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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-06-28 · Heft 27 (28.6.1858) · p. Seite 368

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 27 (28.6.1858)
Date
1858-06-28
Page
Seite 368 (sequence 4)
Language
German
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388 analyslren; was kann es überhaupt Schöneres geben für den Büreaukraten, als die Statistik? Das Leben mit seinen innern Ergebnissen, welch ein mühsames, unsicheres Studium, hier in diesen Ziffern hat er alle Resultate des Lebens) alle Philosophie, alle Staatsweisheit ist schwankend, die Mathematik muß fest bleiben. — Dies Letztere läugnet gewiß Niemand, aber bildet Euch doch nicht ein, daß eine Anwendung von mathematischen Formen auf die Menschheit Mathematik ist. — Wer Zahlen wählt nach Belieben, sie nach Gutdünken zusammenstellt, der hat das Ergebniß im Voraus festgestellt. — Und nun erst die Schlüffe, die aus den Ergebnissen gezogen werden, liegen diese nicht ganz in der Subjektivität des Rechnuttgssührers? — Um nur eni Beispiel anzuführen, — man liebt es, bei der Criminalstalistik der Juden besonders die Zahl der Angefchuldigren hervorzuheben; als nun einst die Zahl der Berurtheilten zur Sprache kam, und das starke Mißverbältniß von selbst hervortrat, zog man den Schluß, daß die Juden wahrscheinlich die Bestechlichkeit besser zu benutzen verstehen, anstatt die wahre, nur zu nahe liegende Ursache anzugeben, daß man hier dem Juden auf jede Anschuldigung hin gleich einen Proceß macht, daß man ff > überhaupt nicht scheut, ihn auf das leiseste, entfernteste Anzeichen zu beschuldigen. — Ich gehe schnell über diesen Punkt hinweg, ich müßte sonst zu Vieles aufregen. — Mau har unter Anderm in jüngst veröffentlichten Tabellen statlstisch erwiesen, daß sich die Juden in Polen in besonders erschreckender Weise vermehren; es versteht sich, daß dies nur auf natürliche Ursachen zurückgeführt werden kann, da vor Einwanderungen von Juden das Land geschützt ist. — Ich will jedoch die Richtigkeit der Angaben dahingestellt sein lassen, ich will annehmen, daß die Zählungen in Jahren, wo das Land sich erst zu organisiren anfing, bis wohin man nämlich die Vergleichungsbasis zurückführt, richtig waren, daß die neu eingetretene Militairpfllchtigkeit, vielfache Auswanderungen, die früher nicht stattfanven, nichts auf das bisherige Verhältniß emwirken werden; endlich, daß die stetige Vermehrung der Menschheit in geometrischem Verhältniß, wie sie nach vorauögeschickter Malthus'scher Forme! auf dem Papier sich feststellt, auch m der Natur sich bewährt, daß alw wirklich nach so und so viel Jahren, wie dort ausgerechnet, die Juden an Zahl den Christen gleichkommen werden, so möchte ick) fragen, was folgt daraus? ist das nicht gerade ein Grund mehr von der bisherigen kleinlichen Art die Juden zu behandeln, abzugehen? — oder soll ein so zahlreicher Bolkstheil, der, gut oder schlecht, jedenfalls ein wichtiges Moment im Leben der Nation ausmacht, immer in gedrückten Verhältnissen bleiben, immer mit der Antwort der Undringlichkeil zurückgewiesen werden? — Alle Beschränkungen können den bisherigen Zustand nur verlängern uno, ich wage es zu behaupten, bei den wachsenden moralischen und materiellen Bedürfnissen, bei den immer stärker werdenden unvermeidlichen Wechselbeziehungen zwischen Juden und Christen, zwischen Regierung und Regierten, muffen fie auch diesen Zustand der Juden nothwendiger Weift in jeder Hinsicht verschlimmern. — Der Jude soll nicht auf jedem Schritt, will er wohnen, will er umziehen, will er Gewerbe treiben, will er essen, daran gemahnt werden, daß ihn das Gesetz als Juden zurücksetze, denn was kann das bei dem einmal erwachten Gefühl der Ungerechtigkeit für Gegenwirkung hervorbringen? er soll es einsehen, daß man ihm wirklich gerecht werden will, also weg vor Allem mit jeder officiellen Geringschätzung; denn wenn man z. B. in Rescripten und zuweilen sogar in öffentlichen Bekanntmachungen bald von Juvm als von Eindringlingen in die christlichen Reviere, bald als von Defraudanten, bald, wenn von Thierquälerei die Rede ist, von ihnen als besondern Thierquälern spricht, so kann ich dies und so vieles Andere nicht anders als officielle Verachtung nennen, die doch wahrlich, wie auch das Gesetz selbst sei, zu vermeiden wäre. — Es ist so schwer, sich im Bureau seiner gewöhnlichen Gefühle zu enräußern; über ein gewisses Maß sollte immer beobachtet werden. — Ich komme auf die Gesetze selbst, und will beweisen, wie einseitig man uns bisher im Ganzen behandelt hat, wie ungerechter Weift man uns den Vorwurf macht, daß wir gegen Juden anderer Länder zurückgeblieben find. — Man kennt die neue moralische und intellektuelle Aera bei den Juden in Deutschland seit Mendelssohn und seinen Nachfolgern. — Unser polnischer Mendelssohn soll erst geboren werden; aber was war natürlicher, als daß wir aus dieser Quelle unser geistiges Erstarken schöpften? — Wer die Juden kennt, weiß, daß sie nur durch die Religion sittlich und geistig gebildet werden können, und wenn auch hier in diesem Falle die Quelle der Bildung eine fremdländische war, so ist nicht zu zweifeln, daß der nationale Boden nur einer Bewässerung bedurfte, um eigene Pflanzen hervorzubringen. — Trotzdem erschien plötzlich ein Befehl, der die Einführung jedes hebräisch ooer jüdisch gedruckten Buches vom Auslande her gänzlich verbot, und dieses Gesetz besteht seit mehr als

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