Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 25 (14.6.1858)
- Date
- 1858-06-14
- Page
- Seite 340 (sequence 4)
- Language
- German
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340 Ueberwiegen der jüdischen Vergehungen in den verschiedenen Richtungen des Handels finden müssen, und daher in den ersteren keine besondere Neigung der christlichen Bevölkerung, so wie in den letzteren keine besondere Neigung der jüdischen Bevölkerung zu Vergehungen erblicken wollen, sondern hüben und drüben die gleichmäßige Neigung aller Menschen, wie sie sich'natürlich in deren verschiedenen Lebenskreisen geltend macht. Anders verhält es sich natürlich mit den ganz allgemeinen Vergehen. Mustern wir die obige Tabelle genauer durch, so finden wir, daß in den angegebenen drei Jahren bei den Juden kein einziger Meineid verzeichnet steht, wogegen bei der christlichen Bevölkerung 30. Kaum nennenswerth ist die Zahl der jüdischen Verbrecher bei den Thätlichkeiten gegen das Leben, deren in den 3 Jahren 10 vorkamen, während bei der christlichen Bevölkerung 319 vorkamen. So stnd auch hinsichtlich körperlicher Verletzungen nur 20 Thäter bei den Juden vorgekommen, während die christliche Bevölkerung deren 561 zählt. Eben so ist es ein besonderes Zeugniß, daß die Juden in allen geschlechtlichen Vergehungen, mit Ausnahme einiger Fälle von Polygamie, gänzlich verschwinden, obgleich die Kategorie dieser Verbrechen auch bei den Christen Polens in ehrenvollster Weise verhältnißmäßig gering ist. Anders gestalten sich die Erscheinungen, sobald wir zu den Verbrechen gegen das Eigenthum übergehen. Sehen wir zwar auch hier noch bei der vorsätzlichen Brandstiftung 2 Juden 74 Christen gegenüber, so wie betreffs Aneignung fremden Eigenthums 3 Juden 104 Christen gegenüber, so bieten doch Raub und Straßenraub ein Verhältniß der Juden zu den Christen wie nur 1 zu 4; bei dem Diebstahl ist das Verhältniß wie 1 zu 6; hier muß aber nothwendig, UU gerecht zu sein, der Holzdiebstahl (der freilich aus dem Jahre 1856 nicht angegeben ist) hinzugerechnet werden, um die Normalzahl von 1 zu 8 erreicht zu sehen. Am schlimmsten zeigen sich die Zahlen beim Betrug, wo diese bei den Juden nur um Weniges geringer sind, als bei den Christen, so daß hieraus für die Juden ein nachtheiliges Urtheil erfließt, das nur durch die Betrachtung gemildert ist, daß die Zahlen dieser Kategorie überhaupt nicht groß stnd. Ein Laster, das oft den Juden vorzugsweise zugeschrieben wird, der Wucher, zeigt sich nur sehr gering, und bei den Christen nicht minder als bei jenen. Eben so ist die Zahl der wegen falschen Maßes und Gewichts bei Juden und Christen fast gleich, und in der Kategorie. der Zolldefraudation geben die bestraften Juden gegen die der Christen das Verhältniß von 1 zu 2. Andererseits ist die Uebertretung der Staatsgesetze in Beziehung auf die Viehseuche bei den Christen sehr groß, bei den Juden sehr gering. Als ruhige Bürger zeigen sich die Juden auch in Betreff der Ehrenkränkungen, wo sie das Normalverhältniß kaum erreichen. Bemerkenswerth gering ist die Zahl der Fälle bei der Flucht aus dem Gesängniß und dem Lande; auffallend, weil man gewöhnlich sie größer vermuthet, ist die bei der Bestechung der Beamten, und was wider alles Erwarten, so nehmen die Juden betreffs der Entziehung von Soldaten und Recruten eine so geringe Zahl ein, daß die Regierung hiermit nur sehr zufrieden sein kann, denn unter 106 solcher zur Bestrafung gekommenen Fälle fallen nur 4 auf "Juden. Es ergiebt sich daher hieraus, daß in den eigentlichen Kapitalverbrechen und in den geschlechtlichen und ehelichen Vergehungen die Juden ein überaus günstiges, in Bezug auf alle anderen Vergehungen das Normale, und nur bezüglich des Betruges und der Zolldefraudation ein ungünstiges Verhältniß einnehmen. Die allgemeinen Zahlen, deren Werth aber, wie oben bemerkt, nicht groß ist, zeigen das Verhältniß von 1 zu 7 und 1 zu 6, während im Jahre 1856, wenn der Holzdiebstahl nicht ausgelassen worden wäre, es 1 zu 8 sein würde. So weit hieraus Urtheile auf die Sittlichkeit der Volksmasse gefällt werden können, wird man aushören müssen, die jüdische Bevölkerung Polens der christlichen nachzusetzen, und alle Argumente, welche von Böswilligen hieraus gegen sie gezogen werden, zeigen sich als nichtig. Arber die Unterstützung zum Neubau abgebrannter Synagogen. Obgleich wir diesen Gegenstand schon einmal in diesen Blättern, so wie im „Jüdischen Volksblatt" besprochen haben, so veranlassen uns doch die immer mehr und wieder sich häufenden Fälle, wo die Mildthatigkeit zu Unterstützungen behufs Wiedererbauung abgebrannter Synagogen öffentlich aufgefordert wird, nochmals darauf zurückzukommen. Die allgemeine Mildthatigkeit wird gegenwärtig mehr als jemals bei unsren Glaubensgenossen in Anspruch genommen. Und dies sehr natürlich. Es gab früher unter den Juden keine Oeffentlichkeit, und so kamen große Unglücksfälle, welche Juden betroffen, und die das 3n-