Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 26 (21.6.1858)
- Date
- 1858-06-21
- Page
- Seite 358 (sequence 8)
- Language
- German
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358 ihrer Bildung legten. Mit der Armuth von Jugend auf vertraut, achtete er der gewöhnlichen mannigfachen Genüsse des Lebens gar nicht und war nur froh, vor dem Hunger geschützt zu sein und — öfters guten Kaffee trinken zu können. Verheirathet war er nie. Pon RegenSburg schreibt man, daß beim Grundbau eines neuen Hauses auf eine Reibe unterirdischer Gänge und Gewölbe gestoßen wurde, wobei eines der letztern einstürzte und fünf Arbeiter unter seinem Schutte begrub. Der Baugrund befinde sich in dem Rayon der alten Judenstadt, die bei der Vertreibung der Juden im Jahre 1519 größtentheils vernichtet zu sein scheint und nur seltene Spuren ihres frühem Bestandes noch aufweist. In Fürth soll sich unter den Israeliten allda ein Streben zur Errichtung besserer und zeitgemäßer Schulen kundgeben, da man mit den Leistungen der dermaligen sich nicht begnügen will. Einer der frühem Lehrer, Schönbrunner, der zugleich die Vorsängerfunction versah und hierin, da er auch tüchtiger Hebräer ist, Ausgezeichnetes leistete, ist schon vor mehreren Jahren nach der neuen Welt übergesiedelt; der zweite, Friedhauser, hat seine Stelle gegen klingende Münze an einen jungen Mann abgetreten und ist vor kurzer Zeit ebenfalls ausgewandert. Ob dcr Vorstand von diesem Handel etwas wußte und wie er sich dabei benahm, ist nicht bekannt. rer. Fulda, im Juni. lPrivatmitth.) Unser Provinzial - Rabbiner Herr I)r. Enoch hat von dem Großherzogl. israelitischen Oberrath in Schwerin die Aufforderung erhalten, sich zu der Annahme des dort erledigten Rabbinats zu melden. Derselbe hat aber ablehnend geantwortet, weil er, „obgleich in Fulda finanziell weniger günstig gestellt, daselbst einen viel ersprießlicheren Wirkungskreis habe". Das Provinzial-Vorsteheramt in Fulda hat eben so wie das in Kassel eine Eingabe an das Churfürstliche Ministerium gemacht, worin gegen alle den Israeliten aufzulegende Beschränkungen protestirt wird. Von der hebräischen Lesefibel des sel. Herrn Levysohn ist die 4re Auflage mit einem Vorwort des Oi-. Enoch erschienen. Schwerin in Mecklenburg, im Juni. lPrivatmitth.) Zweiundvierzig Bewerber haben sich für das vacante Landeörabbinat gemeldet. Man bemerke aber wohl, daß die jüdischen Mitglieder des Oberraths von allem Diesem nichts wissen und erfahren, sondern daß Concurs, Candibatur und wahrscheinlich auch Besetzung lediglich von den beiden großherzoglichen Commiffarien ausgehen und daß also die Juden Mecklenburgs eben so wieder einen Landesrabbiner erhalten werden, ohne bei der Wahl die geringste Stimme zu haben, wie bei der Wahl des jetzt demilkirten. Es ist nicht unsre Sache, diesen Vorgang zu charakteristren. Jedenfalls sieht man daraus, daß, wenn Juden in ihre internen Angelegenheiten die Staatsverwaltung eingreifend wünschen, sie auch nicht allein auf alle Autonomie, sondern sogar auf alle Betheiligung in den wichtigsten Beziehungen des religiösen Lebens verzichten müssen. Worms, 15. Juni. lPrivatmitth.) Sie werden, Herr Redacteur, und mit Ihnen sicherlich auch die verehrten Leser dieser Zeitung, nachstehenden Artikel aus der „Wormser Zeitung" vom heutigen Tage mit Vergnügen lesen. Bei der materiellen Richtung unserer Zeit ist es wohlthuend, ernst wissenschaftliches Streben nicht unbelohnt zu sehen. Doch lassen wir den angeregten Artikel selbst folgen. Er lautet Worms, 13. Juni. Der in der wissenschaftlichen Welt rühmlich bekannte Prediger der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr vr. L. Lewys o h n, von welchem, wie diese Blätter schon berichteten, eine Schrift: „Die Opfer des alten Testaments, ein Beitrag zum Studium der biblischen Archäologie" sich unter der Presse befindet, hat so eben ein Werk unter dem Titel: „Die Zoologie des Talmuds, eine umfassende Darstellung der rabbinischen Zoologie unter steter Vergleichung der Forschungen älterer und neuerer Schriftsteller" erscheinen lassen. Als schönste Belohnung für dieses Ergebniß mehrjähriger gründlicher Forschung empfing der Verfasser von dem jetzigen Fürsten der deutschen Wissenschaft, Alexander von Humboldt, folgendes Schreiben, das unsere Leser bei der großen Ehre, die es einem unserer Mitbürger erzeigt, gewiß mit dem lebhaftesten Interesse ausnehmen werden: „Ich eile, zu einer unheiteren und überbeschäftigten Zeitepoche, Ihnen, verehrter Mann,