pr. Crt., freie Station und die Schächtergebühren. Die hierauf Reflectirenden wollen sich unter Einsendung ihrer Zeugnisse in frankirten Briefen wenden an den Unterzeichneten Vorsteher Jsaac Wolffenstein. Dömitz in Mecklenburg, im Zuni 1858.