Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 26 (21.6.1858)
- Date
- 1858-06-21
- Page
- Seite 359 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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*859 wenn auch nur in wenigen Zeilen, meinen Dank darzubringen für Ihre sprachlich und naturhistorisch wichtige Arbeit über die reiche Zoologie des Talmuds. Die freundlichen Aeußecungen des Briefes, welcher Ihre mühevolle Arbeit begleitete, erhöht den Werth eines solchen Geschenkes. Wir haben keine Arbeit, die man der Ihrigen gleichsetzen kann, sie erweitert die Geschichte der Zoologie früherer Jahrhunderte. Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung und lebhaftem Dankgefühle Ew. Wohlgeboren gehorsamster A. von Humboldt. Potsdam, den 7. Juni 1858.." Mögen diese Zeilen den Verfasser zum weiteren Fortschreiten auf der Bahn des wissenschaftlichen Strebens ermuthigen! Dr. Georg Zimmermann, Großherzoglicher Gymnasiallehrer. Preußen. Aachen, im Juni. (Privatmitth.) Wir haben einen „Bericht über das Armenwesen in der Synagogengemeinde Aachen", vom Rabbiner Herrn Dr. Rothschild und vom Gemeindevorstande Herrn Levy unterfertigt, vorliegen. Derselbe ist in musterhafter Weise abgefaßt, indem er sich nicht, wie gewöhnlich dergleichen Rechenschaftsberichte, darauf beschränkt, die Zahl der Einnahmen und Ausgaben und den Vermögensstand der einzelnen Kassen aufzuführen, sondern sich sehr ausführlich über die Entwickelung des Armenwesens in dieser Gemeinde, über die Grundsätze, Zwecke und Mängel der bestehenden Vereine ausläßt und so jedem Mitgliede die Gelegenheit giebt, eine genauere Kenntniß von der Sachlage zu gewinnen, aber auch die Veranlassung, ein wärmeres Interesse dafür zu fassen. , Je mehr die Mehrzahl der jetzigen Menschen genug gethan zu haben glaubt, wenn sie den edelsten Zwecken jährlich ein Paar Thaler hingeworsen haben, und sich hierdurch mit ihrer Menschenpflicht für abgefunden hält, desto wichtiger ist es, ihnen durch solche ins Einzelne gehende Berichte die Sache näher zu bringen, ja gewissermaßen aufzudrängcn. Handelt es sich nun hier noch dazu um an sich kleine Institute, da die Größe der Gemeinde nur solche nöthig macht, so ist der Fleiß dieser Arbeit und der würdige Ernst nicht genug anzuerkennen, und den großen Gemeinden, in welchen der Umfang der Armeninstitute von großem Belang ist, und wo dennoch die Behandlung derselben allzu nonchalant betrieben wird, als Muster zu empfehlen. Mit besonderem Vergnügen heben wir hervor, daß die Gemeinde selbst eine „Dahrlehnskasse" hält, welche kleinen Geschäfts- und Handwcrksleuten der Gemeinde unverzinsliche Darlehen gegen Bürgschaft oder Pfand mit Zurückzahlung von wöchentlich */2 Silbergroschen vom Thaler darbietet und die auch hier vom segensreichsten Erfolge ist. Wir möchten diese Einrichtung, welche anderswo nur der flottanten Wirksamkeit eines Vereines überlassen ist, den israelitischen Gemeinden dringend anempfehlen, es wäre dies ein Gemeindeinstitut neuerer Art, welches unserer Zeit zur Ehre gereichte. Auch in Aachen ist eine Kasse eingerichtet, welche würdigen Fremden eine Reiseunterstützung reicht, dagegen das Betteln Vagabondirender nicht zuläßt. Möchten wir eine Bemerkung machen, so gälte diese einigen Aussprüchen in der Einleitung. Daß die neuere Zeit das Associationswesen auf die Armenunterstützung ausgedehnt habe, ist eine Behauptung, die ich in diesen Blättern schon mehrmals zurückgewiesen gesunden habe. Es ist bekannt genug, daß die Chebrolh, und was sind diese anderes als Associationen zur Armenunterstützung jeglicher Art und anderen frommen Zwecken, so alt sind, wie die jüdischen Gemeinden selbst, so daß das Judenthum in dieser Hinsicht von der neueren Zeit nichts zu lernen gehabt. Vielmehr können wir uns die Erfindung dieses Associationswescns so gut wie die der Wechsel zuschreiben und liegt dem wohl dieselbe historische Ursache zu Grunde. Daß die gesetzliche Erhebung der Armxngaben, die in der heiligen Schrift angeordnet, in neuerer Zeit aufgehoben und darin ein Fortschritt zu erkennen sei, bezweifeln wir factisch und ideell. Haben doch selbst die Engländer Armenabgaben in neuerer Zeit nothwendig gefunden und eingeführt, und ist es doch die Frage, ob es ein Fortschritt sei, wenn die Communalkassen aus ihren durch die allgemeinen Abgaben erflosscnen Mitteln große Summen für Armenunterstützung zahlen, statt daß besondere Armenabgaben bestehen. An der Sache selbst ist damit nichts geändert. Die mensch- 26