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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-07-19 · Heft 30 (19.7.1858) · p. Seite 407

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 30 (19.7.1858)
Date
1858-07-19
Page
Seite 407 (sequence 3)
Language
German
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407 und mit jenem Schwung der Sprache, welche dem Verf. eigen sind. Es versteht sich, daß die großen Gegenstände, welche in diesen Reden behandelt werden, in dem kurzen Raume, den solche gestatten, nicht erschöpft werden können. Er zieht eben nur die großen Lineamente, innerhalb welcher die Detailöbehandlung einen unerschöpflichen Stoff findet; aber er zieht diese scharf, umsichtig, und durch viele zutreffende Bemerkungen und Winke markirt. Der Werth solcher allgemeinen Betrachtungen besteht hauptsächlich darin, die Begeisterung für den Gegenstand zu wecken und seine allgemeine Bedeutung, die in der kritischen Erforschung der Specialien zu oft verloren geht, wieder einmal in Helles Licht zu stellen. Sehr mit Unrecht schlagen daher Solche, welche nur an Details sich zu halten gewöhnt sind, den Werth solcher allgemeinen Betrachtungen zu gering an. Wenn die letzteren nicht blos Phrasen sind, wenn sie nicht in banalen Floskeln sich bewegen, und zehn Mal Gesagtes zum eilften Male Vorbringen, wenn sie vielmehr aus genauer Kenntniß des Details hervorgehen, und mit scharfem Blick den zurückgelegten Weg, seine Windungen und Irrungen überschauen, find sie den Wächtern zu vergleichen, welche von hoher Stellung aus das Land überblicken, die nahende Gefahr erspähen, den Mahnruf ertönen lassen und die Richtung angeben, nach welcher zu der Heereszug sich bewegen sollte. Wir fühlen uns daher dem Herrn Verf. für seine Reden aufs Beste verbunden, welche einen warmen Eindruck auf jeden Leser zu machen nicht verfehlen werden. Zeitungsnachrichten. Preußen. Berlin, 26. Juni. Der jüdischen Gemeinde zu Berlin ist die landesherrliche Genehmigung zur Annahme mehrerer Schenkungen ertheilt worden, weiche derselben als Beitrag zu den Kosten der Erbauung eines neuen Krankenhauses zugegangen sind. Es haben zu diesem Zweck beigesteuert: 1) der Commerzicnrath Alexander Mendelssohn 1500 Thlr., 2) der Kaufmann Adolph Reichenheim 5000 Thlr., und 3) der praktische Arzt Dr. E. Waldeck 2000 Thlr. Soberirheirn, 18. Juni. (Privatmitth.) Am heutigen Tage' feierte die hiesige israelitische Gemeinde die Einweihung ihres neu erbauten Gotteshauses. Dasselbe ist im Verhältniß der nicht sehr zahlreichen jüdischen Einwohnerschaft sehr' geräumig erbaut, so daß bei einer noch so großen Vermehrung derselben es nicht an Raum mangeln dürfte. Das Gebäude selbst ist in einem passenden modernen Style erbaut. — Die Gemeinde scheute keine Kosten, ihr Gotteshaus auf die würdigste Weise auszustatten. Auch hatte sie sich werthvoller Geschenke und Beiträge auswärtiger Mitglieder zu erfreuen. Die Einweihungs-Feierlichkeiten wurden mit großem Pomp begangen. Zahlreiche Freunde von Nah und Fern hatten sich eingefunden, um diesem Festtage beizuwohnen. Der festliche Zug bewegte sich von dem alten Bethause nach der neuen Synagoge. Voran unter dem prachtvollen Baldachin der Oberrabbiner, Herr Dr. Auerbach aus Bonn und der hiesige Cantor und Lehrer, Herr Cahn, gefolgt von den Trägern der Gesetzrollen. Hierauf folgte das hier neu errichtete Sängerchor von den Jungfrauen und Männern Sobernheimö, die zu dieser Festlichkeit geladenen Beamten und die übrigen Mitglieder der Gemeinde. Die Synagoge war bei dieser denkwürdigen Feierlichkeit mit Laub und Blumengewinden vom Referenten geschmückt worden. Herr Oberrabbinev Dr. Auerbach hielt eine tief ergreifende Predigt, die Wichtigkeit deö heutigen Tages schildernd. Am Samstage darauf predigte der Lehrer und Cantor der israelitischen Gemeinde Herr Kahn über das Thema: „Bauet mir ein Gotteshaus und ich werde wohnen unter Euch." S. Hadra, Maurermeister. Oesterreichischer Kaiserstaat. Prag, im Juni. (Privatmitth.) Lange noch, ehe den Israeliten die Möglichkeit gegeben war, sich in allen Stadtthcilen Wohnungen zu verschaffen, und nur einzelne Bevorzugte „außer der Gasse" wohnten, kam cs zwischen Liesen und den Pfarrern des Kirchsprengelö, in welchen sie wohnten, zu kleinen Conflicten. Letztere verlangten nicht nur, daß ihnen bei Geburten, Trauungen und Sterbefällen der Israeliten die Stola bezahlt, sie verlangte» auch mitunter, daß ihnen überhaupt ein jährliches Aequivalent für die Stolatare gegeben werde, die ihnen, im Falle das Wohnobject ein Christ bezogen hätte, doch von Zeit zu Zeit zusallen müßte. Nach der Zeit kamen diese kleinen Confficte immer häufiger vor und die Folge 30*

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