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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-07-26 · Heft 31 (26.7.1858) · p. Seite 423

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 31 (26.7.1858)
Date
1858-07-26
Page
Seite 423 (sequence 9)
Language
German
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483 geben: Ein algierscher Israelit, durch die französische Behörde zu Gefängniß verurtheilt, wurde auf Befehl des Consuls den Händen deS Douletli, Civilgouverneurs der Stadt, überliefert, um seine Strafe in dem allgemeinen Gefängniß abzubüßen. Während der Nacht beklagten sich die Wächter beim Douletli, daß der Algiere Dinge wider die Ordnung vornehme, und dieser Richter befahl, daß man ihm ein Hundert Knutenhiebe zukommen lassen solle. Diese Strafe wurde ihm unverzüglich, ungeachtet seines Schreiens und seiner Protestationen wegen seiner Eigenschaft als französischer Schützling, zuerthcilt; und da die Erecuioren mit ganzem Herzen darangingen, indem sie daS doppelt verdienstliche Werk verrichteten, gegen einen Hund von Juden und einen 8adiut> (europäischen Schützling) zu verfahren, wurde der Unglückliche bis zu dem beklagenSwerthesten Zustand gebracht. Herr Rousseau schickte am andern Morgen, so wie er das unglückliche Ereigniß vernahm, einen Consulats- Kawaß zu dem Douletli, mit dem Aufträge, diesem Gouverneur die heftigsten Vorwürfe zu machen hinsichtlich eines Mißbrauchs der Macht gegen ein Individuum, daS nicht seiner Gerichtspstege angehöre, und das ihm einfach von dem Agenten deS französischen Consulats anvertraut worden war. Der Douleili begann sich zu entschuldigen, die Eigenschaft eines Algierers bei dem Gefangenen übersehen zu haben; dann wieder gestand er zu, daß er einem Gefühle der bösen Laune nachgegeben habe, daß aber übrigens, was geschehen sei, sei geschehen. Nach einer solchen nichtssagenden Antwort beeilte sich Herr Rousseau, dem Bey eine sehr energische Note zu übersenden, in der er eine eclatante Genugthuung verlangte, so wie eine Entschädigung für den armen algierschen Israeliten. Nach Empfang dieser Note beeilte sich der Bey, Herrn Rousseau rufen zu lassen, und bezeugte in dieser persönlichen Zusammenkunft den Kummer und die Entrüstung, die ihm das Verfahren deS Douletli verursachte. Er erklärte, daß er die unvermeidliche Verzögerung in der Veröffentlichung der Gesetzesvorschriften, die man im Begriff zu redigiren sei, sehr beklage; daß, sobald diese Gesetze in Ausführung gebracht seien, die Schuldigen nicht mehr den Launen der Beamten, die gegenwärtig beauftragt seien, die Gerechtigkeit zu üben, ausgesetzt sein würden; daß, um ein strenges Erempel zu statuiren, das den übrigen Regierungsbeamtcn als Lehre dienen könne, er sogleich den Douletli nöthigen würde, obwohl er nach ihm der erste Beamte des Staates sei, sich in großer Uniform zum französischen Generalconsulat zu begeben, um seine Entschuldigungen und sein Bedauern über die geschehene Thatsache auszusprechen. Es wurde außerdem noch bestimmt, daß eine pecuniäre Entschädigung dem algierschen Israeliten, als dem Opfer der Willkürlichen Behandlung des Douletli, gezahlt werden solle. In der That sah man am folgenden Morgen inmitten eines enormen Zusammenlaufs von Zuschauern aus allen Classen, welche die Zugänge des französischen ConsulatgebäudeS verstopften, den Dey oder Douletli in großer Uniform erscheinen, dieses Phantom des alten lunisischen Odjaks, diese Jncarnation der alten retrograden Partei, diesen ersten Würdenträger der Regierung, dem, wenn er an gewissen Tagen die Schwelle des Palastes der Beys beschreilct, die Ehrensalven der Artillerie gespendet werden, herankommen, um vor dem Repräsentanten einer europäischen Macht seine Entschuldigung vorzubcingen. Donaufürstenthümer. Bucharest, im Juni. Den Arch. isr. de Fr. schreibt man: Die Emancipation der Juden in den Donaufürstenthümern ist keine gesetzlich vollzogene Thatsache, und Niemand weiß, was er von der neuen Verfassung zu erwarten habe. Sie wollten unter der Autorität des Sultans bleiben, der es mit dem Act der Emancipation am ernstesten zu nehmen scheint. Mehrere Israeliten bekleiden wichtige Stellen in der Armee, im Civil und in den neuen Schulen deS Gouvernements. — Die reformirte Gemeinde zu Bucharest hat in den Gottesdienst Dankgebele und Gesänge für die Regierung in der Landessprache vor und nach der Predigt eingeführt. Wir werden hier, schreibt man auS Bucharest, von den englischen und amerikanischen Missionären sehr behelligt, die ihre heilige Industrie mit einer Unverschämtheit sondergleichen auSüben, obgleich sie sich keines großen Erfolges rülttncn können. Sie werfen ihre Bücher in die Häuser der Juden, die sie verbrennen, ohne sie zu lese». Einer der englischen Missionäre hat letztens einen Streit mit einem jungen Israeliten gehabt. ES wurden Schläge auSgethcilt und empfangen von einer und der anderen Seite. Alle Beide arrelirt, haben 3t

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