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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1858-06-14 · Heft 25 (14.6.1858) · p. Seite 343

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
22 (1858)
Issue
Heft 25 (14.6.1858)
Date
1858-06-14
Page
Seite 343 (sequence 7)
Language
German
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343 Entwurf auch unserer politischen Gemeindeordnung und dem allgemeinen Schulgesetze an, und möge derselbe, sobald er die zweite Lesung pasfirt und als Gesetz pulicirt ist, mit einigen Bemerkungen in dieser im Dienste des Judenthums stehenden Zeitung seinen Platz finden. Für heute nur diese Notiz. L. in I. AuS dem Fürfienthum Birkenfeld, im Juni. (Privatmitth.) Es muß gewiß das Herz eines jeden Menschenfreundes mit den freudigsten Gefühlen erfüllen, wenn er den Fortschritt wahrnimmt, den der Jude heutigen Tages auf allen Lebensgebieten gemacht und macht. Wer hätte zu Anfang deS gegenwärtigen Jahrhunderts stch's denken lassen, daß die Juden, die nur für die Elle und den Quersack geschaffen zu sein glaubten, und jede manuelle Beschäftigung als ein angeborenes Monopol der Christen betrachteten, heute in Reih' und Glied derselben Karst und Schaufel gebrauchen und gleich anderen Tagelöhnern 5 Uhr Morgens bis Abends 7 Uhr in brennender Sommerhitze den Schiebkarren zu fahren im Stande sein könnten? Und dennoch ist das also geworden, wie daS vielfach jetzt im hiesigen Fürstenthum bei dem Bau der Rhein-Nahe-Eisenbahn zu bemerken, zu dem auch unsere Glaubensbrüder ihr Contingent an Arbeitern liefern. Auch jüdische Techniker höhern Grades fanden Anstellung, nur schade, daß sich diese in fast ängstlicher Weise von Synagoge und Juden entfernt halten und noch immer nicht einsehen können, daß eine öffentliche Kundgebung der Religion, der man doch angehören will, in unserer Zeit auch wohl von Niemandem verargt wird, da trotz aller Pfaffenmanöver tolerante Gesinnungen in allen Schichten der Gesellschaft tiefe Wurzel gefaßt haben. Der Fortschritt in religiöser Hinsicht giebt sich dahier in dem Umstande kund, daß in Folge anregender Predigten unseres Landrabbiners Goldmann die kleine und unbemittelte Landgemeinde zu Hoppstädten mit dem Plane umgeht, eine Orgel, eigentlich ein sogenanntes Pedal-Harmonium aus der berühmten Fabrik des Herrn Schiedmeier zu Stuttgard, anzuschaffcn, wovon Schreiber dieses den segenvollsten Erfolg für den Gottesdienst erhofft. Die Leser dieser Blätter wird es nicht minder intcresstren, wenn sie hören, daß der hiesige Rabbiner vor Kurzem die öffentliche Prüfung einer natürlich auch von Judenkindern besuchten Communalschule mitleitete, eine Thatsache, die anderswo in gewissen Kreisen sicher einen Schreckens- und Entsetzensschrei hervorgerufen haben würde, hier zu Lande aber für so natürlich gefunden wird, daß nirgends ein Wort darüber verlautet. Schließlich bemerke ich noch, daß 'vom Lehrer Emanuel Hecht so eben im Verlage von R. Voigtländer in Kreuznach erschienen: Vollständige hebräische DeclinationS - und Conjugations - Tabellen (4 Bogen stark), nach einer neuen übcrschaulichen und leichtfaßlichen Weise (3 Sgr. bei Partienbestellungen). Eine andere, 28 Bogen starke Arbeit: Der Pentateuch, grammatisch zergliedert, kommt in wenigen Wochen von ihm bei Vieweg in Braunschweig heraus. Was aber die Lehrer ganz besonders interessiren wird, ist, daß derselbe mit November d. I. eine Schulzeitung herausgeben wird. Wir wissen, daß die tüchtigsten Kräfte bereits ihre Mitwirkung zugesagt und so ist endlich die Befriedigung auch dieses von Lehrern längst empfundenen Bedürfnisses demnächst zu erhoffen. Möchten die Lehrer die Unterstützung eines solchen Blattes als Ehrensache betrachten und es aus allen Kräften zu verbreiten suchen. Preußen. Schneidemühl, 2. Juni. (Privatmitth.) Die hiesige Gemeinde erlitt einen sehr schweren Verlust durch den Tod ihres ersten Lehrers, Herrn Aron Moritz, der letzten Sonntag am 30. Mai früh *1^1 Uhr nach nur kurzem Krankenlager erfolgte. Herr Moritz wirkte länger als 30 Jahre seit der Begründung der hiesigen jüdischen Elementarschule an derselben mit musterhafter Treue und Gewissenhaftigkeit. Es vereinigten sich in ihm alle Eigenschaften eines guten Lehrers: ruhiges Temperament, Geduld, Ausdauer, Liebe zum Amte, Hingebung an die Jugend, Lehrgeschicklichkeit, gründliches Fachwissen, schlichte Offenheit und wahre Herzensfrömmigkeit. Ec war aber auch außer seinem Amte ein Mann der Humanität in wahrem Sinne des Wortes, und benutzte er seine Mußestunden zu Werken der Wohlthätigkeit mannigfacher Art. Wer irgend ein Anliegen hatte, wozu eine Vermittelung nöthig war, suchte seinen Beistand auf; wer in irgend einer Verlegenheit eines Rathes bedurfte, wandte sich an ihn, und so war er der Sachwalter vieler Wittwen und Wai-

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