Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 25 (14.6.1858)
- Date
- 1858-06-14
- Page
- Seite 341 (sequence 5)
- Language
- German
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341 teresse weit über die Lokalität hinaus erregten, nur in sehr beschränkter Weise zu allgemeiner Kenntniß. Und zweitens sind die Juden eben so verpflichtet wie geneigt, sich bei allen Wohlthätigkeitsacten ohne Berücksichtigung eines konfessionellen Unterschiedes zu betheiligen, daß sie, da sie besondere Hülfsleistungen wiederum ihren Glaubensgenossen schuldig sind, doppelt angestrengt werden müssen. Um so mehr ist es Pflicht, alle Fälle auszuscheiden, wo der Anspruch auf die Mildthätigkeit vermieden werden könnte, oder wo sie in der That nicht durchaus nothwendig ist. Zu diesen Fällen gehören die Unterstützungen zum Wiederbau abgebrannter Synagogen. Eine jede Gemeinde ist verpflichtet und im Stande, ihre Synagogen- und Schulgebäude zu versichern und zwar so zu versichern, daß sie im Falle eines Vrandunglücks von den Versicherungssummen vollständig wieder erbaut werden können. Eine Gemeinde, die dies unterläßt, macht sich einer solchen Fahrlässigkeit schuldig, daß sie des allgemeinen Mitgefühls kaum würdig erscheint. Noch übler ist es, wenn Gemeinden eines solchen Unglücks sich bedienen , um Mittel über das Baubedürfniß hinaus zu sammeln. Wir kennen einen Fall, wo eine Gemeinde seit Jahren für den Wiederbau ihrer abgebrannten Synagoge gesammelt und verhältnißmäßig reiche Beiträge erhalten hat, aber nicht baut, sondern die Zinsen zu ihren Cultuskosten verbraucht. Je heiligere Pflicht es ist, unbemittelten Gemeinden zum Bau einer Synagoge oder zur Restaurirung ihrer alten Synagoge zu verhelfen: desto geringer ist die Dringltchkeit, zum Wiederbau abgebrannter Synagogen beizutragen. Nachdem also wiederholt die Vorstände der Gemeinden gemahnt worden sind, durch Assecuranz jede Benachtheiligung ihrer Gemeinden betreffs ihrer Synagogen durch Brandunglück vollständig zu verhindern, haben wir es als Grundsatz angenommen, Sammlungen für abgebrannte Synagogen in diesen Blättern unsererseits nicht mehr zu sördern. Die Redaction. Vom Institute )nr Förderung der israelitischen Literatur. Die Verschickung der zweiten Schriftsendung des dritten Jahres hat nunmehr begonnen. Literarischer Wochenbericht. Aus Böhmen, im Juni. Wir leben in einem spekulativen, erfinderischen Zeitalter und werden daher fast alltäglich von neuen Erscheinungen überrascht. — Was Wunder, wenn auch im Gebiete der Literatur mitunter Erscheinungen austauchen, von denen sich noch vor Kurzem die nüchterne Philosophie nichts hätte träumen lassen, bis sie eines schönen Morgens Schwarz auf Weiß uns von ihrer wirklichen Eristenz Zeugniß geben. Sv hatten wir eine vollständige Uebersetzung des „Ln Jakow“ bisher für ein Unternehmen gehalten, das der bekannten Pinner'schen projectirten Talmudübersetzung würdig an die Seite gestellt werden könnte — und doch liegt heute Prospect und Probebogen der vollständigen Uebersetzung des *p>" vor uns; als Übersetzer, ist der wackere Rabbiner Ehrmann in Böhmisch- Leipa genannt. Das Buch soll in monatlichen Lieferungen bei L a n d a u in Prag erscheinen. So wenig es schon jetzt unsere Absicht sein kann, den Werth der Uebersetzung zu beurtheilen, da kaum einige Seiten von derselben vorliegen, so können wir doch nicht umhin, unser Bedauern auszusprechen, daß Herr Rabbiner Ehrmann einem Unternehmen seine Feder leiht, das wir und mit uns gewiß gar Viele als durchaus unzweckmäßig bezeichnen müssen. Den Grund für diese Bezeichnung wird, ohne daß wir ihn hier weitläufig auseinandersetzen, jeder Sachkundige leicht errathen, überhaupt Jeder, der da weiß, wie viel symbolische Erläuterungsgabe, wie viel religiöse Scheu und nationale Liebe dazu gehört, um die talmudische Agada in ihrem ganzen Umfange zu würdigen und wie oft dieselbe vou Uebelwollenden schon gemißbraucht wurde. Herr Rabbiner Ehrmann sagt in der Vorrede zur erwähnten Uebersetzung: „Es erscheint uns als ein wahrer Anachronismus, wenn uns noch jetzt von mancher Seite salbungsvoll der Rath ertheilt wird, den Talmud hübsch hinter Schloß und Riegel zu halten und allenfalls der deutschen Lesewelt nur solche Stellen vorzuführen, die füglich als Tert einer erbaulichen Predigt dienen oder gar für einen Almanach verstficirt werden könnten." Nun denn, wir unsererseits schämen uns nicht zu gestehen, daß wir diesem „anachronistischen" Rathe vollkommen beistimmen und im Interesse des Unternehmens wie des Judenthums gewünscht hätten, den „2^^ ’py", wenn schon eine Uebersetzung a tout prix sein muß, nur in einer strengen Auswahl übersetzt zu sehen. Komisch aber