Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 28 (5.7.1858)
- Date
- 1858-07-05
- Page
- Seite 390 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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390 Seite war Löw Zunz, Oberrabbiner und Gchulrector zu Pinczow, ein berühmter, scharfsinniger und gelehrter Talmudist, gestorben 1682. — Eine prächtige Zierde seines Stammbaumes war auch der durch seine besondere Geistesschärfe notorische Meir, Sohn des Jacob Schiff — vulgo rpio Di'hw — Oberrabbiner und Schulrector zu Fulva ums Jahr 1633. Sein Vater Nathan, gelehrter Talmudist und Kabbalist, wurde nach Eibenschütz, einem mährischen Städtchen an der Jglawa, als Rabbiner berufen. Hier genoß Jonathan aus dem väterlichen Munde seinen ersten Unterricht im Talmud, erhielt daher auch den Beinamen „Eibenschütz." Der Vater starb frühzeitig, und nach dessen Tode kam Jonathan nach Wien in das Haus eines reichen Mannes, Namens Samson, der die Sorge für die fernere Erziehung des talentvollen Knaben übernehmen wollte. Allein seine Mutter, die fromme, gottesfürchtige Rabbinerin Schendel, fürchtend, das glänzende Wohlleben im Hause des reichen Wieners könnte ihrem Sohne im Talmudstudium hinderlich sein, nahm ihn unversehens auS der Residenzstadt weg, um ihn unter dürftigen Umständen seiner rabbinischen Bestimmung zuzuführen. Von da begab er sich nach Proßnitz in Mähren, allwo Meir Sohn Jsak (vulgo dSH» Eisenstadt) damals Oberrabbiner und Schulrector gewesen (1702 — 1712). Jonathan war dazumal noch sehr jung, mochte auch nicht lange unter der Leitung Meir's studirt haben j denn dieser wird von ihm blos tyiba" — „Führer meiner Jugend" — nicht aber ,,^V2 vyyi" — „mein Herr Lehrer und Meister" — genannt, hatte also nicht das meiste, sondern nur einiges Verdienst um seine Bildung. Bald verlor Jonathan auch seine Mutter und blieb als arme verlassene Waise zurück. Samson Wertheimer, Rabbiner zu Wien und Oberrabbiner über Ungarn, ein sehr gelehrter, reicher und hochangesehener Mann, wollte den verwaisten, aber vielversprechenden Jüngling zu sich nehmen und als Gemahl für seine Tochter bestimmen. Jedoch fand sich noch ein Rival ein, der ebenfalls um die Hand dieser Jungfrau warb, auch ihrerseits, da er Jonathan an körperlicher Schönheit überragte, den Vorzug erhielt, aber auch der Letztere erfreuete sich bald eines recht günstigen Looses. Jsac Spira, Enkel des im Jahre 1680 verstorbenen Prager Oberrabbiners Simon Spira, Rabbiner zu Bunzlau, Lissa und zuletzt böhmischer Landrabbiner, hatte keinen Sohn, aber eine bereits zur Jungfrau herangereifte Tochter, Namens Elkele, für die man ihm viele Heirathsanträge machte, die er aber alle ausschlug, weil er einen recht gelehrten Schwiegersohn wünschte. (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. Pr. Stargardt, im Mai 1858. Am ersten Tage des jüngst verflossenen Pfingstfestes sind wiederum in hiesiger Synagoge zwei Knaben und fünf Mävchen von dem zeitigen Rabbiner Herrn Lesser confirmirt worden. Die vorangegangene Prüfung zeigte zur größten Freude der Gemeinde, daß sämmtliche Confirmanden einen gründlichen Religionsunterricht erhalten batten, und giebt eine jo kernige und ausgewählte Aussaat der besten Hoffnung Raum. Es fehlt daher auch dem Herrn Lesser für sein heiliges und eifriges Streben, in die jugendlichen Herzen ächt religiösen Sinn einzupflanzen und den Gottesdienst auf jede mögliche Weise zu heben, die verdiente Anerkennung nicht. So har er in denselben Choralgesang eingeführt, und ist es seinen Bemühungen gelungen, mehrere junge Männer zur Mitwirkung bei demselben anzuregen, unter denen der Leiter derselben, Herr Joseph Wolffheim, für seine ausdauernde Thätigkeit besonder« Dank verdient. Möge dieser heilige Eifer nie erkalten und die Verbesserung, die sich bereits Bahn gebrochen und Wurzel gefaßt hat, raschen Schrittes der Vollendung entgegenschreiten. Aufforderung. Die Cantor- und Schächterstelle Hierselbst, mit welcher ein jährliches Einkommen von circa 600 Thlrn. verbunden ist, soll möglichst bald besetzt werden. Qualificirte Subjecte wollen sich daher unter Beibringung ihrer Oualistcations-Atteste persönlich beim Unterzeichneten Vorstande melden. Reisekosten werden nicht vergütigt. Jnowraclaw, den 29. Juni 1858. Der Synagogen-Vorstand. _M. Latte._ Zu Michaelis d. I. wird in hiesiger Gemeinde die Stelle eines Religionslehrers, verbunden mit den Functionen eines Schächters und Vorbeters, vacant, und soll sodann wieder besetzt werden. Der jährliche fire Gehalt ist 120 Thlr. Pr. Crt., freie Station und die Schächtergebühren. Die hierauf Reflectirenden wollen sich unter Einsendung ihrer Zeugnisse in frankirten Briefen wenden an den Unterzeichneten Vorsteher Jsaac Wolfferrsteirr. Dömitz in Mecklenburg, im Juni 1858._ Zur Leitung eines das Gymnasium besuchenden Knaben wird für eine Provinzstadt Mährens ein Erzieher ge-