Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 23 (31.5.1858)
- Date
- 1858-05-31
- Page
- Seite 318 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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318 bei welcher sich nur der Gesammtvorstand und wenige geladene Gäste einfanden. Herr Prediger Dr. Adolph Jellinek hielt eine Festrede, welche an den Grundstein anknüpfte, den Ludwig August Frankl aus Jerusalem vom Berge Zion als ein Weihegeschenk mitbrachte. In denselben sind die Psalmsprüche gemeißelt: „Deine Knechte haben Freude an jedem Stäubchen von Zion", und: „Bon Zion, der Schönheit Inbegriff, strahlt Gott einher." Der Secretär der Gemeinde laS hierauf die Gründungsurkunde, die sofort unterschrieben wurde. Der Architekt, Herr Professor Förster, erklärte dann in einem Vortrage den Plan deS Bauwerkes; worauf der Schlußstein, unter Absingung des Psalmverses: „Der Stein, der von den Bauleuten verworfen ward, ist zum Eckstein geworden", eingesenkt wurde. Die ersten drei Hammerschläge führte der Prediger Herr Mannheimer, indem er sie mit einem schönen Scgensspruche begleitete. Der Rabbiner Herr Horwitz begleitete die Hammcrschläge mit einem hebräisch gesprochenen Segen. Dann folgten die Vorstände, der Bürgermeister Herr Ritter v. Seiller, der Polizei-Director Ritter v. Czapka, geistliche und weltliche Gäste. Ein Gebet und die Volkshymne schlossen die Feier. Eine mächtige Wirkung in dem akustisch glücklichen Baue brachte die Stimme des Obercantors Herrn S. Sulzer hervor; ihn begleiteten die am Tempel angestellten Cantoren Herr Fischer, Julius Sulzer und Joseph Goldstern in würdiger Weise. In den Schlußstein wurde ein mit dem Wappen Judas geschmücktes Kästchen gelegt, in welchem sich die Gründungsurkunde, das Verzeichniß der Gemeindemitglieder und Derjenigen, die sich am Baue durch Geldunterstützung betheiligt oder fromme Weihegeschenke gespendet haben, befanden. Ferner wurden nebst den jetzt gangbaren Münzen die Statuten und Jahresberichte aller wohlthätigen Institute der Gemeinde und die Geschichte der Juden in Wien, von Dr. L. A. Frankl, dann die Inschriften des alten, noch bestehenden jüdischen Friedhofes in der Vorstadt Roßau mit in den Stein gesenkt. Die Feier, die voll Weihe und erhebender Wirkung war, dauerte von halb neun bis nach 10 Uhr. Die Einweihung wird, dem Vernehmen nach, in der ersten Hälfte des Monats Juni stattfinden. Prag, im Mai. Ein Act seltener Munificenz macht in Prag Aufsehen. Ein wohlhabender ehemaliger -Möbelhändler, Herr Edeles, war von der Organisation der Lämel'schen israel, Versorgungsanstalt so freudig überrascht und fand die Tendenz dieser großartigen Stiftung so edel und lobenswerth, daß er sich bewogen fühlte, um an dieser Anstalt einige Plätze Mehr für dürftige Greise zu schaffen, zwei seiner in der Josephstadt gelegenen Häuser (im Werthe von 30 bis 40,000 Fl.) dem Versorgungsfonde zu schenken. Aus -em Tokayergebirge, im Mai. (Privatmitth.) Der israelitische Lehrerstand bot in Ungarn vor einem Jahrzehend, insbesondere wenn man seine damalige Stellung zu der Gemeinde in das Auge faßte, wenig Anziehendes. Doch vergleichen wir jene Zeit mit der Gegenwart und bedenken wir, was von Seiten der k« k. österreichischen Regierung und der Gemeinden in neuester Zeit für Schule geschehen ist und täglich geschieht, wie sehr man in den Gemeinden bemüht ist, dem Lehrerstande die ihm gebührende Achtung zu geben, so muß auch der Kurzsichtige einen erfreulichen Fortschritt zugeben und trotz so mancher Mängel der ungarisch-israelitischen Volksschule eine schöne Zukunft prophezeien. So wurde amtlichen Blättern zufolge die projectirte israelitische Volksschule in Eperies durch den unermüdlichen Eifer deS dortigen Schulvorstandes eröffnet und die in Lowasbereny bestandene israel. Volksschule durch die Bemühungen des menschenfreundlichen hochwürdigen k. k. LandesschulratheS Herrn Dr. M. v. Haas und des ehrwürdigen Bezirksschulinspectorö Herrn I. v. Szomolnoky Seitens einer hochlöbl. k. k. Statthaltern-Abthlg. in Ofen zu einer vierclässigen Hauptschule erhoben und mit höhernOrts bestätigten Lehrkräften versehen. Auch die unter dem tühmlichst bekannten israelitischen Schuldirector Skreinka in Arad stehende israelitische Haupt- und Unterrealschule ist in neuester Zeit, dem österreichischen Schulboten zufolge, durch die Bemühungen des hochwürdigen SchulratheS Herrn S« Schmidt in Großwardein reorganisirt worden. Auch in kleinen Filialgemeinden des Ofener Verwaltungsgebietes verschwinden die Chederen und machen den öffentlichen Volksschulen Platz. Eben so bereitwillig haben sich aber auch in diesem Semester die an öffentlichen israelitischen Schulen angestellten Lehrer einer Privat-Befähigungsprüfung unterzogen und befanden sich im Preßburger Verwaltungsgebiete unter 242 Candidaten 93 Israeliten, die fast sämmtlich beattestirt wurden.