Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-07-26 · Heft 31 (26.7.1858) · p. Seite 424

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 31 (26.7.1858)
Date
1858-07-26
Page
Seite 424 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3226093-3226125--17055-3245945
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

424 sie, nachdem sie zwei Tage im Gefängniß gesessen, eine Strafe zahlen müssen. Neapel. Neapel, im Mai. (Arch. isr. de Fr.) Die Subscriptionsliste für die Opfer des Erdbebens, das kürzlich das Königreich bei^r Sicilien verwüstet'hat, ist mit Namen von Israeliten bedeckt. Dies ist eine Erwiderung von hoher Beredsamkeit auf das Verfahren dieses Staates gegen uns. Kap der guten Hoffnung. Kap der guten Hoffnung, im Mai. Herr Julius Mosenlhal, englischer Bürger und österreichischer Consul in der Kapstadt, ist zum Mitglied der hohen Kammer der englischen Kapcolonie erwählt worden. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Rabbi Jonathan Cibenschüh. Eine biographische Skizze von R. Gutmann Klemperer. (Prag, Pascheles, 1858.) (Fortsetzung.) Jonathan wurde also nach den drei vereinigten Gemeinden Altona, Hamburg und WandSbeck berufen, und hielt Anfangs Tischri 5511 (Oktober 1750) seinen Einzug daselbst. Er wurde mit größtem Jubel empfangen, außerordentliche Ehrenbezeugungen wurden ihm zu Theil, unv Alles beeiferte sich, ihn mit den kostbarsten, werthvollstrn Geschenken zu überhäufen. Als er, umgeben von den Honoratioren der drei Gemeinden, über die Schwelle des zu Altona eigens für ihn herrlich ausgcstaiteten Hanfes schritt, brach er voll freudiger Entzückung in den begeisterten Ruf des Psalmisten aus: ,,Dieses sei mein Ruhesitz für immer, hier will ich verbleiben, da ich mich darnach gesehnt!" (Pf. 132, 14.). — Dieser heiß gefühlte Herzenswunsch sollte jedoch nicht in Erfüllung gehen, der Ruhesitz sich bald in einen Wehesttz verwandeln. Es entbrannte ein Kampf, wie ihn das Judenthum seit vielen Jahrhunderten nicht gesehen, der von Konstantinopel bis Amsterdam, von Metz bis in das Innerste Polens mit einer Bitterkeit und Zähigkeit ohne Gleichen gefochten ward, mit Hunderten der gräßlichsten Bannflüche, die sich die Gegner einander zuschleuderten, und große Gemeinden in den Zustand äußerster Erregtheit und Spaltung brachte. Und was war der Gegenstand dieses Kampfes? War es ein Kampf um Principien, um tiefeingreifende Dogmen, um bedeutsame Gesetze und deren Auslegung? Galt es eine große Umgestaltung, eine Krise, eine neue Lebensrichtung, irgend einen neuen entschiedenen Gang? Nichts von allem Dem. Es war nichts als ein Kampf der Persönlichkeiten, eine aus niedrigen Leidenschaften hervvrgegangene Jntrigue. Es ist daher diesem Streite auch nicht der geringste Gewinn für Wissenschaft oder Leben entflossen. Es war ein Schandfleck jener Zeit, und durch Nichts hat das alte Judenthum seine bereits damals hervortretende Unfähigkeit, noch etwas Lebenskräftiges produciren zu können, mehr erwiesen, als durch diesen Streit. Alle Theilnehmer desselben zeigten sich in demselben finstern Aberglauben versunken, alle rabbinischen Celebritäten der Zeit an dem Amuletenkram hangend. Auch Jonathan trieb diesen, und nun trat nicht etwa Jemand auf, ihn Deshalb des Aberglaubens und der Gotteslästerung zu zeihen, die ganze Wunverthäterei und praktische Kabbala als offenbar dem Gesetz und den Propheten zuwiderlausend zu erklären — sondern nur daß Jonathan in seinen Amuleten den Namen des Pseudomessias Sabbathai Zewi anbringe, also ein Anhänger dieser Secte, also selbst ein Ketzer sei. Auch im Judenthume find oft genug die beiden Gegensätze offen hervorgetreten, deren einer die Religion in der einfachen Uebung der Werkheiligkeit, in der getreuen Hebung der religiösen Satzung findet, der andere vielmehr in der Erkenntniß, in der tieferen Auffassung der Lehre, in der Erforschung des Ueberfinnlichen besteht. Im Judentbume hat sich aber oft die Vereinigung beider Gegensätze in denselben Geistern gezeigt, ohne daß sich diese Vereinigung als eine wahrhafte Verschmelzung, als eine gründlich vermittelte bezeichnen läßt. So sehen wir dies in Maimonides, so in Mendelssohn. Auch im Mittelalter hatten jene beiden Gegensätze sich ihre Erscheinung geschaffen. Die Kabbala steht der Halacha gegenüber, und in der Tiefe jener ist die Verneinung dieser enthalten. Der Sabbathaismus verläugnete die Halacha gänzlich, und der Chassidismus unserer Zeit steht dem Rabbinismus feindlich gegenüber. Demungeachtet gab

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.