Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 29 (12.7.1858)
- Date
- 1858-07-12
- Page
- Seite 399 (sequence 7)
- Language
- German
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3SS Werke er jede wissenschaftliche Bedeutung abspricht. — Ein Herr Epstein, Lehrer in Schanten, veröffentlicht ehestens die „Marannen" in hebräischer Sprache. (Es ist bekannt, daß Herr Berthensohn dieselben in russischer Sprache übersetzt und gedruckt hat.) Herr S. Sachs bevorwortet dieselben und behandelt Jehuda Abarbanel, unter dem Namen „Leo der Hebräer" bekannt. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Autz Rheinheffen, im Juni. (Privatmitth.) Es ist beinahe als eine Ironie der bestehenden Verhältnisse in Deutschland und gewisser neuerer Bestrebungen und Vorkommnisse zu betrachten, daß ein Jude — Herr Dr. Stern aus Frankfurt am Main — der diesjährigen allgemeinen deutschen Lehrerversammlung (in Weimar) das Thema: „Mittel und Grenzen der Nationalerziehung" gegeben, und das Referat darüber hatte. Ein Jude, der zu deutschen Lehrern über die Mittel spricht, die Vaterlandsliebe und das deutsche Nationalgefühl zu kräftigen! — Was werden die Herren Wagener, Stahl und Consorten, was wird das kurhessische Ministerium und Mehrere dergleichen dazu sagen? Wird die Kreuzzeitung die Ge-, legenheit vorübergehen lassen, Herrn Dr. Stern, der als bekannter „Reformjude" von Berlin her ihr noch gut im Gedächtnisse ist — obwohl sein Wirken für die allgemeine religiöse Entwickelung des Judenthums nichts weniger als segensreich war — in die „Mache zu nehmen" und Gift und Galle zu speien über solche Juden, die in Deutschland ihr wahres Vaterland sehen, über dessen heiligste Interessen sie ein Wort mitsprechen dürfen u. s. w.? — Allgemeine deutsche Lehrerversammlung und Judenthum, Bildung und religiöser Fortschritt, Gewissens- und Religionsfreiheit im Bunde! Gewiß, das sind Elemente, die der Feindschaft jener Fraction würdig sind, weil in deren Zusammenwirken Etwas liegt, was sie nicht zu ertragen vertrag! — Freilich, das Judenthum Stern's ist nicht so hoch zu halten wie sein Deutschthum. Als Beweis mag gelten, daß derselbe bei seinen im vergangenen Wintersemester gehaltenen Vorlesungen über die Geschichte der alten Deutschen, als dessen Zuhörer natürlich meistens Juden um ihn herum saßen, immer von jenen alten Deutschen als von „unseren Vorfahren" sprach: — Alö „unsere Voreltern noch auf der Bärenhaut lagen" u. s. w. Es geschehen curiose Dinge im heutigen Judenthum von sonst sehr gescheidten Leuten, die „lauter Aesthetik" sind. In unserm Großherzogthum ist noch Alles beim Alten. Die beiden Rabbinate Darmstadt und Alzey sind immer noch unbesetzt und man hört nichts von deren baldiger Besetzung. Mittlerweile regen sich die Landgemeinden, um sich loszureißen oder doch mindestens etwas zu revolutioniren. — Alles schon dagewesen! — Auch die Angelegenheiten der Lehrerversammlung in Offenbach scheinen nicht vorwärts gehen zu sollen oder zu wollen, trotzdem Einige der Herren des Ausschusses sich um das Verdienst der Urheberschaft stritten. — Wenn in einer Correspondenz aus Worms neulich (in No. 22. d. Z.) von der Gleichgültigkeit mehrerer Landgemeinden des Kreises Worms gegen allen Religionsunterricht gesprochen wurde, so muß andererseits wieder hervorgehoben werden, daß in einem andern Theile RheinhessenS gerade die bestgestellten Schulen des Großherzogthums sich befinden, daß z. B. in Oppenheim, Grukersblum, Odernheim, Niederwiesen und Bechtheim gut dotirte Elementarschulen mit definitiv vom Großherzoge angestellten Lehrern sich befinden, die zumeist seit langen Jahren dort wirken, und daß außerdem die Lehrer in Schornsheim, Sprendlingen von ihren Gemeinden freiwillig als Religionölehrer rc. definitiv angestellt sind, außer andern, die wir vielleicht nicht wissen; und daß aus all Diesem zu schließen ist, daß eS um das jüdische Schulwesen hier zu Lande nicht so schlecht bestellt ist. Die israelitische Gemeinde Dalheim im Kreise Oppenheim erhielt von der Communalgemeinde als freiwilliges Geschenk einen Platz zum Gottesacker, und der Bürgermeister nebst dem Gcmeinderath wohnten in feierlicher Weise der Einweihung bei, welche in Abwesenheit eines Rabbinen durch den Lehrer Klingenstein aus Odernheim, der zugleich als Prediger fungirte, celebrirt wurde. Derselbe verfehlte nicht, der Gemeinde für diese Handlung den verdienten Dank und die Anerkennung auszusprechen, welche einer solchen Handlung in unserer intoleranten Zeit gebührt. Preußen. Berlin, 22. Juni. Gestern Vormittag fand die feierliche Grundsteinlegung zum Neubau des