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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-07-19 · Heft 30 (19.7.1858) · p. Seite 408

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 30 (19.7.1858)
Date
1858-07-19
Page
Seite 408 (sequence 4)
Language
German
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408 war, daß der hochwürdige Pfarrer am Tcyn im Namen mehrerer anderer hiesiger Stadtpfarrer dem fürsterzbischöflichen Consistorium die Anzeige erstattete, daß von in den verschiedenen Pfarrbezirken wohnhaften Israeliten die laxa stolae nicht entrichtet werde, und an dasselbe das Ansuchen gestellt, auf geeignete Weise die Fortdauer dieser Gebührenentrichtung zu veranlassen. DaS hochwürdige Consistorium wandte sich an die hohe k. k. Skatthalterei, um von derselben eine maßgebende Entscheidung in dieser Angelegenheit zu erhalten. Die hiesige israelitische Cultusgemeinde- Repräsentanz hat auf bezügliche Aufforderung eine Eingabe, welche daS Unbegründete der Forderung, die nicht einmal die Uebung für sich hat, klar darthut, an den Magistrat gerichtet und auf die Nothwendigkeit der analogen Anwendung des Ministerialerlasses vom 30. Januar 1849, welcher die akatholischen Bewohner Prags von der Zahlung der tax» stolao an die bezüglichen katholischen Pfarrer befreit, hingewiesen, da bis zu diesem Zeitpunkte gemäß einer Verordnung vom Jahre 1811 die ausnahmsweise auf Grundlage besonderer Erlaubniß außerhalb der Judenstadt wohnenden Israeliten rücksichtlich der Zahlung der in Rede stehenden Gebühr ebenfalls den Akatholiken gleichgestellt waren. Die Entscheidung der hohen k. k. Statthalterei ist nun vor Kurzem herabgelangt und lautet, daß die in der Christenstadt Prags wohnenden Israeliten zur Entrichtung der Stolatare an die katholischen Pfarrer nur in dem Falle und nur in so weit verpflichtet sind, wenn und in wie weit diese Verpflichtung als eine Reallast auf einzelnen von Juden erkauften Christenhäusern haftet.*) Aus Galizien, im April. (Privatmitth. Verspätet.) Mehr alsj ein Jahr ist verflossen, seitdem ich Ihnen vom Zustande, Streben und Wirken der galizischen Judenheit nicht Bericht erstattet habe. Hat sich Hierlands der sociale, religiöse und intellectuelle Zustand, mit Ausnahme einiger größerer Städte, gehoben? Ist das galizische Judenthum aus seiner hundertjährigen Lethargie zu einem bessern Streben, den Anforderungen der Zeit entsprechend, erwacht? Leider muß ich Ihnen mit einem entschiedenen Nein! *) Die Tragweite dieser Entscheidung läßt sich vor der Hand nicht bestimmen, sie dürste aber nicht ohne Einfluß auch für die übrigen Provinzen Oesterreichs bleiben. antworten. Seit dem Jahre 1848, wo der Chassidismus, dieser Krebsschaden der galizischen Judcnheit, der Controlle der löblichen Behörden immer mehr entrückt, und die prohibitiven und repressiven Maßregeln gegen ihr schädliches Treiben nicht mehr gehandhabt werden, sind die Gemeinden mehr autonom geworden, und herrscht in ihrem Gemeindewesen die gcmüthlichste Anarchie. Die Rebbis treiben ihre mystischen Gaukeleien auf die schamloseste Weise, hüllen die Gegend um sich in düsteres Gewölk, und mit jedem Tage wächst ihr Contingent. Ihre Wirksamkeit gewinnt immermehr an Terrain und erstreckt sich bereits über die Grenze des Magyarenlandes. Ein Pechvogel, der sich jahrelang mit den verschiedenartigsten profanen Beschäftigungen in der Welt Herumgetrieben, der alle Phasen des Vergehens durchgemacht, hüllt sich zu guter Letzt in eine devote Frömmlermiene, geräth mehrmals des Tages in geistige Verzückungen, wirbt unter Leuten seines Gelichters ein Paar Leibgardisten, die ob seiner Groß- und Wunderthaten mächtig in die Posaune stoßen, und beginnt seinen trügerischen Streifzug durch das Land. Frauen, die Decennien hindurch kinderlos blieben, tragen durch seinen Machtspruch Liebespfänder unter ihren Herzen, Kranke werden geheilt, Krüppel werfen ihre Krücken weg, und Blinden geht ein neues Licht auf! isvub Sanz, Drohobicz, Stry, Zydaczow, Dolina, Kalusch, Rosdol, Przemyslany, Jesapol, Wielapole, Falschtin, Wisnitza, Koßow, Tlumatsch, Kolomea, Horodenka, Delatyn, Potek, Sadegura und noch viele andere bedeutende Gemeinden sonnen sich im Schutze dieser Patronen, und in Radwurna hat ein Dalailama seinen Sitz, der mit frecher Arroganz das Oberste zum Untersten kehrt. Morgens verrichtet er sein Abend- und Abends sein Morgengebet, mit Ausgang des Sabbaths hält er bei Licht die Morgenvorlesung der Tora, und Sonntag früh verrichtet er das Munchagebet vom verflossenen Ruhetage. Höre Israel und staune! Ein Oberhaupt der Chassidim verlegt auf die einfachste Weise den Samstag auf den Sonntag, und dennoch unternimmt eine erstaunte, verblendete Mengedie Wallfahrt zu diesem heiligen Manne, um ihm huldigen und seinen erkauften Segen erhalten zu können. Dieser Gegenstand und Mißbrauch ist schon sehr oft zu öffentlicher Sprache gelangt, und dennoch setzen diese Ritter der traurigen Gestalt ihr Treiben unge-

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