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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-07-12 · Heft 29 (12.7.1858) · p. Seite 398

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 29 (12.7.1858)
Date
1858-07-12
Page
Seite 398 (sequence 6)
Language
German
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398 in der That ist Nichts so geeignet, den Atheismus in seiner Nichtigkeit zum Bewußtsein zu bringen, als in ähnlicher Weise, wie es von Parker geschehen, einen Blick in seine innere Oede und Leere zu eröffnen. Es giebt für den Atheismus keinen gefährlichem Gegner als ihn selbst. Er ist die absolute Negation, die sich selbst negirt. Zn nicht minder treffenden Zügen malt der Redner den praktischen Atheismus. Wie es theoretische, speculative Atheisten giebt, die in ihrem praktischen Leben keine sind, die religiöser, sittlicher, gottgemäßer handeln, als sie es eigentlich ihren atheistischen Marimen nach müßten , so giebt eS umgekehrt auch praktische Atheisten, welche sich zwar vielleicht nicht offen zur Theorie des Atheismus bekennen, aber wenn nicht durchaus, doch größtentheils so handeln, wie wenn sie Atheisten wären. Diese praktischen Atheisten gelten dem Redner als die verwerflichsten, als die gefährlichsten. Für sie wird die Gottesläugnung mit allen ihren Consequenzen zum Grundsatz ihrer Handlungsweise. Der praktische Atheist muß nothwmdiger Weise glauben, daß der Mensch keine natürliche und absolute Verpflichtung hat, wahr zu denken, recht zu handeln, menschenfreundlich zu fühlen und heilig zu leben. Er muß in Abrede stellen, daß es eine solche Pflicht gegen Gott giebt, weil er das Dasein Gottes läugnet, oder weil er das Dasein der Eigenschaften Gottes läugnet; und er muß läugnen, daß er diese Verpflichtung gegen sich selbst hat; denn da der Mensch sein eigener Geist, seine eigene Ursache, seine eigene Vorsehung, sein eigener Gesetzgeber und Führer ist, so ist auch jede Neigung des Menschen gleichfalls ihre eigene Ursache, ihr eigener Geist, ihr eigener Gesetzgeber und Führer. Deswegen ist die Leidenschaft der Vernunft und dem Gewissen eben so wenig verantwortlich, als die Vernunft und das Gewissen der Leidenschaft verantwortlich sind. Die Theile sind dem Ganzen eben so wenig verantwortlich, als das Ganze einem Theil. Der Mensch ist endlich, und es giebt kein höheres Wesen über dem Menschen; eben so giebt es kein höheres Gesetz, als die Laune irgend einer Leidenschaft oder irgend einer Berechnung. Der Mensch kann Alles wollen, was er will, und es wird sein Gesetz sein. Es giebt für den praktischen Atheisten keine Rechtsidee, kein Sittengesetz, keine Religion, keine Ehrfurcht und keine Liebe. Er kennt nichts Höheres, als die Sinnenwelt, nichts Höheres, als die Befriedigung seiner Launen und Begierden. Die vollendete Selbstsucht ist sein Lebensprincip. Nach dieser Schilderung des praktischen Atheismus in seinen allgemeinen Zügen zeichnet ihn der Redner, wie er sich in den verschiedenen Formen des persönlichen, häuslichen, gesellschaftlichen, nationalen und des allgemein menschlichen Lebens offenbart, und zeigt, daß die vollendete Selbstsucht, zum Princip erhoben, in allen Sphären nur zerstörend wirken könne. Er vergleicht dieselbe mit einer Kreuzspinne. „Die französischen Philosophen im letzten Jahrhundert", erzählt er, „dachten, daß die Spinne noch nicht ihre ganze Ausgabe erfüllt habe, sondern daß man sie zu Zwecken der Fabrikation und Manufaktur unter den Menschen brauchen könne. Sie dachten, sie könnten vom Mund der Spinne den Faden eines Gewebes gesponnen bekommen, der noch feiner wäre, als der des Seidenwurmö. Die Spinne lebt nicht heerdenweise; die Philosophen sammelten eine zahllose Schaar der Jnsecten und schlossen sie in einem Zimmer ein, und ließen sie anfangen zu weben, indem sie sie mit Fliegen und anderer Nahrung fütterten, wonach die Spinnen verlangten. Nach einigen Tagen war nur noch eine einzige Spinne übrig; sie kämpften mit einander, bis die Königsspinne die einzige übrige war, und die Selbstsucht sich aufgefressen hatte." Literarischer Wochenbericht. Magdeburg, im Juni. (Notizen.) Die hebräische Uebersetzung des Koran durch H. Reckendorf ist vollendet; es wäre wohl zu wünschen, daß diese Uebersetzung den Weg in die Hände der orientalischen Juden fände, um so mit Dem, was bei den Türken Rechtens ist, genauer bekannt zu werden. Es gereicht diese Arbeit der Ausdauer und Arbeitstreue des Verfassers zu Ehren. — Die Monatsschrift „Inen ll'lsrasl" ist von Mühlhausen nach Straßburg verlegt, wo sie hauptsächlich vom Adv. Herrn Honel redigirt werden wird, ohne daß ihr Gründer, Herr Rabb. Dreyfuß, sich ihr ganz entzieht. Eigenthümlich ist es nur, daß, während Herr Dreyfuß in dem Lien d’Israd nur ein rabbinisches Tribunal errichten wollte, die Zeitschrift jetzt in die Hände eines Rechtsgelehrten übergegangen ist. — Als erster Kalender auf 5619 ist der „Volkskalender von Pascheles in Prag" ins Feld gerückt. Er ist sehr wohl ausgerüstet und wird seinen Platz behaupten. — Im neuesten Heft der „deutsch-morgenländ. Gesellschaft" giebt Geiger eine schneidende Kritik über Rapoports Ezech millin Lief. 1.", welchem

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