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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-07-05 · Heft 28 (5.7.1858) · p. Seite 387

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 28 (5.7.1858)
Date
1858-07-05
Page
Seite 387 (sequence 9)
Language
German
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387 Eines wünsche ich Prag: daß eS nicht von einer solchen Fluth Gedichte und zwar schlechter überrascht werde bei Gelegenheit der Einweihung, wie Wien. Bis auf den Lampenanzünder ist Alles besungen worden. Hervorheben muß ich jedoch ein Gedicht von Letteris und den „Sängergruß" von Stern, wo daS Hebräische insbesondere viel Schwung hat. Auch vom Herrn Rabbiner Horwitz erschien -die Volkshymne, ins Hebräische übersetzt. Dieses scheint jedoch ein Druckfehler zu sein; denn dieses ist die Uebersetzung der alten Volkshymne und wurde verfaßt von Herrn Kohn, als der selige Kaiser Franz nach Ofen kam. Fünfkirchen, im Juni. lPrivatmitth.) Unsere Rabbinatsfrage hat endlich doch ihre Lösung faktisch gefunden in der Person des Herrn Di-. H. Hirsch, selb, der bereits sechs Wochen in unserer Mitte lebt und wirkt. Wer die einem Rabbiner durch Wort und That ermöglichte Einflußnahme auf daS Gedeihen aller Communalinstitutionen in Erwägung bringt, und wer nur einigermaßen Dr. Hirschfeld näher kennt, wird dieser jungen opferwilligen Gemeinde von Herzen gratuliren. Von dem Grundsätze beseelt, daß keine Erbauung ohne Gotteswort statthaben solle, gewährt der Herr Rabbiner allsabbathlich einen geistvollen Vortrag, den die hiesige Bevölkerung leider zu lange vermißte. Auch die Schule erfreut sich des Umstandes , den Rabbinen zum Präses der allwöchentlichen Conferenzen zu haben , und somit hoffen wir dem schönen Ziele der Vervollkommnung kräftig zuzusteuern. Nicht unerwähnt bleibe ein Act des wohlthätigsten Gemeinsinnes, den ein hiesiger wackerer Israelit, Namens Adolf Engel, bewährte und wodurch er sich ein bleibendes Monument für die Gegenwart und späte Zukunft gegründet. Mehrere hiesige Bürger versuchten es schon durch mehrere Jahre, auf einem unwirthbaren Felde außerhalb der Stadt eine Badeanstalt ins Leben zu rufen. An der Mangelhaftigkeit ihrer Versuche scheiterte jedoch immer die Ausführung. Nun ergriff Genannter das Projekt mit Thatkrast und Scharfsinn, und siehe, es gelang ihm. Heute besitzt die hiesige Stadt eine herrliche Schwimm- und Badeanstalt, die auch von den höchsten Notabilitäten frcquentirt, allenthalben in gerechter Weise gewürdigt wird. Möge dieser Act jüdischer Strebsamkeit neuerdings beweisen, welche Rührigkeit der Jude entfaltet, wo es das allgemeine Beste gilt. Gutmann. Temeswar, 20. Juni. Die Allg. Ztg. erwähnte jüngst, daß die Frage über die Befähigung der Juden zum Grundbesitz nicht so bald zur Entscheidung kommen werde. In unserem Kronland, namentlich im Torontaler Comitat, werden den Israeliten keinerlei Hindernisse bei Erwerbung von Grundeigenthum in den Weg gelegt, und es sind erst in letzterer Zeit von Juden sowohl Häuser als Felder acquirirt und unter ihrem Namen ins Grundbuch eingetragen worden. Großbritannien. London, 23. Juni. Oberhaus. Sitzung vom 22. Juni. Auf Antrag des Earl von Malmeöbury wird ein Ausschuß ernannt, welcher in einem Schriftstücke die Amendements der Lords zu der Eidesbill motiviren soll. Die zweite Lesung von Lord Lyndhurst's Judenbill, so wie von der denselben Gegenstand betreffenden Bill des Earl von Lucan wird wegen Unpäßlichkeit des Earl von Derby bis auf Donnerstag über acht Tage verschoben. Frankreich. Mühlhausen, im Juni. (Lien d’Israel.) Wir fahren fort, alle Zeichen der Sympathie, welche die israelitische Gewerköschule dieser Stadt erhält, einzutragen, besonders diejenigen, welche von hochgestellten Personen ausgehen, deren Schutz eine Garantie für die längere Dauer dieses Institutes, das eineö der besten deS französischen Judenthums ist, giebt. In diesem Falle werden unsere Leser nicht ohne Jntereffe den folgenden Brief lesen, der uns durch den Unterpräfecten unserer Stadt zugeschickt wurde: Mühlhausen, den 26. Mai 1858. Herr Rabbiner, Ich habe mit eben so vielem Interesse als Befriedigung die Dokumente gelesen, welche Sie so freundlich waren, mir zu übersenden, über die in Mühlhausen gegründete Arbeitsschule. Dieses Werk macht der Initiative und der Beharrlichkeit seiner Gründer, die den glücklichen Gedanken gehabt haben, der Wohlthätigkeit die erhabene und moralische Form einer Gewerks-Erziehung, zu geben, die größte Ehre. 28

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