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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-07-26 · Heft 31 (26.7.1858) · p. Seite 422

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 31 (26.7.1858)
Date
1858-07-26
Page
Seite 422 (sequence 8)
Language
German
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9 422 von jener Prärogative Gebrauch zu machen, die sie ohne Zweifel unabhängig von dem Entscheide der beiden andern Zweige der Legislatur besitze (also möglicher Weise ihr Veto einzulegen, waS freilich schon sehr lange nicht vorgekommen ist), oder man ihr zumuthen werde, der Bill, vielleicht im Widerspruche mit ihrem Gewissen, ihre Zustimmung zu geben. Auch lenkte er die Aufmerksamkeit auf den Umstand, daß, wenn die Bill durchgehe, die Katholiken sich in einer ungünstigeren Lage befinden würden, als die Juden, da jene, ehe sie ihren Platz im Parlamente einnähmen, noch immer gehalten sein würden, das Versprechen zu leisten, daß sie von ihren Privilegien als Parlamentsmitglieder nicht zu dem Zwecke, die Staatskirche zu stürzen, Gebrauch machen wollen, während der Jude, ungebunden durch eine solche Erklärung, daS Parlament betreten könne. In ähnlichem Sinne, mit Bezug auf die Stellung der Katholiken den Juden gegenüber, spricht sich der Herzog von Marlborough aus. Der Earl von Derby hat keinen Grund zu der Annahme, daß, wenn die Bill in beiden Häusern durchgehe, die Königin von ihrer Prärogative Gebrauch machen werde, um zu verhindern, daß sie Gesetzeskraft erlange. Daß einige Amendements wünschenswerth seien, räumt er ein. Lord Lyndhurst glaubt, wenn die Amendements gedruckt seien, so werde die Bill Lord Lucan's seiner eigenen sehr ähnlich sehen. Letztere werde er auf unbestimmte Zeit vertagen. Das Haus constituirt sich hierauf pro forma als Comite; die Amendements werden eingebracht und der Druck derselben wird verfügt. —. Die Journale haben, indem sie berichten, daß Herr Arthur Cohen, ein Israelit, zu Cambridge graduirt worden ist, sich darin gefallen, diese Thatsache als etwas Außerordentliches auf der Bahn des Fortschrittes zu bezeichnen. Es ist sonderbar genug, daß ein Act, der 1858 mit solchem Pomp ausposaunt wird, vor zwei Jahrhunderten kaum die geringste Sensation erregt hat. Während deS Aufenthaltes von Menasseh-den-Israel in England unter dem Protektorat Cromwell's vertheidigte Manuel, sein würdiger Sohn, öffentliche Thesen in der Universität zu Orford mit großer Auszeichnung, und die gelehrte Gesellschaft bewilligte ihm den Grad Dr. med. In mehr als einer Hinsicht ist das neunzehnte Jahrhundert nicht im Fortschritt gegen das siebzehnte. Dänemark. Randers, 27. Juni. (Privatmitth.) Seitdem durch das Wirken des Herrn Süßkind, der 15 Jahre hier als Lehrer fungirte, und vor 10 Jahren als Oberlehrer nach Kopenhagen berufen ward, der religiöse Boden hier fruchtbar gemacht worden, ist endlich der Gedanke, ein neues Gotteshaus zu bauen, verwirklicht worden. Mit der größten Bereitwilligkeit erhielten wir von unsrer Staatsbehörde einen Platz angewiesen zur Erbauung unseres Tempels; eS war der einzige Platz in der Mitte der Stadt, welcher uns gegeben werden konnte. Eines der Mitglieder unsrer Gemeinde, Baumeister Rat Hansen, übernahm die Ausführung des Gebäudes, und nun stehet daS schöne neue Gotteshaus, sowohl im Innern wie im Aeußern geschmückt, da. Freitag, den 25. dieses war ein vollkommener Feiertag für uns, ja für die ganze Stabt, wir feierten die Einweihung unseres Tempels; die ganze Gemeinde, die Stadtbehörden, hohe Militair- und Civilbcamte wohnten der Feier bei, das Haus war gefüllt. Herr Dr. A. A. Wolfs von Kopenhagen hielt mit großer Feierlichkeit die Einweihung, und unmöglich bleibt es, zu beschreiben, welchen Eindruck es auf sämmtliche Gegenwärtige machte, als sich die Thüren öffneten und der hochbegabte Geistliche eintrat, umgeben von den Vorstehern, und mit lauter Stimme auf dänisch bla tob» recitirte, als die Thoras in den Hechal gestellt wurden, als von dem Hechal Schma Israel ertönte, als endlich vr. Wolff aus die Kanzel trat und die Bedeutung des Tages entwickelte, als die dänischen Chorgesänge mit Musikbegleitung erschollen, da fühlte ein Jeder: auch ich bin Israelit! Tunis. Tunis. Man schreibt dem „Semaphore" von Marseille vom 3V. Juni: Ein betrübender Vorfall, der während einiger Tage die europäische Bevölkerung in Aufregung gesetzt, erhält so eben den befriedigendsten Abschluß durch die von Herrn Rousseau, Geranten des französischen General-Consulats, bewiesene Festigkeit, so wie die guten Gesinnungen, welche der Bey dargelegl, indem er dem Repräsentanten Frankreichs die gerechte Genugthuung, die dieser verlangte, zukommen ließ. Folgendes hat sich be-

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