Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 23 (31.5.1858)
- Date
- 1858-05-31
- Page
- Seite 316 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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316 reichen Golddecorationen glänzender und lichter erscheinen, dagegen die nur durch Streiflichter erhellten senkrechten Wände Formen und Farben entschiedener zum Vorschein bringen. — 500 Gasflammen, welche eine Lichtintensität von etwa 3000 Wachskerzen haben, find bestimmt, das Gebäude zu Festzeiten des Abends zu beleuchten. Für die Form der Gasleuchter wurde jene der Wachskerzen gewählt, weil sie, durch uralten Brauch geheiligt, die passendste ist. Die Malerei an den Plafonds ist nur mit reinen und ungemischten Farben, als: Roth, Blau, Gelb und Grün ausgeführt. So entschieden und dunkel auch jede derselben, an und für sich genommen, ist, so bieten sie doch in ihrer ganzen Zusammenstellung die Wirkung einer gemildert Hellen Fläche. Die Seitenwände sollten mit Stuckmarmor überzogen und dann auf diesen Grund nach orientalischer Weise gemalt werden; allein als hierzu geschritten werden sollte, war das Gebäude noch zu feucht, und der Stuckmarmor hätte sich bald abgelöst. Die Seitenwände wurden daher vor der Hand mit einem Dessin von Verschlingungen und Palmen geziert, in der Hoffnung, daß seiner Zeit die beantragte Marmorirung ausgeführt werden wird. — Im Ganzen wie in den Details ist noch Manches zu thun übrig, um den Vau als vollendet bezeichnen zu können; vor Allem muß das linke Seitengebäude aufgeführt werden, um die nöthigen Bequemlichkeiten für den Tempeldienst wie für die Mitglieder der Religionsgemeinde zu erlangen und auf diese Weise den Bau als ein einheitliches Ganze abzuschließen. — Wenn es mir bisher vergönnt war, die Lichtseiten dieses neuen Hauses des Herrn hervorzuheben, so möchte ich zum Schluffe nicht verschweigen, daß die jedem menschlichen Streben beigesellte Unvollkommenheit auch hier nicht ausgeblieben ist, daß Manches nicht so ausgeführt wurde, um Alles und Jedes tadelfrei nennen zu können; ich habe mich jedoch nach meinem besten Wissen und Gewissen bemüht, mit den vorhandenen Mitteln und den unabänderlichen ungünstigen Localverhältnissen einen in seinen Theilen möglichst harmonischen Bau auszuführen, welcher, der Feuersgefahr Trotz bietend, viele Menschenalter überdauern und in seinem Innern oft und zahlreich die gelammte Gemeinde zum Preise und Lobe des Höchsten versammeln möge, der den Ein- und Ausgang Aller segne immerdar. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Peine, 18. Mai. (Privatmitth.) Heute ging eine Deputation der hiesigen jüdischen Gemeinde nach Hildesheim, um dem in diesen Tagen nach dort übergesiedelten Herrn Meyer Preuse einen prachtvollen Pokal, mit passender Inschrift versehen, zu überreichen. Die hohen Verdienste, welche dieser würdige Mann während einer 43jährigen Wirksamkeit sich erworben, beseelten Jeden, der sein stilles, aber segensvolles Wirken zu beobachten Gelegenheit hatte, mit Hochachtung, Verehrung und Liebe für ihn. Preußen. Berlin, 20. Mai. Auf dem Gartengrundstücke Auguststraße No. 14. geschah vorgestern der erste Spatenstich zu dem Neubau eines Krankenhauses der hiesigen jüdischen Gemeinde. Es ist kaum ein Jahr verflossen, seitdem die ersten Schritte zu dem Unternehmen gethan wurden und schon in den nächsten Tagen wird unter der Oberleitung des Herrn Bauraths Knoblauch der Grundstein zu dem neuen Gebäude gelegt werden. Den zeitigen Vertretern der Gemeinde und den Bemühungen der Herren M. Magnus und Commerzien-Rath Reichenheim ist es zu verdanken, daß das Project überhaupt und so schleunig zur Ausführung kommen kann. In wenigen Wochen hatten dieselben durch eine in der Gemeinde veranstaltete Collecte die Summe von 50,000 Thalern ausgebracht, so daß die Grundstücke angekauft und unverweilt zur Aufstellung des Bauprogramms geschritten werden konnte. — An der Feierlichkeit des Spatenstichs betheiligte sich außer der mit der Leitung des Baues betrauten Commission der Vorsitzende des Gcmeindevorstandes, so wie der W. Geheime Regierungsrath Dr. Esse, der die Gemeinde in ihrem Unternehmen mit seinem sachkundigen Rathe unterstützt. —, Se. Majestät der König haben dem Herrn Baruch Auerbach zum 25jährigen Jubiläum des von ihm gegründeten Waisenhauses den rothen Adlerorden 4. Classe verliehen, so wie dem verdienten Dr. Posener, Redactcur der medicinischen Centralzeitung, den Charakter als Sanitätsrath.