Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 28 (5.7.1858)
- Date
- 1858-07-05
- Page
- Seite 383 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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383 ders möglich, von verschiedenem Werthe. Namentlich sind einige der Novelletten allzu genau dem bekannten Schema Spindlers und Consorten angepaßt, entschädigen aber durch ihren anmuthigen, lebhaften Styl und entsprechen in ihrer Entwickelung doch mehr dem jüdischen Bewußtsein, als ihre Prototypen. Den würdigen Schluß der ganzen Sammlung bildet eine ausführliche Biographie des Rabbi Jonathan Eibenschütz von GuLmann Klemperer, Rabbiner in Tabor, die mit großem Fleiße geschrieben, einen Einblick in das lebendige, geistige Treiben unserer Väter im verflossenen Jahrhundert gewährt, zugleich auch zeigt, wie dringend nothwendig denselben die Eröffnung neuer Tummelplätze für ihre geistigen Turniere war. Kann es etwas Traurigeres geben, als die hohe geistige Begabung, die umfassenden Kenntnisse, eines,Eibenschütz und seiner Gegner sich um solche Lappalien wie Amulette, Kämeoth u. dgl. abmühen zu sehen? Wir wurden bei der Lectüre dieser Biographie an die „Rettungen" Lessings erinnert, denn in ähnlicher Weise wird hier Eibenschütz ob der noch vor Kurzem von bewährten Historiographen ihm vorgeworfenen Huldigung des Sabbathaismus, dieses Satyrspiels auf die Mesfiasidee, vertheidigt. Wir wünschen dem Buche die verdiente Verbreitung, namentlich möchte es zum Ankauf für israelitische Schul- und Gemeindebibliotheken geeignet sein. Dr. M. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Württemberg, im Juni. (Privatmitth.) In Laupheim gab der dortige jüdische Gesangverein in der jüngsten Zeit ein Concert, das ein großes Publikum an sich zog. Die Production war nach dem allgemeinen Urtheil sehr gelungen. Besonders war es wieder das Preislied, das dem immer strebsamen Verein vor einigen Jahren bei dem allgemeinen schwäbischen Sängerfest in Ravensburg den ersten ländlichen Preis erringen half, das mit Beifall gekrönt ward. Diesmal wirkten beim Concert auch israelitische Damen mit, die dasselbe verschönern halfen. In derselben Gemeinde beabsichtigt der Chebra- Kadischa-Verein am-nächstkommenden Vorabend des Neumonds Elul sein llOjähriges Gründungsfest auf solenne Weise zu feiern. Der Verein wurde im Frühling 1748 erstmals gegründet, da die Gemeinde kaum ein Vierteljahrhundert und kaum aus 40 Familien bestand, während sie jetzt aus circa viermal so viel Familien besteht. Die öffentlichen Zustände des Jahres 1848 waren nicht der Art, um der 100jährigen Gründungsfeier das Wort zu reden.. — Ungewiß ist, ob bei den gegenwärtig versammelten Ständen unseres Landes die sogenannte Judenfrage zur Sprache kommen wird. Aus Württemberg, im Juni. (Pcivatmith.) In der Beilage zur Augsburger Allg. Zeitung vom 1l. v. M. Nro. 13 l. Seite 2096. wird den württembergischen Lehranstalten von der Realschule aufwärts bis zum Gipfel der Universität eine warme Lobrede gehalten, und dieses Urtheil mit der untrüglichen Thatsache der Zahlen belegt. Am Schluß heißt es nun: „Alle diese Anstalten zusammen (85 gelehrte und 64 Realschulen n.) zählten im letzten Jahre ziemlich genau 4000 Schüler, unter ihnen 800 Katholiken und gegen 60 Israeliten, der übrige Thcil Evangelische mit 3140." Wenn nun, wie dort wenige Linien vorher angegeben wird, an der Gesammtbevölkerung von Württemberg zu 1,800,000 Seelen, vornan die Evangelischen mit ca. 1,192,000, die Katholiken mit ca. 596,000, die Israeliten mit ca. 12,000 participiren, so würden Schüler gelehrter Schulen kommen auf Evangelische .... 2648 8/>>, Katholiken ..... 1324 */», Israeliten.. 26 °/s, 4000 Schüler. Es hätten also nach dem Stand der israelitischen Landesbevölkerung, gegenüber den beiden andern Confessionen, die Juden nur mit 26 °/o participiren sollen, um ihre Hinneigung zu höheren und gewerblichen Studien im gleichen Maß wie bei andern Confessionen zu bethätigen. Allein ihre Betheiligung ist mehr als das Doppelte, 26:60. Bei den Evangelischen ist die Betheiligung auch eine günstige, doch nur im Verhältniß wie 26:31. Dagegen ist das Verhälrniß bei der katholischen Bevölkerung ein umgekehrtes, und zwar wie 13 :8. Es geht wohl zur Genüge daraus hervor, daß der Jude,, selbst unter ungünstigen Umständen, von dem früheren Nothhandel loözumachen sich bestrebt, indem er wohl begreift, daß das Postulat der gegenwärtigen Zeit ein kräftiges Heranbilden der Jugend,