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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-07-26 · Heft 31 (26.7.1858) · p. Seite 421

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 31 (26.7.1858)
Date
1858-07-26
Page
Seite 421 (sequence 7)
Language
German
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421 Jude seinen Platz im Parlamente einnehmen will und auf die an ihn ergangene Aufforderung hin, den vorgeschriebenen Eid zu leisten, sich weigert, die Worte „auf den wahren Christenglauben" zu sprechen, so soll es dem Parlamente freistehen, ihm auf dem Wege einer Resolution zu gestatten, daß er den Eid mit Weglassung dieser Worte leistet. Lord Derby meint, dieser Vorschlag sei die einzige praktische Art und Weise, dem Kampfe zwischen Ober- und Unterhaus, welcher nicht länger mehr fortgesetzt werden könne, ein Ende zu machen. Die Bill wahre sowohl die Würde des Hauses der Lords, wie auch das Princip, welches dasselbe stets in dieser Frage verfochten habe. Lord Lyndhurst sagt, er habe allen Grund zu der Annahme gehabt, daß Lord Derby seine Bill unterstützen werde, und bedaure, daß er sich in dieser Erwartung getäuscht habe. Gegen das Princip von Lord Lucan's Vorlage habe er nichts einzuwenden, und wenn nur der Zweck, um dem eS ihm zu thun sei, erreicht werde, so gelte cS ihm gleich, durch welche Bill dies geschehe. Doch leibe Lord Lucan's Gesetzentwurf an einem Detail-Mangel. Er behandle nämlich nur einen Theil der Frage, die Zulassung der Juden. Mit dem Abjurationseide (dem die Abkömmlinge des Prätendenten betreffende» Theile der Eidesformel) befasse er sich nicht. Diesem Uebelstande könne freilich im Comite noch abgeholfen werden. Doch dann falle so ziemlich aller Unterschied zwischen Lord Lucan's und seiner eigenen Bill fort. Damit jedoch das Hauptziel erreicht werde, wolle er seine Bill vertagen, auf daß die Lord Lucan's, welche auf Unterstützung des HaupteS der Regierung rechnen könne, durchgehe. Der Earl von Luc an beantragt hierauf die zweite Lesung seiner Bill, welche er als daS beste Compromiß in einer Angelegenheit darstellt, die beide Häuser des Parlaments seit 25 Jahren entzweit habe. Der Earl von Clancarty bekämpft den Antrag, weil die Bill eben jenes Princip verkörpere, welches das Haus förmlich verworfen habe. Er beantragt, daß die zweite Lesung bis über 6 Monate verschoben werde. Lord Berners bezeichnet die Bill als gefährlich für die PeerS sowohl, wie für die Monarchie. Earl G ranvile unterstützt die Bill, jedoch nicht mit ungemischter Befriedigung. Er hält das vorgeschlagene Verfahren weder für das beste zur Erledigung der obschwebenden Streitfrage, noch auch für das einzige mit der Würde des Hauses verträgliche. Lord RedeSdale hat vom constitntionellen Gesichtspunkte aus Einwendungen gegen die Bill erhoben. Die Bill, meinte er, werde es dem Obcrhause möglich machen, später einmal einen Juden durch eine bloße Resolution ohne die zum Durchgehen einer Bill erforderliche Discussion plötzlich unter die Peers aufzunehmen. Lord Bro ugham hält diesen Einwand für nicht stichhaltig. Die Resolution, bemerkt er, brauche sich nicht auf ein bestimmtes einzelnes Individuum zu beziehen, sondern könne allgemein gehalten sein. Der Umstand, daß schon jetzt ein Jude im Comite Sitz und Stimme habe rmd neun Zehntel der Pflichten eines Parlamentsmitgliedes ausüben könne, habe die Sachlage seit der Zeit, wo die Sache ursprünglich vor die Lords gebracht worden sei, wesentlich geändert. Der Bischof von Orford erklärt, er werde die Zulassung der Juden zum Parlament auch diesmal wieder bekämpfen, und zwar aus denselben Gründen, aus welchen er sie stets bekämpft habe. Er warnt das Haus davor, aus bloßen Zweckmäßigkeitsrücksichten etwas auszugeben, was eS bisher als eine religiöse Pflicht betrachtet habe. Lord Dungannon und der Earl von Cardigan sprechen ihr Bedauern darüber aus, daß sie in dieser Frage nicht aus Seiten der Negierung stehen können. Die Abstimmung crgiebt folgendes Resultat: Für Lord Lucan's Antrag 143 Stimmen (19 Anwesende, 64 durch Stellvertretung), gegen den Antrag 97 (64 Anwesende und 33 durch Stellvertretung). Majorität für die zweite Lesung 46. Die Besprechung der Gründe für das Festhallen an den Amendements zu der ursprünglichen Bill wird auf den nächsten Dienstag anberaumt. London, 6. Juli. Oberhaus. Sitzung vom 5. Juli. Auf der Tagesordnung steht die Comitcberathung über Lord Lucan's Eides- (Juden-) Bill. Der Earl von Clancarty meint, es sei nicht rathsam, eine Maßregel durchgehen zu lassen, die, wenn man sie auch so dargestellt habe, als sei sie geeignet, den zwischen den beiden Häusern des Parlaments bestehenden Zwiespalt zu schlichten, doch vielleicht in Widerspruch mit den Ueberzeugungen stehe, welche die Königin in ihrem Gewissen hege. Ihre Majestät, als Haupt der Staatskirche, bilde einen wesentlich christlichen Bestandtheil der Legislatur. Deshalb wünsche er zu erfahren, ob die Regierung gesonnen sei, der Souverainin den Rath zu ertheilen,

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