Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 31 (26.7.1858)
- Date
- 1858-07-26
- Page
- Seite 420 (sequence 6)
- Language
- German
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420 schwer, irnfte Gegner nicht der absichtlichsten Herzenshä'rtigkeü zu beschuldigen, welche sie noch dazu so gern uns in die Schuhe schieben. Allein da halten sie sich gern an einzelne Phrasen, die Lei Moses und den Propheten Vorkommen, und welche die, die Sünder treffende Strafe in scharfen, sogar schroffen Worten ausdrücken. Allein es ist doch wohl ein ganz Anderes um die eigentlichen, concret hingestellten und systematisch durchgeführten Lehren, die sich als die wirklichen Lehrsätze kund geben und welche alle Institutionen durchdringen, als um einige rhetorische Floskeln in einem das Leben schildernden Buche, in Momenten, wo der entflammte Redner das entartete, abtrünnige Volk in Schrecken setzen will, ein Volk, welches noch zu kindlich roh und ungebildet, um abstrakte Lehren verstehen zu können, sondern das festgepackt sein wollte, um der Führung zum Rechten und Guten sich hinzugeben. Möge man daher endlich diese, immer noch so geläufige, aber eben so oberflächliche wie trügerische Bezüchtigung fahren lassen und sie zu dem Altenweibergeschwätz werfen, zu dem sie gehört. Allerdings lehrt das Judenthum auch die Vergeltung des Bösen durch Gott, und daß die sittliche Welt durch die göttliche Vergeltung immerfort zur höheren Ausgleichung geführt wird. Darin liegt aber eben die Nichteinseitigkeit der jüdischen Lehre und daß diese das Verhältniß Gottes zum Menschen als ein vollkommenes aufzufassen versteht. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Worms, im Juni. (Privatmitth.) Der Pariser Korrespondent schreibt der „Postzeitung": Man berichtet aus Teheran (Persien) unter dem 20. Mai, daß der junge Erbprinz schwer erkrankt gewesen sei, und sein Aufkommen nur einem europäischen Arzte, dem Herrn Dr. Polak zu danken habe. — Die bestimmten Quartalhefte des Lemberger hebräischen und deutschen Jeschuruns werden vor dem Neujahr 56 l 9 auf ein Mal ausgegebcn werden. — In Bühl wurde am 25. Juni die neu restaurirte Synagoge eingeweiht; Herr Oberrath Masselbach spendete zu diesem frommen Werke 400 Fl.; Rabbiner Schott hielt eine mit vielem Beifall aufgenommene Predigt und der dortige Gesangverein, dem von den Israeliten nur ein Mitglied angehört, wirkte dabei in anerkennenswerther Weife mit. Bei dem Gottesdienst wird zur Instrumentalbegleitung eine Physharmonika benutzt; die Liturgie ist dort längst geregelt und zeitgemäß eingerichtet. — In dem Aprilheft der Klein'schen Schul- und Jugendbibliothek giebt Schott einen lesenswerthen Nekrolog über Dr. Hochstädter s. A>, ehemaligen Mitgliedes des Oberraths in Karlsruhe. — Für die Mitglieder des Literaturvereins wird die Mittheilung sicherlich von lebhaftem Interesse sein, daß der würdige Nestor der jüdischen Geschichte, unser allverehrter Dr. I o st, mit dem 3. Bande seiner Geschichte des Judenthums und seiner Sccten „seinen Schwanengesang beendigen" will; wir unsererseits wollen hoffen und wünschen, daß der jugendliche Geist dieses würdigen Greises, durch Gotleö Gnade gekräfligt, noch lange seine Riesenkraft dem Ruhme und Gedeihen der jüdischen Wissenschaft leihen und durch seine Forschungen noch ferner uns erfreuen werde! Hannover, 28. Juni. Heute trug man das älteste Mitglied der jüdischen Gemeinde, den seit Jahren erblindeten Herz zu Grabe. Derselbe erreichte ein Alter von 103 Jahren. Zwei Momente aus dem Leben des Verstorbenen verdienen der Vergessenheit entrissen zu werden. Zur Zeit der Occupation wurde Herz von den Franzosen als Spion ergriffen und ohne weitere Umstände aufgeknüpft. Die Franzosen setzten nach vollzogener Erecution ihre Marschroute fort. Ein Freund schnitt augenblicklich den Strick ab, entdeckte noch Leben in dem Erhängten, und ruhte nicht eher, bis er ihn gerettet sah. Das andere Ereigniß ist nicht minder merkwürdig. Herz bekam vor etwa!0 Jahren nach fast fünfjähriger Erblindung an dem jüdischen Versöhnungstage plötzlich das Augenlicht wieder. Nach Verlauf von 24 Stunden trat die Erblindung eben so plötzlich wieder ein, die ihn seit jenem Tage nicht wieder verließ. Großbritannien. London, 3. Juli. Oberhaus. Sitzung vom l. Juli. Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung von Lyndhurst's Eidesbill. Der Earl von Derby bemerkt, er ziehe die denselben Gegenstand betreffende, von Lord Lucan eingebrachte Bill vor. Letztere läuft der Hauptsache nach auf Folgendes hinaus: Wenn ein zum Parlamentsmitgliede gewählter