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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-07-19 · Heft 30 (19.7.1858) · p. Seite 411

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 30 (19.7.1858)
Date
1858-07-19
Page
Seite 411 (sequence 7)
Language
German
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411 werden kann. Darum, weil man mit der gesetzlichen Gleichberechtigung, wenn sie eine Wahrheit geworden, doch noch nicht allen Racenkampf in der Türkei zum Schweigen gebracht haben wird, ist auch im Entferntesten noch nicht erwiesen, daß nicht dennoch jene als die nothwendigste und unentbehrlichste Vorbereitung für eine beffere Zukunft vor Allem erstrebt werden müsse. Und so wird die Augsb. Allg. Zig. ihr vornehmes, aber sehr wohlfeiles Hohnlächeln über die großen französischen Blätter und ihren Humanismus Loch für sich selbst aufheben müssen. Denn jedenfalls würde die Erkämpfung von Vorrechten für die einzelnen christlichen Racen nur daS Signal zu einem noch bitterern, nur mit der Vernichtung endenden Parteikampfe sein. Abhandlungen verschiedenen Inhalts. Nabbi Jonathan Eibenschütz. Eine biographische Skizze von R. ÄuLmann Klernperer. (Prag, Pascheles, 1858.) (Fortsetzung.) Der Ruhm Jonathans stieg immer höher und höher, er halte eine ausgebreitete Correspondenz, indem von den gelehrtesten Notabilüäten Briefe über die verschiedenartigsten, die rabbinische Literatur im weitesten Sinne betreffenden Kategorien an ihn ergingen. Er wußte überall Bescheid und erfreute sich als gefeierte Autoritär allseitiger Anerkennung. Nutt befaßte er sich aber auch mit der Geheimlehre, vertheilte kabbalistische Amulete, und gerieth deshalb in Verdacht, ein geheimer Anhänger des Sabbathianismus zu sein. Eine polnische Synode soll ihn sogar mit dem Banne bedroht haben, da man aber das Nichtige dieses Argwohns bald eingesehen haben mochte, blieb er unangefochten, und nachher wie vordem genoß sein Name die größte Hochachtung. Anno 1725 wurde zu Prag ein Bannstrahl gegen die Sabbathianer geschleudert, und die hierüber abgefaßte Proclamation wurde beim Beginne des großen Versöhnungsfestes vor Anfang des Kol-Nidre in allen Synagogen öffentlich verlesen. Der damalige Prager Oberrabbiner „Da vid Oppenheim" befand sich um diese Zeit wahrscheinlich in Wien, daher er gedachte Proklamation nicht unterzeichnen konnte', und an seiner Stelle obenan finden wir den Namen Jonathansdieser war also damals bereits Präses des Rabbinatscollegiums zu Prag. Nach dem Tode Oppenheims, im Jahre 1736, wählten ihn die Rabbinatsassefforen einstimmig zu ihrem Oberhaupte, weil sie ihn Alle liebten und hochachteten, und er vertrat die Stelle des Oberrabbiners. Man setzte in seine unparteiische Redlichkeit das größte Zutrauen, welches er auch vollkommen verdiente, wie folgende Begebenheit beweist. Als Michael Spira starb, hatte er vor seinem Tode sein ganzes Vermögen an seinen Sohn Jsac, den Schwiegervater Jonathan's, abgegeben, und ihn rechtskräftig als Eigenthümer desselben eingesetzt. Nun trat aber nachher ein Gläubiger mit einem von Michael unterschriebenen Wechsel auf und verlangte Bezahlung. Jsac, in der festen Ueberzeügung, daß der Wechsel falsch sei, weigerte die Zahlung, und da er das Falsum nicht erweisen konnte, nahm er zu einer Advocatenlist seine Zuflucht; er berief sich nämlich auf eine im rabbinischen Corpus juris zwar erwähnte, aber nicht recipirte Meinung, daß er diese Schuld nicht zu zahlen brauche. Der Wechselinhaber führte Klage beim Rabbinatscollegium. Obwohl nun Jonathan, als Schwiegersohn des Geklagten, nicht mit zu Gerichte sitzen durfte, besprachen sich die Rabbiner denn doch m i t i h m und holten seine Mei nun g ein, weil sie seine strenge Gewissenhaftigkeit kannten. Jonathan, rechtsliebend und wahrhaft, sprach sich offen gegen seinen Schwiegervater aus, und dieser wurde zur pünktlichen Zahlung verhalten. Nach dem Tode Kaiser Karl's VI. brach, trotz der von diesem Monarchen zu Stande gebrachten pragmatischen Sanction, der Successionskrieg mit aller Heftigkeit aus und suchte gleich im Beginne das Böhmerland mit all seinem Schrecken furchtbar heim. Um diese Zeit erhielt Jonathan einen Ruf von der Judengemeinde zu Metz, den in ihrer Mitte erledigten Rabbinatssitz einzunehmen. — Die schweren Gewitterwolken , die in Folge der Kriegsereignisse über Böhmen und dessen Hauptstadt sich zusammenzogen, bestimmten ihn, diesem Rufe zu folgen. Die Metzer Iudenschaft hatte, um ihren gefeierten Rabbiner bei seiner Hinreise allen in Kriegszeiten nicht ungewöhnlichen Gefahren zu entziehen, für ihn beim französischen Heerführer freies Geleite erwirkt. Um ihn abzuholen, kam auch eine von der jüdischen Gemeinde zu Metz abgesandte Deputation nach Prag, deren Mitglieder

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