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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-07-05 · Heft 28 (5.7.1858) · p. Seite 384

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 28 (5.7.1858)
Date
1858-07-05
Page
Seite 384 (sequence 6)
Language
German
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384 fei eS zu gelehrten, technischen oder gewerblichen BerufSzweigen, sei, und daß dazu eine tüchtige Unterlage nicht entbehrt werden kann. Bei der im vorigen Monat im Seminar zu Eßlingen stattgehabten Prüfung sind 5 israelitische LehramtScandidaten mit Erfolg bestanden, eben so viele sind nach gleichfalls erfolgter Prüfung aus der Präparanden - in die Seminar - Anstalt übergegangen. Elftere werden bei dem bis jetzt beklagenswerthen Mangel an Schullehrern bald Seitens der Oberschul- und Oberkirchenbehörde geeignete Verwendung finden, was sowohl unfern Gemeinden als den Candidaten sehr zu gönnen ist. Schon melden sich auch wieder Einige zum Eintritt in die Präparandenschule, die dann nach vollendetem vierjährigen Studienlauf gleichfalls baldiger Verwendung entgegensetzen. Das gegenwärtig der landständischen Berathung unterstellte neue Schulgesetz wird ohne Zweifel auch in materieller Beziehung unfern Schullehrern die lange ersehnte Aufbesserung bringen. Zu wünschen wäre nur, daß die Confesstonsschlflen in solchen Gemeinden, wo weniger als 60 jüdische Familien wohnen, zu Volksschulen erklärt werden, um an den allgemeinen Wohlthaten deS in Aussicht stehenden Gesetzes gleichen Antheil zu genießen. Auch unsere Theologie geht wieder besseren Aussichten entgegen. Bereits sind mehrere Jünglinge, wie man hört, im theologischen Studium begriffen, die nach Beendigung ihrer Studien wohl nicht lange auf Verwendung warten dürfen.' Der gesicherte Stipendiengenuß hebt manche Eltern über die ersten Sorgen hinweg und so darf man hoffen, daß ein tüchtiger Nachwuchs daS Rabbinerthum bald wieder complettiren werde. In neuerer Zeit ist beim Seminar in Eßlingen die Einrichtung getroffen worden, daß die jüdischen Seminaristen ihren Wandertisch aufgeben mußten, um dafür ihre Kost in dem jüdischen Waisenhause zu nehmen, wohin sie nun auch ihr gemeinsames Logis zu verlegen haben werden. Löbliche Einrichtungen. Für den im Seminar ausfallenden Clavierunterricht sollen die Seminaristen mehr hebräischen Unterricht als bisher genießen. Wäre es aber, da der übrigens tüchtige Waisenhausvater ohnehin mit sehr vielen Geschäften in Anspruch genommen ist, nicht sehr ersprießlich, demselben noch eine tüchtige Persönlichkeit an die Seite zu geben, um die hebräischen Fächer, wozu wohl auch ein tüchtiger Synagogengesang gehört, besser ausfüllen zu können, wenigstens so lange das projectirte gemeinsame Seminar für Süddeutschland nicht ins Leben gerufen ist? A. W. Preußen. Reichenbach, im Juni. (Privatmitth.) Vor einigen Tagen hat der Rabbiner M. L. Malbim Kempen verlassen, um das bedeutende Rabbinat in Bukarest anzutreten. Kempen hat dadurch einen fast unersetzlichen Verlust erlitten. Wer die dortige jüdische Bevölkerung kennt, der weiß, mit welchen Schwierigkeiten ein Rabbiner zu kämpfen hat, um dort allen Fractionen (vom Chassidismus bis zum Jndifferentismus) zu genügen, und es bedarf der geistigen Tüchtigkeit und besonders der eisernen Willenskraft deö Rabbiners Malbim, um den Frieden der Parteien nur einigermaßen zu,erhallen. In Begleitung der ganzen Gemeinde zog Herr Rabbiner Malbim zu Fuß aus der Stadt bis zu dem an dem Wege belegenen Gottesacker, wo er die Gräber seiner Vorgänger und seiner unvergeßlichen Tochter besuchte. Darauf sprach er tiefgefühlte Worte deö Abschieds, die alle seine Zuhörer zu Thranen rührten. Jeder Einzelne drängte sich an ihn heran und bat flehentlichst, er möge die Reise aufgeben. Viele veranstalteten sofort eine Collecte, um seine materiellen Verhältnisse in der Zukunft günstiger zu gestalten; — er hat nämlich durch seine bekannte Freigebigkeit in der armen Gemeinde all sein Vermögen verloren; — darauf versprach er nach Kempen zurückzukehren, wenn sein neuer Wirkungskreis seinen Hoffnungen nicht entspräche. Deshalb ward beschlossen, das Rabbinat in Kempen vorläufig unbesetzt zu lassen. Herr Rabbiner Malbim galt allgemein als einer der tüchtigsten Talmudisten Preußens; doch hat er als Ereget und Maggid eine Höhe erreicht, welche die gelehrte Welt nur dann kennen wird, wenn alle seine scharfsinnigen Arbeiten veröffentlicht sein werden. Sein hebräischer Styl ist meisterhaft und Schreiber dieses hat bei ihm Dichtungen in Manuskript gesehen, die eines R. Mo. Ch. Luzzato würdig sind. Vielleicht findet sich in Bukarest recht bald ein Verleger dieser geistigen Schätze, — dann ist die Zukunft des Rabbiners Malbim ganz gewiß gesichert. —

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