Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 25 (14.6.1858)
- Date
- 1858-06-14
- Page
- Seite 344 (sequence 8)
- Language
- German
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344 sen und der Beistand mannigfacher Bedürftigen. Auch die hiesigen Wohlthätigkeitö-Anstalten fanden in ihm einen eifrigen Förderer und thätigen Theilnehmer. Er starb im sechszigsten Lebensjahre, ohne irgend ein Vermögen zu hinterkafsen, wie dies in diesem Stande begründet ist, und es hinterblieben eine Wittwe mit 5 wohlgerathenen, noch nicht ganz versorgten Kindern. Bei seinem Leichenbegängniß betheiligte sich ein solch zahlreiches Gefolge, wie dies noch nie in hiesiger Stadt vorkam. Nicht nur alle Glieder der Gemeinde, Jung und Alt, sondern auch die beiden Collegia des Magistrats und der Stadtverordneten, alle Lehrer der christlichen Schulen, so wie die achtbarsten christlichen Bürger folgten seiner Leiche. Am Grabe sprach der hiesige Rabbiner Brann, anknüpfend an Psalm 15, 1. 2., paffende und erhebende Worte über die Verdienste des'Verewigten in seiner dreifachen Lebenöthätigkeit: in der Familie als a^an ^Vn, in dem Berufe als pnrr bs>a und im gesellschaftlichen Umgänge als 13383 ras 133. Bald nach der Beerdigung faßte der Gemeindevorstand den sehr löblichen Beschluß, der Wittwe im ersten Jahre den vollen Gehalt und in den folgenden fünf Jahren eine Pension von 100 Thlrn. jährlich zu gewähren. Schließlich noch die Bemerkung, daß der Verstorbene in diesem Jahre von den Stadtverordneten zum Schiedsmann gewählt und von der Königl. Regierung in diesem Ehrenamte bestätigt würde. Bei dieser Gelegenheit folge hier noch die Mittheilung, daß in hiesiger Stadt ein Israelit, Herr Lewin Herz, Mitglied des Magistrats, und drei, die Herren Naumann Lehmann, Mar Lehmann und vr. Davidsohn, Mitglieder des Stadtverordneten-Collegii sind. Letzterer, Herr vr. Davidsohn, ist in diesem Jahre bereits zum zweiten Mal als Vorsitzender gewählt worden, und ist es seiner Wirksamkeit vorzüglich zu verdanken, daß in nächster Zeit hier ein Gymnasium, vorläufig mit 3 Classen (Quinta, Quarta und Tertia), eröffnet werden wird. Christburg in Westpreußen, im Mai. (Privatmitth.) Am 1. Mai hatte unsere aus 50 Mitgliedern bestehende jüdische Gemeinde ein seltenes und erhebendes Fest, nämlich das 25jährige Amtsjubiläum unseres von der ganzen Gemeinde geachteten und geliebten Cultusbeamten, Herrn Cohn Priester. Am frühen Morgen wurde dem Jubilar eine Festmusik gebracht, und bald darauf verfügte sich der Vorstand unter Vortritt des Herrn Vorstehers Jacobi zu demselben und überreichte Letzterer mit herzlicher Ansprache im Namen der Gemeinde einen schönen silbernen Pokal, worauf Herr Priester ebenfalls in kurzen, aber herzlichen Worten seinen Dank aussprach. Bei dem Vormittagsgottesdicnste, es war an einem Sonnabend, hielt Herr Priester eine auf die Feier des Tages Bezug habende gediegene und wahrhaft erbauende Rede, die einen tiefen Eindruck auf alle Hörer machte. Am Nachmittage vereinigten sich fast sämmtliche Gemeindemitglieder mit Herrn Priester im trauliche» Kreise bei Wein und Confect. Dies Fest wird in der Erinnerung der Gemeinde noch lange fortleben und mit Stolz darf dieselbe darauf Hinblicken, daß sie während dieser Zeit mit Herr» Priester im schönsten Einverständnisse gelebt, ja, heute ist die gegenseitige Liebe noch unverändert dieselbe. Noch sei hier erwähnt, daß unsere Gemeinde bereits seit längerer Zeit den Gottesdienst zeitgemäß verbessert hat und was in größeren Gemeinden der Chor leistet, wird hier von der ganzen Gemeinde ausgcführt, und mit Recht muß hierbei das Verdienst des Vorstehers Herrn Jacobi im Verein mit Herr» Priester anerkennend hervorgehoben werden, da sie i» der ersten Zeit viel zu kämpfen hatten. A. C. Österreichischer Kaiserstaat. Brünn, 10. Mai. (Eingesandt.) In No. 18. d. Bl. hat ein Correspondent über die israelitische» Schüler am hiesigen k. k. Gymnasium ein Wort ausgesprochen, das ganz dazu geeignet ist, mich selbst in einen dichten Kernschatten zu stellen, daß ich trotz meiner Abneigung, mein stilles Wirken vor dem große» Publikum zu besprechen, mich dennoch genöthigt sehe, zur gründlichen Widerlegung des Herrn Correspondenten darauf einzugehen. Der Herr Correspondent sagt: „Man findet hier nicht selten Gymnasialschüler, die nur mit vieler Mühe Hebräisch lesen können, daß cs für die Sprache MosiS und der Propheten kein Surrogat gäbe" rc. Wer diesen Satz L3N33 D133 buchstäblich liest, muß natürlich glauben, daß am hiesigen Gymnasium das Hebräische gänzlich vernachlässigt und dafür ein Surrogat gegeben, werde. Ich