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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-07-26 · Heft 31 (26.7.1858) · p. Seite 419

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 31 (26.7.1858)
Date
1858-07-26
Page
Seite 419 (sequence 5)
Language
German
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#19 Skizzen über Atheismus, Pantheismus, Deismus, Theismus und Dogmatismus. II. Herr Parker hat es sich leicht gemacht, indem er seine Polemik nur gegen die beiden äußersten Ertreme, den Atheismus und den Kirchenglauben, welchen letzteren er Dogmatismus nennt, richtet, was allerdings viel leichter ist, als dem Pantheismus und Deismus zu Leibe zu rücken, um so mehr, als sein Theismus doch nur ein Gemisch von Pantheismus und Deismus ist, so daß er seine eigenen besten Argumente hätte hingeben müssen, wenn er jene härte bekämpfen wollen. Allerdings nennt er den Kirchenglauben mit nicht vollem Rechte Dogmatismus. Dieser Name gebührt eigentlich jeder Lehre, welche positive Satze aufstellt, weshalb die alten Skeptiker alle philosophischen Schulen außer der ihrigen so benannten. Sie sahen nicht, daß sie selbst doch auch Dogmen aufstellten; denn indem sie dem menschlichen Geiste die Erkenntnißfähigkeit absprachen und die Wahrnehmungen der Sinne für Trug erklärten, hatten sie hiermit erst zu erweisende Lehrsätze aufgestellt. Consequenter Weise mußten sie diese ihre eigenen Lehrsätze und ihre Beweisführung bezweifeln, und wenn sie den Satz aussprachen: „es ist Nichts wahr", so durste auch dieser Satz ihnen nicht als wahr gelten. Der Geist der Verneinung endet stets mit der Selbstvernichtung und der konsequente Skepticismus kann nur in dem Aufhören alles Wahrnehmens und Denkens seinen Schluß finden. Doch kehren wir zu Parker zurück. Er will den Namen Dogmatismus auf die Lehre anwenden, welche eine vernunftgemäße Begründung und Beweisführung ihrer Sätze nicht gestatten will, deren Dogmen als Mysterien dem unbedingten Glauben übergeben werden, auf den Kirchenglauden. Man ersieht hieraus schon, daß die Polemik Parker's nicht gegen das Judenthum, sondern allein gegen das Christenthum gerichtet sein kann. Denn wenn auch das Judenthum seine bestimmten Dogmen wie jede positive Religion und jede Philosophie hat, so gestattet es nicht nur, sondern verlangt auch eine vernunftgemäße Erkenntniß derselben; ja die heilige Schrift, indem sie Gott als den allweisen und allgütigen Schöpfer aller Dinge lehrt, fordert uns oft genug auf, diese Wesen zu „befragen", zu diesen Himmelskörpern aufzuschauen: „wer erkennet nicht an allen diesen, daß des Ewigen Hand sie geschaffen?" Mögen die Philosophen immerhin behaupten, daß es dem Menschen nicht möglich sei, eine vollkommene Beweisführung für diese Lehren zu Stande zu bringen, so geben sie doch Alle zu, daß diese Lehren der Vernunft nicht widersprechen, daß wir also eine vernünftige Begründung nicht abzuwehren und den unbedingten Glauben nicht zu Hülfe zu rufen haben. Die Lehre des Judenthums ist der aus der Offenbarung geflossene und durch die Geschichte getragene Deismus und hat demnach mit dem von Parker bekämpften Dogmatismus oder Kircheuglauben nichts zu thun. Wir heben dies um so mehr hervor, als die Redaction der Augsb. Allg. Ztg. einen Theil der Parker'schen Polemik von der christlichen Kirchcnlehre ab- und auf die Schultern des Juvenrhums wälzen will. Parker will nämlich durch die Dogmen der christlichen Kirche hindurch, wir durch die Erbsünde, die Mittlerschaft u. s. w. hindurch den Gott der Kirche als einen begrenzten, nicht unendlichen, als einen grausamen Gott Nachweisen. Die Augsb. Allg. Ztg. bemerkt hierzu, daß Parker den Gott des alten Testaments mit dem des neuen confundire. Es ist dies die alte Illusion, die so oft widerlegt, doch immer wieder vorgetragen wird, weil — sie eben so bequem ist. Aber sie ist unwahr durch und durch. Der Gott, der Israel als das höchste Gebot: „Liebe den Ewigen Deinen Gott von Deinem ganzen Herzen und von Deiner ganzen Seele und von Deinem ganzen Vermögen" auferlegte, wie sollte der ein grausamer, ein zorniger Gott sein? welcher Grausame kann und will geliebt sein? 'Eine Religion, die unter ihren Bekenntnißformeln als eine der ersten obenan stellt: „Der Ewige, der Ewige, gnädig und barmherzig, voll unendlicher Wahrheit und Liebe, der Missethat, Sünde und Schuld vergiebt u. s. w.", lehrt diese einen grausamen und begrenzten Gott? Eine Religion, welche auf der ersten Seite ihrer heiligen Schrift die Vollkommenheit der von Gott geschaffenen Welt ausspricht, muß doch wohl einen vollkommenen Gott lehren, welche die Eristenz des Bösen in der Welt Gottes vom objectiven Standpunkt aus läugnet, kann doch wohl in Gott selbst nichts Böses und Leidenschaftliches zugeben; eine Religion, welche die Versöhnung Gottes allein von der Rene des Menschen abhängig macht, welche jedem Sünder durch reuige Umkehr die Tilgung seiner Schuldhaftigkeit verheißt, welche allen Menschen durch einen gerechten Lebenswandel ihren „Antheil am ewigen Leben" zuspricht, und nicht Milliarden Menschenseelen von der Seligkeit ausschließt, weil sie gewisse Dogmen nicht annehmen, die sie entweder gar nicht kennen, oder sich von ihnen nicht überzeugen können — diese Religion sollte einen grausamen Gott lehren?... Fürwahr, es ist bei Erwägung alles Dessen oft sehr

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