Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 30 (19.7.1858)
- Date
- 1858-07-19
- Page
- Seite 406 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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406 Es ist eine anerkannte Thatsache, daß die Erhebung des jüdischen Volkes und die Anerkennung und Würdigung des Judenthums ein Werk innerer Entwickelung war. Nachdem jüdischer Geist, jüdische Kraft, jüdisches Talent Jahrhunderte lang in Fesseln geschlagen waren und ihnen ein kleiner Spielraum gegönnt war, wo den natürlichen Gesetzen gemäß die Kraft verkümmern mußte: da zeigten Juden und Judenthum, daß der Baum nicht verdorret und die Kraft der Aeste nicht geschwunden ist. Zum Staunen der Welt, zur Ueberraschung so mancher Glaubensgenossen, die von der ihnen innewohnenden Kraft keine Ahnung hatten, zeigte es sich, daß der jüdische Geist ein sehr beweglicher sei und mannigfache, vielfache Begabungen besitze. Was man auch z. B. von strengem jüdisch-religiösen Standpunkte gegen Spinoza einwenden mag, er hat für die Achtung und Anerkennung der Juden außerordentlich gewirkt. Doch nicht bei Allen, die Talent bekundeten, zeigte sich auch Charakterstärke. Zum Theil hat das neue Leben und Streben die Jugenderinnerungen verwischt, zum Theil waren die Anerbietungen von Außen sehr glänzender Natur; überdies aber war die Anerkennung von Juden und Judenthum noch so wenig zum Durchbruche gekommen, daß selten ein Talent im Judenthume ausharrete; und wie es sich von selbst verstehet, hielten sich Viele, sehr Viele für talentvoll und begabt und verläugneten den Glauben ihrer Väter und schämten sich ihrer Brüder. So schmählich diese Uebergangsperiode für die Ueberläufer war, so sehr diese auch oft ihren ehemaligen Glaubensgenossen zu schaden suchten, um ihren Ursprung vergessen zu machen, so war nichts desto weniger der Beweis hergestellt, daß auf jüdischem Boden die besten Kräfte sich entwickeln können, daß der Boden nicht so verwünscht sei, wie man es anderweitig glauben machen wollte. Dieser Periode folgte die neuere und neueste Zeit, in welcher das Judenthum nach Innen wie nach Außen seine sittliche Kraft entfaltet, wo das Judenthum seinen Bekennern zur Ehrensache geworden ist und die Ueberläufer da wie dort in der Weise betrachtet werden, wie es ihnen gebührt. ' In dieser Beziehung haben sich insbesondere verdient gemacht und machen sich verdient die Märtyrer der Wissenschaft, denen alle praktische Wirksamkeit verschlossen ist; in einer andern Richtung besonders hervorragend ist das Verdienst Auerbach's. Die Thatsache allein, daß ein Mann, dessen Schriften in der Hütte wie im Palaste eifrig gelesen werden, dem Fürsten und Fürstinnen und die Großen und Mächtigen der Erde gnädig gewogen sind, denn „der König soll mit dem Dichter gehen"; -— die Thatsache allein, sagen wir, daß ein solcher Mann seinem Glauben treu anhängt, reicht hin, um unzählige schwache, wankende Gemüther zu befestigen und zu stärken. Indem wir zum Schlüsse nochmals auf den Roman Spinoza zurückkommen, wollen wir nur bemerken, daß der Autor die dritte Auflage wiederholentlich verbessert hat. Neu darin ist der Abschiedsbesuch de Silva's bei Spinoza und wir können es uns nicht versagen, die letzten Worte de Silva's anzuführen: „Ich weiß, ich weiß, ich bin nicht gekommen, mit Dir zu streiten. Du kannst es mir als Hochmuth deuten, daß ich Dir noch Frömmigkeit zuerkenne; aber als Du die Synagoge auf immerdar verließest, muß Dir an einem Betstühle, wo einst Dein Vater stand, ein Kind erschienen sein, und das Kind betete andächtig, und das Kind warst Du. — Vergiß es nicht. Und Du sollst es wissen und bleiben dessen eingedenk, daß ein Jude mit Trauer im Herzen Dich den einsamen Weg gehen sieht. Leb' wohl!" Wir haben es hier versucht, die Bedeutung Auerbach's für Juden und Judenthum in kurzen Umrissen zu schildern. Unserer Empfehlung bedürfen dessen Schriften nicht. W. Magdeburg, im Juli. La Parola Israelitica, Orazioni Ire seguite de una quarta e precedute da un discorso preliminare de Lelio Deila Torre, Rabbino, Professore. Padova 1858. Es erscheinen hier die früher einzeln gedruckten Reden des geehrten Verfassers vereinigt, durch einen einleitenden Discours und durch eine Rede über die Wissenschaft des Judenthums vermehrt, und nunmehr durch den Buchhandel zu beziehen. Der Verf. saßt das „israelitische Wort" als ein dreifaches auf, das gesprochene, das geschriebene und das symbolische Wort, so darunter jedweden Ausdruck des israelitischen Gedankens verstehend. Das „symbolische Wort" ist ihm insonders jedwede religiöse Ceremonie, in so fern sie eine Lehre und einen Gedanken symbolisch zur Erscheinung bringt. In jeder der drei Reden unternimmt es der Vers., in kurzen, gedrängten Zügen den Charakter, den CntwiHlungsgang; 1ne Wirksamkeit dieser drei Arten israelitischer Manifestation darzustellen und ihre Wichtigkeit für die jetzige und folgende Zeit zu constaliren. Er thut dies mit jener Wärme der Empfindung