Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 22 (1858)
- Issue
- Heft 23 (31.5.1858)
- Date
- 1858-05-31
- Page
- Seite 315 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226093-3226117--16934-3245816- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
315 übrig, als den Gott geweihten Hauptbau in die Mitte und zwar nach der längeren Seite hin zwischen zwei Höfe zu setzen, um dem Lichte möglichst freien Zutritt zu verschaffen und für die Fronte in der äußerst schmalen Gasse eine wenn auch beschränkte Totalübersicht zu erlangen. Es war außerdem dem Tempel die möglichste Breite zu geben, weil im Innern über 2000 Sitze und Raum für Stehplätze erfordert wurden. Die Beschränktheit des Raumes, unter welchem Uebelstande jedoch die architektonischen Verhältnisse im Innern nicht leiden sollten, sowie die Bedachtnahme auf eine freie Durchsicht nach allen Seiten hin führten zu dem Anträge, die Gallerten und die Träger des inneren Baues aus Gußeisen herzustellen. Das Gußeisen eignet sich namentlich für feine, schlank aufstrebende Formen, eine Eigenschaft, welche für den gedachten Zweck ganz besonders veranschlagt werden muß. Die Pfeiler, an den Ecken des Mittelschiffes in der Fassade mit Laternen gekrönt, sollen erinnern an die Säulen im Salomonischen Tempel, von denen geschrieben steht: „Und er richtete zwei Säulen auf vor dem Tempel, eine zur Rechten, die andere zur Linken) und hieß die zur Rechten Jachim und die zur Linken Boas/' Der aus uralter Zeit datire'nde Gebrauch, solche Säulen vor den Tempeln aufzustellen, ist in die arabische Baukunst übergegangen, wie wir denn solche in Form von Minarehs (Leuchtthürme) bei den Orientalen überhaupt finden. Die Localverhältniffe gestatteten hier den Aufbau von eigentlichen Thürmen nicht, sie erlaubten eben nur eine symbolische Andeutung. Die lichterfüllten Laternen am Abende sollen die Gläubigen zum Gottesdienste einladen. Die große Vorhalle mußte wegen des oft berührten Raummangels nach der Richtung der schmalen Straße verlegt werden; ihre charakteristischen Merkmale, die weite, rund und hoch gewölbte Oeffnung und der reiche Schmuck kennzeichnen die orientalische Weise, wie denn nach den Worten der Schrift die Halle vor der Weite des Hauses des Herrn zu Jerusalem inwendig „mit lauterem Golde" überzogen war. Die Idee der Tempeleintheilung: Vestibüle, drei Abtheilungen im Mittelschiffe und endlich das Allerheiligste ist dem Salomonischen Tempel entnommen, welcher nach der heil. Schrift 20 Ellen in der Breite und 60 Ellen in der Länge maß und einen im Westen liegenden Chor hatte von zwanzig Ellen nach der Breite des Schiffes und ein Allerheiligstes, ebenfalls 20 Ellen, nach der Breite des Schiffes. Die Seitenschiffe sind ein Haupterforderniß des Tempels, weil es geboten war, für die Frauen eine ebenso große Anzahl von Sitzen anzuordnen wie für die Männer, zu welchem Zwecke zwei übereinander befindliche Gallerien hergestellt werden mußten. Während also der untere Tempelraum ausschließlich für die Männer bestimmt ist, sind die beiden Gallerien ausschließlich für das weibliche Geschlecht reservirt. D ie heilige Lade mußte wegen der Höhe des inneren Tempelraumes ebenfalls eine entsprechende Höhe erhalten, wodurch es möglich geworden, daß die Vorhänge in die Höhe gehoben werden können, statt wie gewöhnlich nach der Seite gezogen zu werden, eine Anordnung, welche diese vor dem Verderben weit besser wahrt. Die heilige Lade soll in ihrem Schmucke gewissermaßen alle andere Pracht des Tempels überstrahlen, um dadurch auch äußerlich ihre hohe Bedeutung anzuzeigen. Heute tritt diese dem Höchsten dargebrachte Huldigung der Gläubigen noch nicht vor das Auge des Beschauers, weil dem ganzen Baue erst der Schlußstein eingefügt wird. Die Kanzel hat ihre passendste Stelip in der Mitte vor der Estrade für die gottesdienstlichen und die andern religiösen Handlungen gefunden; der Prediger kann von diesem Platze aus von allen im Erdgeschosse, wie in der ersten Gallerte Anwesenden gesehen und im ganzen Tempelraume von Allen gehört werden; der Verkündiger des Wortes Gottes steht da inmitten seiner Gemeinde. — Zur linken Seite der Estrade, in deren Mitte der Al Memar oder nach Bedürfniß der Thronhimmel für Brautleute bei Trauungen gestellt werden kann, ist die Loge für die Vorstände angebracht, hinter der sich für den Prediger ein kleines Gemach befindet; — die rechte Seite nimmt die Loge der Sänger ein. Die Beleuchtung des Mittelschiffes wird während der Tageszeit durch drei Oberlichter, die der Seitenschiffe durch senkrechte Fenster vermittelt. Zur Vermeidung jeder Störung der Andacht, und zugleich um die Sonnenstrahlen zu brechen, wurden mattgeschliffene und farbige Gläser angewandt, welche in ihrer Zusammensetzung von Blau, Roth und Gelb einen ruhigen und feierlichen Farbenton, der ernsten Würde des Hauses angemessen, verbreiten. Die hauptsächlichste Rücksicht mußte jedoch auf die Beleuchtung während der Abendzeit genommen werden, da die religiösen Feierlichkeiten sehr häufig diese in Anspruch nehmen. Zu dem Ende sind die hierzu gehörigen Anstalten derart getroffen, daß nicht nur im ganzen Gebäude vollständige Helle herrscht, sondern daß auch der architektonische Effect bei künstlicher Beleuchtung viel klarer hervortritt als bei,Tage; so werden die Plafonds mit ihren